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Schwabing:Neue Teststation für die "Helden des Alltags"

Start der Drive-/Walk-through-Teststation in der Georgenstraße am Tropeninstitut, LMU Klinikum München

Im Zelt wird der Nasenabstrich genommen und auch mit Schutzkleidung auf den richtigen Abstand geachtet.

(Foto: Florian Peljak)
  • In Schwabing hat die dritte Münchner Drive-in- beziehungsweise Walk-through- Station für Tests auf das Coronavirus eröffnet.
  • Sie steht ausschließlich Menschen in "systemrelevanten" Berufen zur Verfügung. Vorerst werden hauptsächlich Mitarbeiter des LMU-Klinikums getestet.
  • Getestet wird, wer von seinem Betriebsarzt angemeldet wird - weil er zum Beispiel in Kontakt mit einem Erkrankten gekommen ist.

Ein paar Absperrgitter, ein Zelt, vielleicht 20 Meter lang, darin Tische, Stühle, Computer und noch mehr Gitter - fertig ist die dritte Münchner Drive-in- beziehungsweise Walk-through- Station für Tests auf das Coronavirus. Zu diesem Zweck ist seit Montag die Georgenstraße nahe dem Siegestor zwischen Leopold- und Friedrichstraße für Autos gesperrt. Dort hat das Tropeninstitut des LMU-Klinikums seinen Sitz, das die Test-Einrichtung betreibt.

Wie schon die Teststationen in der Bayernkaserne und auf der Theresienwiese ist auch die in Schwabing nicht für neugierige Bürger gedacht - sie steht ausschließlich Menschen in "systemrelevanten" Berufen zur Verfügung. Vorerst werden hauptsächlich Mitarbeiter des LMU-Klinikums getestet, auch, damit sich die Abläufe einspielen. Am Mittwoch kommt dann das Klinikum Schwabing dazu, wo die Tropenmediziner der städtischen Kliniken sitzen, von Donnerstag an sollen auch Polizisten aufgerufen werden, später Angehörige der Feuerwehr und der Rettungsdienste.

Michael Hölscher, der Direktor des LMU-Tropen-Instituts, sagt, eine flächendeckende Testung der gesamten Bevölkerung sei nicht sinnvoll: Ein heute negativ getesteter Bürger könne sich ja morgen schon irgendwo infizieren. Des Weiteren seien mittlerweile bereits zu viele Menschen infiziert, sodass eine Nachverfolgung des jeweiligen Infektionswegs keine medizinischen Erkenntnisse bringe. Und drittens: Eine negative Testung könne den Patienten vielleicht zur Sorglosigkeit verleiten - "ich bin ja gesund, also muss ich auch nicht mehr aufpassen".

Anders steht es um die Mitarbeiter in den Kliniken und die Angehörigen der Sicherheitskräfte. Der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) sagte bei der Eröffnung der Station, diese sei "ein wichtiger Beitrag, unsere Mitarbeiter zu schützen". Stephanie Jacobs, die Münchner Gesundheitsreferentin, erklärte, sie sei "stolz auf die Menschen in dieser Stadt, die im Kampf gegen das Virus täglich ihr Bestes geben." Und Karl-Walter Jauch, der Ärztliche Direktor des LMU-Klinikums, meinte, in der Teststation werde die universitäre Forschung zum Dienst an der Gesellschaft: "Die Menschen, die hier getestet werden, sind Helden des Alltags. Sie tragen maßgeblich dazu bei, wenn wir hoffentlich bald vermelden können, dass wir die Spitze der Welle überwunden haben."

Ein einzelner Corona-Test kostet zwischen 60 und 120 Euro

Getestet wird, wer von seinem Betriebsarzt angemeldet wird - weil er zum Beispiel in Kontakt mit einem Erkrankten gekommen ist. Der Test selbst ist nicht mehr als ein Abstrich mit einem Wattestäbchen im Nasen- und Mundraum, das dann an ein Labor geschickt wird. Im Normalfall dauert es einen Tag, bis die Ergebnisse da sind. Dann werden die, die negativ sind, also virenfrei, per SMS informiert. Die Virenträger werden angerufen und über das nun notwendige Verhalten aufgeklärt.

Ein einzelner Test kostet je nach Anbieter zwischen 60 und 120 Euro. Wenn die Station an der Georgenstraße gut läuft, sollen pro Tag 150 Patienten durchgeschleust werden - zu Fuß, lieber aber noch ist es den Testern, wenn sie im Auto sitzend kommen: Das geht erstens schneller, und zweiten ist das Risiko für die Mitarbeiter der Station geringer, weil sie nur einen schmalen Spalt im Autofenster brauchen, um an den Abstrich zu gelangen.

Am LMU-Tropeninstitut nahm die Corona-Welle in Deutschland sozusagen ihren Anfang: Hier wurde am 27. Januar der erste Fall positiv getestet. Schnell wurde dann eine eigene Untersuchungsstation im Haus aufgebaut, bei der sich aber bald zeigte, dass sie für die Arbeit und die dabei nötigen Vorsichtsmaßnahmen nicht praktisch war: So wurde für jeden Patienten ein eigenes Zimmer bereitgestellt, damit er nicht mit anderen Wartenden in Kontakt kommt. An der frischen Luft, sagt Tropenmediziner Hölscher, sei das Risiko nicht so groß wie in geschlossenen Räumen. Dass eine solche Pandemie die Welt - und damit auch Deutschland - über kurz oder lang einmal treffen könnte, ist für den Infektiologen keine große Überraschung: "Wir haben irgendwann damit gerechnet - und wir bereiten uns unser ganzes Leben lang darauf vor."

© SZ vom 24.03.2020
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