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Pandemie in München:Welche Stadtviertel besonders von Corona betroffen sind

Coronavirus - Bayern

Sprachbarrieren werden von Experten als einer der Gründe genannt, weshalb es in manchen Milieus zu besonders vielen Ansteckungen mit dem Coronavirus kommt. Auf den Hinweisschildern in der Münchner Innenstadt wird zumindest auch auf Englisch auf die Maskenpflicht hingewiesen.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

In Köln und in Berlin gibt es Viertel, in denen häufiger Menschen an Covid-19 erkranken. Auch in München lassen sich eindeutige Trends erkennen, auf die die Politik nun reagieren will.

Von Heiner Effern, Ekaterina Kel und Thomas Kronewiter

Das Risiko einer Coronainfektion ist in München ungleichmäßig verteilt. In den am heftigsten betroffenen Stadtbezirken wie Aubing-Lochhausen-Langwied, Allach-Untermenzing oder Feldmoching-Hasenbergl ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung maximal 1,8-fach höher als in den am wenigsten tangierten Vierteln wie Maxvorstadt oder Schwabing-West. Das geht aus Zahlen des Gesundheitsreferats hervor, das soweit möglich alle Erkrankungen von Beginn der Pandemie bis zum 31. März einem Stadtbezirk zugeordnet hat und die Zahlen dann für einen Vergleich hochgerechnet hat.

Eine detaillierte Analyse der Infektionen in den einzelnen Wohnquartieren lässt sich daraus nicht herleiten. Dennoch sind Tendenzen klar erkennbar. Etwa, dass die Covid-Zahlen nicht unmittelbar mit dichter Bebauung, sondern eher mit den Wohnverhältnissen und den Milieus korrelieren. Der Bezirk Aubing-Lochhausen-Langwied ist am stärksten betroffen, weist aber die geringste Bevölkerungsdichte auf.

Schwabing-West dagegen, mit der höchsten Bevölkerungsdichte, hat den zweitniedrigsten Wert. Die Menschen wohnen dort vielfach in großen Altbauwohnungen, Wohnanlagen mit schönen grünen Innenhöfen oder neu gebauten Quartieren mit viel Grün wie in der Siedlung am Ackermannbogen, generell überwiegen dort die Besserverdiener. Der gleiche Effekt findet sich auch in der Maxvorstadt.

Die am stärksten betroffenen Viertel bei den Corona-Fällen finden sich auch in den städtischen Sozialstatistiken wieder, die sich mit überdurchschnittlichen Anteilen von Geringverdienern, Alleinerziehenden, Menschen mit einem Migrationshintergrund befassen, wie in Milbertshofen-Am Hart, Neuperlach, im Hasenbergl, der Schwanthalerhöhe. Deshalb dürfte sich der Wert von Aubing-Lochhausen-Langwied weniger durch den Dorfkern erklären als durch die Hochhaus-Siedlung am Westkreuz und die großen Neuaubinger Wohnblocks sowie große Unterkunftsanlagen.

"Es gibt Leute, die müssen täglich raus, arbeiten in prekären Jobs und sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen", betont Florian Stein, stellvertretender Geschäftsführer vom Münchner Netzwerk für soziale Arbeit Regsam. "Die haben weniger Möglichkeiten, Corona auszuweichen." Außerdem wohnten gerade auch diese Menschen in beengten Verhältnissen, mit weniger Raum für mehr Familienmitglieder, als es durchschnittlich etwa in Schwabing der Fall ist. Dadurch werde das Virus schneller weitergegeben.

Stein sieht besonders beim Thema Impfen noch Handlungsbedarf: Es müsse niedrigschwellig und in vielen Sprachen besser informiert werden. Besonders sogenannte Peer-to-peer-Angebote, bei denen jemand anders aus der selben Gruppe schon geimpft wurde und seine Erfahrungen mit dem Rest teilt, würden sich eignen, um die Impfquote zu erhöhen.

Die Stadt will darauf reagieren, das hat Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) am Mittwoch im Stadtrat angekündigt. Man werde Infopunkte einrichten zur Pandemie und zum Impfen, mit mehrsprachigen Fachkräften. Auf Initiative der Koalition beschloss der Stadtrat, mobile Impfteams in besonders betroffene Quartiere zu schicken. Straßen und Gebiete, in denen Menschen besonders beengt leben, müssten laut Grün-Rot "ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken".

Aufgeschreckt wurde München auch durch Berichte aus anderen Großstädten. In Köln oder Berlin haben sich klar soziale Brennpunkte herauskristallisiert, in denen die Ansteckungsrate sehr hoch ist. Die Zahlen in München können bisher nur für die grobe Orientierung dienen. Die Coronafälle in den einzelnen Stadtbezirken wurden summiert und als Inzidenzwerte dargestellt, also im Verhältnis zu jeweils 100 000 Einwohnern. In den meisten Bezirken leben aber weniger als 100 000 Menschen - hier mussten die Zahlen entsprechend hochgerechnet werden, "um den unterschiedlichen Bevölkerungszahlen der Stadtbezirke Rechnung zu tragen", erläuterte ein Sprecher des Gesundheitsreferats.

Nur so könnten die Bezirke sinnvollerweise verglichen werden. Es gelte außerdem zu beachten, dass es sich um eine vorläufige Auswertung handele, die weiterer Überprüfung bedarf, so der Sprecher. Auch haben lokale Ausbruchsgeschehen, etwa in Pflegeheimen oder Gemeinschaftsunterkünften, Einfluss auf die Fallzahlen. Hinzu kommt: 10,5 Prozent der Fälle konnten keinem Bezirk zugeordnet werden.

© SZ vom 07.05.2021/van
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