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Infektionszahlen in München:Hinschauen hilft beim Kampf gegen die Corona-Krise

Corona - Bayern

MIt Corona kam die Maskenpflicht in der Münchner Innenstadt.

(Foto: dpa)

München ist nicht Köln oder Berlin. Was die Infektionszahlen mit Corona betrifft, sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtvierteln überschaubar. So scheint es zumindest auf den ersten Blick, doch der könnte trügen.

Kommentar von Heiner Effern

Muss München fürchten, dass die Pandemie in vielen sozialen Brennpunkten außer Kontrolle gerät oder schon längst geraten ist? Ähnlich wie etwa in Köln oder Berlin? Die Zahlen aus den 25 Stadtbezirken geben das nicht her. Allerdings sind diese mit Vorsicht zu bewerten, wie das Gesundheitsreferat betont. Etwa zehn Prozent der Fälle konnten zum Beispiel keinem Stadtbezirk zugeordnet werden. Dazu ist diese Übersicht für eine Millionenstadt ein großmaschiges Netz, durch das manche Erkenntnis rutschen könnte. Dennoch: Wenn der Wert des am meisten betroffenen Stadtbezirks nicht einmal doppelt so hoch ist wie derjenige des am wenigsten betroffenen, dann liegt kein Grund zu Panik oder Überreaktion vor.

Das heißt aber auch nicht, dass sich die Verantwortlichen entspannt zurücklehnen sollten. Denn im Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied zum Beispiel, der am stärksten betroffen ist, stehen eben nicht nur Hochhaussiedlungen wie am Westkreuz, sondern auch viele Einfamilienhäuser. Wenn die Durchschnittszahlen in diesem Stadtbezirk hoch und beengte Wohnverhältnisse ein Treiber der Pandemie sind, dann deutet das darauf hin, dass in einzelnen Quartieren oder Straßenzügen die Fallzahlen auch signifikant nach oben ausschlagen könnten. Ein tieferer Blick in die Verteilung der Ansteckungen und eine entsprechende Anpassung der Impfstrategie könnten den Kampf gegen die Corona-Krise beschleunigen.

Wenn die grün-rote Koalition nun also Gas geben will für mehr Impfungen in sozial schwächeren Quartieren und das Gesundheitsreferat mit dem Sozialreferat wie angekündigt ein solches Konzept entwickelt, dann ist das der richtige Weg. Er hätte ruhig auch schon früher oder entschlossener eingeschlagen werden können. Auch hätte im Bund oder Land schon mal wer auf die Idee kommen können, dass die Impf-Registrierung für Menschen, die der deutschen Bürokratie und Sprache nicht so mächtig sind, eine teils unüberwindbare Barriere darstellt. Gezielte Aufklärung und aktive Werbung für die Impfung in einem anfälligen Milieu sollten verstärkt werden. Davon würden nicht nur Menschen in prekären Wohn- oder Arbeitsverhältnissen profitieren, sondern wegen der effektiveren Bekämpfung des Virus alle Münchner.

© SZ vom 07.05.2021/kafe
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