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Digitalangebot der Bibliotheken:Unendliche Geschichten für zu Hause

Birgit Wimmer will, dass möglichst viele Leser das Onlineangebot der Stadtbibliothek nutzen können.

(Foto: Catherina Hess)

Die Stadtbibliotheken sind zwar geschlossen, doch dafür gibt es online Lesestoff und Hörbücher kostenlos zum Ausleihen

Was man jetzt nicht alles lesen könnte, wenn man nicht pausenlos damit beschäftigt wäre, Corona-Nachrichten zu verfolgen. Essays von Jonathan Franzen zum Beispiel, "Anleitung zum Alleinsein", oder von Siri Hustvedt "Die Illusion der Gewissheit". Milan Kunderas "Das Leben ist anderswo". Den Klassiker der Einsame-Insel-Bücher, "Robinson Crusoe" von Daniel Defoe. Thomas Manns "Zauberberg", oder "Die Pest" von Albert Camus. Vielleicht muss man sich täglich zu einer Corona-Pause zwingen. Die Stadtbibliothek jedenfalls tut ihr Bestes, um es einem leicht zu machen - mit einem verlockenden Angebot.

Im Zuge der Corona-Krise hat sie die physischen Türen ihrer mehr als 20 Standorte im Stadtgebiet schließen müssen. Dafür hat sie nun allerdings die digitalen Tore weit geöffnet: Die Münchner können das komplette digitale Angebot der Stadtbücherei nutzen - kostenlos. Drei Monate läuft das neue Digitalabo, längstens bis zum 30. Juni 2020. Jeder kann sich unkompliziert anmelden (unter www.muenchner-stadtbibliothek.de), auch wenn er oder sie vorher keinen Bibliotheksausweis hatte. Nach Ablauf der drei Monate verlängert sich das Abo nicht automatisch.

Das Angebot ist riesig: In der sogenannten Onleihe stehen Bücher, Hörbücher und Zeitschriften zum Download und zum Streamen bereit. Wer Lust hat, auf Englisch zu lesen, wird auf Overdrive fündig. Etwa 5000 englischsprachige Titel klassischer und moderner amerikanischer und britischer Literatur stehen in der Spoken Word Library als Hörbücher zur Verfügung. Wer in dieser ungewöhnlichen Zeit alles zu Corona lesen möchte - oder natürlich auch andere Nachrichten -, findet auf Pressreader internationale Zeitungen und Zeitschriften aus 100 Ländern in 60 Sprachen.

Dass das die Münchner freuen würde, haben sie sich schon gedacht bei der Stadtbibliothek - aber nicht, dass es so gut ankommt. Mehr als 5000 Menschen haben sich seit Anfang vergangener Woche angemeldet. Seitdem waren die Bibliothekarin Birgit Wimmer und ihre Kollegen hauptsächlich damit beschäftigt, die Mailadressen aus den Anmeldungen händisch in ein System einzugeben. "Das war total anstrengend, aber es hat uns auch nochmals zusammengeschweißt", sagt Wimmer. Es gab natürlich auch vorher schon eine Online-Anmeldung, diese hätte aber wohl nicht so schnell auf das neue Digitalabo umprogrammiert werden können.

Wie sieht ansonsten der neue Arbeitsalltag in der Zentralbibliothek am Gasteig aus? "Es gibt bei uns wenige, die sinnvoll Home-Office machen können", sagt Wimmer. In der ersten Schließungswoche haben sie die Bücherei erst mal auf Vordermann gebracht - Frühjahrsputz sozusagen. "Und wir arbeiten viel am Bestand, bereiten uns schon auf die Interims-Standorte vor."

Neben digitalem Lesestoff bietet die Stadtbibliothek auch diverse weitere schöne Dinge im Netz, zu finden auf ihrer Facebook-Seite. Montags um 14 Uhr zum Beispiel eine offene Sprechstunde, Titel: "Wir sind da." Nutzer können Fragen stellen, Mitarbeiter antworten. Sie geben Recherchetipps, beantworten Fragen zur Onleihe und können mit Buchempfehlungen helfen.

Jeden Mittwoch um 14 Uhr will die Bibliothek unter dem Hashtag #allesanders über "die guten Ideen in diesen merkwürdigen Zeiten" sprechen. Und jeden Freitag um 14 Uhr geht es beim digitalen Literaturtreff um Empfehlungen der Nutzer: Welche Bücher lesen sie gerade? Auch neue Veranstaltungsformate sind geplant.

Und jetzt die schlechte Nachricht: Wer sich dachte, nun ist die Zeit, um sich Camus' "Die Pest" als Hörbuch anzuhören, der muss sich lange gedulden. Vielleicht so lange, bis das Schlimmste überstanden ist. "Die Pest", gelesen von Ulrich Matthes, haben sich bereits so viele Menschen vorgemerkt, dass das Hörbuch nicht verfügbar ist - bis zum 2. Oktober.

© SZ vom 02.04.2020/infu
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