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Bildung in Corona-Zeiten:Maximale Schul-Verwirrung

Coronavirus - Lehrerin und Kinder im Homeschooling

Für diejenigen, die den Schultage-Übersichtskalender führen müssen, lässt sich der Zustand im Schulbusiness derzeit nur noch als hammerkompliziert beschreiben.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Drei Schüler, fünf Wochentage, unzählige Regeln und noch mehr Ausnahmen: Das richtige Kind am richtigen Tag in die Schule zu schicken, wird immer komplizierter.

Glosse von Nadeschda Scharfenberg

Als die Selbsttesterei in den Schulen losging, herrschte im Klassenzimmer der 4 a helle Aufregung. Kaum war der rote Strich in der Testkassette sichtbar geworden, gellte ein Schrei durch den Raum: "Poooositiiiv!" Nun, kein Anlass zur Sorge, es handelte sich um einen Fall von Positiv-negativ-Verwechslung. Der Test zeigte ein negatives Ergebnis an, was aber ja für das Kind positiv ist - zu kompliziert, jedenfalls für Zehnjährige.

Kompliziert ist ein gutes Stichwort, der Zustand im Schulbusiness hat sich ja gerade mal wieder auf hammerkompliziert gesteigert, jedenfalls für diejenigen, die den Schultage-Übersichtskalender führen müssen. Die 4 a zum Beispiel hatte nach der alten Söder-Notbremse vollen Präsenzunterricht, weil nämlich sonst keine Kinder im Schulhaus waren und die Mensa zum Corona-konformen Abstandsklassenzimmer umfunktioniert wurde. Seit nun die Bundesnotbremse gilt, findet Wechselunterricht statt, denn die restlichen Kinder sind zurück und die Mensa ist wieder anderweitig belegt. Jetzt also Mo-Mi-Fr-Di-Do und so weiter, beziehungsweise diese Woche nur Mo-Mi, am Fr war stattdessen die eigentliche Di-Do-Gruppe dran, bei der wegen Himmelfahrt der Do ausfiel.

So weit, so einfach, wären da nicht noch die Geschwister. Kind zwei, Klasse neun, München-Stadt, hätte eigentlich Di-Do-Woche gehabt, die aber, Stichwort Feiertag, auf eine Di-Woche geschrumpft ist. Wer glaubt, nächste Woche sei folglich eine Mi-Mo-Fr-Woche, irrt, denn erstens wurden aus Gründen, die zwischen Welle zwei und drei liegen, die Wochen getauscht, und zweitens sind Abi-Prüfungen, weshalb drei Tage in zwei Wochen ausfallen beziehungsweise als Arbeitsblätter-Unterricht zu Hause stattfinden.

Das mit den Abi-Tagen gilt auch für Kind drei, Klasse sieben, in einem Kürzlich-noch-Ü-100-Landkreis, das seit den Osterferien komplett distanziert lernt. An jenen drei Tagen quält es mangels Videostunden ebenfalls den Drucker mit Arbeitsblättern. Sollte die Inzidenz sinken, wäre Kind drei weder ein Mo-Mi-Fr- noch ein Di-Do-Kind, sondern würde in Woche eins nach Wiederbeginn die Druckerfestspiele fortsetzen und die zweite Woche in der Schule verbringen. Es sei denn, die Schulleitung hätte bis dahin beschlossen, sich an Mondphasen, dem Maya-Kalender oder dem Horoskop von Michael Piazolo (Sternzeichen: Waage) zu orientieren.

Irgendwann wird man das falsche Kind wecken oder ein Gouda-Pausenbrot in die Box packen, obwohl das Igitt-Käse-Kind mit Präsenzschule dran ist. Das wäre dann maximale Käse-Wurst-Verwechslung.

© SZ vom 15.05.2021/syn
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