Null Acht Neun:Tapfere kleine Axolotl

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Axolotl

Ein Axolotl wäre ein super Vorbild in Sachen Tapferkeit: Er schreit nicht bei jedem Wehwechen nach einem Pflaster, sondern kann Gliedmaßen, Organe und sogar Teile seines Gehirns wiederherstellen.

(Foto: Tkadletz Hannes/dpa)

Die Liste der geschlossenen Kitas ist zum Heulen, hat aber auch eine heitere Seite: die vielen Tiernamen. Aber muss es denn immer die Bärengruppe sein? Es gäbe da so viele Möglichkeiten.

Von Nadeschda Scharfenberg

Schlechte Nachrichten aus der Flamingogruppe: Wegen Corona müssen alle Kinder zu Hause bleiben. Auch die Muschel- und die Ottergruppe sind dicht, ebenso zwei Grashüpfer- und sieben Bärengruppen. Mehr als 130 virengeplagte Kitas zählt die Stadt München auf, die Liste ist ein Dokument zum Heulen, hat aber doch auch eine heitere Seite. Wer sich durch die neunseitige PDF-Datei wühlt (ja, eine Wühlmausgruppe gibt es auch), der darf sich wie bei einem Ausflug in den Tierpark fühlen, aber ganz ohne FFP2-Maske. Und mit ausschließlich netten Tieren.

Eine Schwarze-Mamba-Gruppe sucht man ebenso vergeblich wie eine Schnaken- oder eine Aasgeiergruppe, und Fledermäuse taugen aktuell erst recht nicht als Namenspatrone. Wobei Nettigkeit auch im Tierreich oft mehr Schein als Sein ist. Bären sind nur als Teddys knuffig, die knopfäugigen Wühlmäuse entfalten zerstörerische Kräfte im Gemüsebeet, und die ach so grazilen Flamingos defäkieren auf ihre eigenen Beine, um sich vor Sonnenbrand zu schützen. Und Grashüpfer hält nur derjenige für sympathisch, der noch nie versucht hat, ein Grünes Heupferd aus dem Schlafzimmer zu verjagen.

Höchste Zeit also, die Gruppen nach wirklich vorbildlichen Tieren zu benennen, nach dem nordamerikanischen Waldfrosch zum Beispiel, der Temperaturen von weit unter null Grad überleben kann, und zwar ohne Thermostrumpfhose und Schneeanzug. Waldfroschmütter haben es gut, nie müssen sie den Satz "Es ist zu kalt für ohne Mütze" quaken. Auch eine Faultiergruppe hätte ihren Reiz, weil die kontemplativen Baumbewohner erstens brav den Mittagsschlaf durchhalten und zweitens nur einmal in der Woche aufs Klo müssen. Gut aufgehoben wären die Kinder auch in der Axolotlgruppe. Der Schwanzlurch schreit nicht bei jedem Aua gleich nach einem Pflaster, sondern ist in der Lage, verletzte Gliedmaßen und Organe vollständig wiederherzustellen.

Wie schade eigentlich, dass die Zugehörigkeit zu Irgendwas-mit-Tieren-Gruppen am letzten Kindergartentag endet. In der Schule wären Goffinkakaduklassen (kann komplexe Probleme lösen) oder Krakenklassen (hat neun Gehirne) sinnvoll, in der Pubertät folgte die Siebenschläferklasse, bevor den Schülerinnen und Schülern in der Abschluss- alias Glühwürmchenklasse zwar spät, aber gerade noch rechtzeitig ein Licht aufginge.

Das Ende aller Karriereleitern bildet übrigens schon lange nicht mehr die Pavian-Etage. Moderne Chefs arbeiten im Team Mungo. Die kleinen Raubtiere sind für ihren konstruktiven Führungsstil bekannt.

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