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Patienten in Schwabing:Tag um Tag in der Coronavirus-Isolation

Coronavirus Case Confirmed In Germany

Noch drei Personen werden im Klinikum Schwabing wegen des Coronavirus behandelt.

(Foto: Lennart Preiss/Getty)
  • Im Schwabinger Klinikum werden nur noch drei Coronavirus-Patienten behandelt.
  • In dem Münchner Krankenhaus wurden neun der 16 Patienten in Deutschland behandelt. Die meisten wurden inzwischen wieder entlassen.
  • Obwohl die meisten Patienten fast symptomfrei waren, wurden sie in fünf Einzelzimmern und zwei Doppelzimmern isoliert.

Von Carolin Fries

Die Morgenvisite muss der unangenehmste Teil im Klinikalltag der neun Coronavirus-Patienten gewesen sein. Neben dem klinischen Check wurde täglich ein Nasen- und Rachenabstrich gemacht, zudem verlangten die Ärzte ein Hustensekret für Tests. "Damit haben sich die meisten Patienten schwer getan, weil sie keinen oder nur einen trockenen Husten hatten", sagt Chefarzt Clemens Wendtner. Dazu Stuhl- und Urinproben sowie eine Blutentnahme, jeden Tag. Bis zum Abend mussten die Patienten dann warten. Erst dann kamen die Ergebnisse aus dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und damit eine Antwort auf die Frage: Wie hoch ist die Viruslast? Wann kann ich nach Hause?

Seit gut drei Wochen ist das Klinikum München-Schwabing quasi das Zentrum der Coronavirus-Medizin in Deutschland, neun der 16 Patienten wurden oder werden hier behandelt. Sie hatten sich an ihrem Arbeitsplatz bei der Firma Webasto in Stockdorf mit dem neuen Virus Sars-CoV-2 angesteckt, eine Patientin wiederum bei ihrem Mann. Erstmals hat die Klinik nun einen Einblick in deren Alltag gegeben.

Zwar waren die meisten Patienten fast symptomfrei, trotzdem wurden sie in fünf Einzelzimmern und zwei Doppelzimmern isoliert. Das Ehepaar sowie zwei befreundete Kollegen hätten den Wunsch gehabt, nicht alleine im Zimmer sein zu müssen, sagt Wendtner. Anfangs sei die Station abgesperrt gewesen, immer wieder hätten Journalisten versucht, die Patienten in ihren Zimmern aufzuspüren. Diese hätten in den ersten Tagen keinerlei Kontakt zu anderen Menschen gehabt, Ärzte und Klinikpersonal ausgenommen. "In der Initialphase waren wir darauf bedacht, dass sich die Viren nicht vermengen", erklärt Wendtner.

Das medizinische Personal suchte die Zimmer stets über einen Schleusenraum auf. Dort musste der "Vierercheck" gemacht werden: Handschuhe, Mundschutz, Schutzkittel, Faceshield - ein Gesichtsschutz aus Plexiglas. Erst in der abklingenden Phase, sagt Wendtner, habe man die Patienten auch mal zusammen ein Fußballspiel im Fernsehen schauen lassen und den Balkon "als Luxus" geöffnet. Für derlei Begegnungen hätten dann aber auch die Patienten den Vierercheck machen und sich entsprechend ausrüsten müssen. Diese hätten sich als Kollegen, welche mitunter sogar befreundet seien, aber ohnehin bestens über ihre Smartphones ausgetauscht. "Die wussten manchmal sogar schon vor uns, wer als nächstes kommt", erzählt Wendtner.

Am Mittwoch wurde ein weiterer Patient entlassen, aktuell sind nurmehr drei in der Klinik, darunter ein Patient, der an einer viralen Lungenentzündung erkrankt war und mit einem Medikament aus der HIV-Therapie behandelt wurde. "Es geht ihm sehr gut, er ist nicht ans Bett gebunden", sagt Wendtner.

Er rechnet damit, die verbliebenen Patienten in der kommenden Woche entlassen zu können. Alle hätten die Zeit in der Klinik gut verkraftet, es seien keine psychischen Probleme aufgetreten. Um ihnen etwas Gutes zu tun, durften sie auch Wunschkost aus der Klinikkantine ordern. "Bei der Hälfte der Patienten trat eine Geschmacks- und Geruchsstörung auf", sagt Wendtner. Um den bestellten Orangensaft zum Glücksmoment des Tages werden zu lassen, sei mitunter viel Fantasie nötig gewesen.

© SZ vom 20.02.2020/kaal

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