"Impfen ist nicht mehr en vogue", sagt Wolfgang Schäuble. Und der Leiter des Krisenstabs der Landeshauptstadt München legt gleich noch einen Satz nach. "In Sachen Impfen geht es nicht vor- und nicht rückwärts." In seiner Stimme schwingt Ärger mit, aber auch ein bisschen Resignation. Die Quote bei den Erstimpfungen, so erläutert er in der Sitzung des Gesundheitsausschusses am Dienstag, liege bei 72,3 Prozent, bei den Zweitimpfungen seien es 70,2 und bei den Booster-Impfungen 44 Prozent. Damit bleibe die Stadt weit hinter den "Kapazitäten" zurück. Auch geboostert werden wolle derzeit "niemand mehr". Ein "Ärgernis", das Impfen, sagt Schäuble.
Dabei gibt es derzeit so viele Impfmöglichkeiten wie nie zuvor. Ob in Testzentren, in Apotheken oder seit neuestem in der Impf-Tram. Täglich könnten allein dort 150 Menschen geimpft werden, aber derzeit seien es gerade einmal 50, so Schäuble. Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) lobte die Impf-Tram dennoch und entgegnet auf eine Frage von Hans Theiss (CSU), ob es nicht an der Zeit wäre, einen "Appell der Stadt" an die Bürger zu richten: "Sicher, irgendwann müssen wir uns da noch weitere Gedanken machen." Man habe sich mit dem Gesundheitsreferat verständigt, die Impfwerbung weiter voranzutreiben, so wie mit der Impf-Tram. "Letztlich", und auch Verena Dietl sagt das ein wenig ernüchtert, "können wir noch so oft schreien - letztlich wird das nicht von uns entschieden".
Was der Einsatz der Impf-Tram kostet, dazu macht Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek keine Angaben. Die Tram sei ein kommunale Idee und "koste, was sie koste". Sie soll einen "großen Anreiz schaffen" und sei "kein Gag". Und sie verweist auf weitere mobile Angebote der Stadt wie die mobilen Impfteams, die zum Beispiel in die Schulen kämen. "Mittlerweile sind 100 Schulen angefahren worden", sagt Zurek.
Impf-Guides werden Anfang März in der Stadt unterwegs sein
Die Tram ist eine Idee. Eine andere sind die Impf-Guides, die Anfang März in der Stadt unterwegs sein werden, um Menschen über die Impfung und Impfangebote der Stadt zu informieren. Gerade, so Zurek, seien dafür Studierende der Medizin "geschult" worden. Auch würden noch die Bezirksausschüsse in die Aktion mit einbezogen, um die Kenntnis vor Ort zu nutzen und so möglichst viele Menschen in den Stadtvierteln zu erreichen.
Über Positives berichtet Schäuble am Dienstag auch. Man habe beim Infektionsgeschehen "ein Plateau" erreicht und registriere "stark absteigende Zahlen". Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag für München laut Robert-Koch-Institut bei 1447,9, tags zuvor waren es 1471,5. Die Zahl der mit Covid-Patienten belegten Intensivbetten in den Krankenhäusern "verharre" seit einer Woche bei rund 75. Insgesamt sei, so betont der Krisenstab-Leiter, in den Krankenhäusern eine "stabile Situation". Auch die Lage der Pflegekräfte in den Einrichtungen entspanne sich. "Viel Personal kommt Ende der Woche aus der Quarantäne wieder zurück."
Entspannung gibt es auch bei den Kindern: Von insgesamt 180 000 Schülerinnen und Schülern waren laut Schäuble in den vergangenen zwei Wochen 1392 infiziert, in den Kitas von 83 066 Kindern insgesamt 41. Im Zeitraum von 10. bis 28. Januar wurden dem Gesundheitsreferat noch 5469 Fälle gemeldet. Von 31. Januar bis 3. Februar waren es an nur vier Tagen 1513 Fälle.


