Coronavirus:In München gibt es zu wenig Biontech-Impfstoff

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COVID-19

Begehrte Ware: Weil der Nachschub an gewünschten Impfdosen stockt, müssen Ärzte reihenweise Termine verschieben.

(Foto: Matthias Schrader/AP)

Weil nur eine begrenzte Menge des Vakzins an Apotheker und Ärzte ausgeliefert wird, müssen ständig Termine verschoben werden. Und das oft sehr kurzfristig. Das ruft Ärger hervor.

Von Nicole Graner

5 - 8 - 5 - 3. Was sich liest wie ein Schlüsselcode, ist etwas ganz anderes: Es ist die Zahl der Biontech-Impffläschchen, die in den vergangenen Wochen maximal an jede Apotheke und damit letztlich an die Ärzte ausgeliefert wurden. Erst waren es einmal die Woche fünf, also 30 Impfdosen, dann einmal kurz sogar acht, dann wieder fünf - diese Woche nun sind es sogar nur drei. "Mir reißt gerade die Hutschnur", sagt Christian Pacher.

Der 58-Jährige ist Beiratsmitglied im Bayerischen Apothekerverband (BAV) mit Sitz in München. "Die Politiker erzählen uns, dass wir bis Weihnachten 30 Millionen Impfungen durchführen sollen, aber die Realität sieht doch ganz anders aus." Wie man dieses Impfziel erreichen soll, wenn einfach zu wenig Biontech-Impfstoff da sei, ist Pacher nicht klar.

Sechs Impfdosen können aus einer Durchstechflasche mit dem Biontech-Vakzin gezogen werden. Der Bund verteilt den Impfstoff an den Großhandel. Der Großhandel beliefert die Apotheken. Einmal die Woche sagen die Ärztinnen und Ärzte den Apotheken, wie viele Fläschchen sie für die darauffolgende Woche brauchen. Jeden Freitag, so erklärt zum Beispiel eine Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte der Apotheke im Tal, schreibe sie eine Mail an 13 Arztpraxen und frage nach der Menge der gewünschten Impfdosen.

Bis Dienstag müssten sie antworten, so die Fachfrau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. "Dann muss ich bestellen." Der gelieferte Impfstoff wird an die Arztpraxen verteilt. Moderna-Phiolen oder Johnson & Johnson könnten genügend bestellt werden.

In den Monaten Juni und Juli, in denen weniger geimpft worden ist, und dann bis Mitte November habe es, sagt Pacher, der selbst eine Apotheke in Ingolstadt betreibt, kein Problem mit den Lieferungen gegeben. Die Praxen hätten bestellt und die gewünschte Menge erhalten. Doch in der 47. Kalenderwoche wurde gekürzt. Dann seien nur noch fünf Fläschchen pro Woche möglich gewesen. Die Ärzte beschwerten sich, daraufhin gab es acht Fläschchen. "Am Dienstag, 30. November, haben wir dann wieder nur fünf Fläschchen bestellen können, um am Mittwoch zu erfahren, dass das Kontingent kurzfristig auf drei runtergefahren wird", ärgert sich Pacher.

Ein Großteil der Anfragen betreffen derzeit Impftermine

Diese kurzfristigen Änderungen seien das Problem. "Die Ärzte sind verärgert, weil sie jetzt nicht mehr die zugesagten fünf Fläschchen bekommen, ständig Termine verschieben müssen", erklärt das BAV-Mitglied. Hilfreich sei auch nicht, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Impfstoffe auch noch bewerte, also "Biontech als Mercedes" und "Moderna als Rolls-Royce" bezeichne. "Dadurch kommt es bei den Ärzten zu einem höheren Beratungsaufwand." Andere Praxen warteten mittlerweile, erklärt die Apotheken-Angestellte vom Tal, erst einmal die Lieferung ab und vergäben dann kurzfristig Impftermine.

Das macht Christoph Burghardt, 55, in seiner orthopädischen Praxis auch so. "Erstmal abwarten, was wir letztlich bekommen", sagt er. Seit geimpft werden kann, impfe eine Hausärztin in seiner Praxis an der Sendlinger Straße. So viel es geht. 50 Prozent des E-Mail-Aufkommens seien derzeit Anfragen nach Impfterminen. "Wir könnten noch so viel mehr impfen, wenn wir Impfstoff hätten", ärgert er sich.

Sehr gezielt fragten die Menschen auch, welchen Impfstoff sie bekämen. Gebe es kein Biontech, sagten auch viele den Impftermin ab. Impfdosen werden pro Arztsitz, also pro Zulassung, vergeben. In der orthopädischen Praxis gibt es 4,5 Arztstellen. "Das", sagt Burghardt, "erhöht zum Glück die Zahl der Dosen".

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