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Infektionsgefahr:Winter-Tollwood wird wegen Corona abgesagt

Tollwood Winterfestival in München, 2018

Blau angestrahlte Zeltdächer, wie hier zum Tag der Menschenrechte im Dezember 2018, wird es in diesem Jahr auf der Theresienwiese nicht geben.

(Foto: Robert Haas)

In München steigen die Infektionszahlen weiter. Deshalb wäre das Risiko für alle Beteiligten zu groß, sagen die Organisatoren. Bei 15 anderen Weihnachtsmärkten laufen die Prüfungen noch.

Von Heiner Effern

Das Winter-Tollwood fällt wegen der Corona-Pandemie aus. Das gaben die Organisatoren am Freitag bekannt. Bis zuletzt hatten sie versucht, das Festival auf der Theresienwiese in stark reduzierter Form virussicher auszurichten. "Aber die Entwicklung der Corona-Zahlen in den letzten zwei Wochen ist so extrem, dass wir trotz unseres sehr guten Hygienekonzepts die Verantwortung für die Gesundheit unserer Besucher und aller anderen Beteiligten nicht mehr übernehmen können", sagte Festivalleiterin Rita Rottenwallner. Dazu kämen die wirtschaftlichen Risiken, denen Organisatoren, Aussteller, Gastronomen und Künstler ausgesetzt seien. "Wir müssten jetzt mit dem Aufbau des Festivals beginnen, wissen aber nicht, ob wir dann tatsächlich auch eröffnen und geöffnet bleiben können", so Rottenwallner.

Die Absage des privaten Festivals hat keine direkte Auswirkung auf die anderen geplanten Christkindl- oder Weihnachtsmärkte in der Stadt. Dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) liegen jetzt noch 15 Anträge für Winterveranstaltungen vor. Alle benötigen zusätzlich zum bisherigen Konzept auch besondere Hygienevorkehrungen. Die Verfahren befänden sich noch in sehr unterschiedlichen Stadien, sagte ein KVR-Sprecher. Endgültig entschieden sei noch keines. In den Corona-Schutzkonzepten müssen zum Beispiel die nötigen Abstände, Maskenpflicht, Registrierung der Gäste bei gastronomischen Angeboten, eine Höchstbesucherzahl oder eindeutige Laufwege festgeschrieben sein.

Die Augen der privaten Ausrichter richten sich dabei auch auf die Stadt mit ihrem Christkindlmarkt auf dem Marienplatz. Dieser soll nach bisherigem Stand auf größerer Fläche und für einen längeren Zeitraum stattfinden (23. November bis 10. Januar). Um die wirtschaftlichen Risiken für die Beschicker zu reduzieren, halbierte die Stadt die Standgebühren und schießt 129 000 Euro zu. Doch auch sie muss noch die Prüfung des Hygieneschutzkonzepts durch das KVR überstehen.

Über solche Zuschüsse verfügen private Ausrichter wie die Tollwood GmbH nicht. In ihrem Konzept verzichtete sie auf die Zelte als Attraktion und plante nur mit einem Drittel der Händler und Gastronomen. "Wir haben in den vergangenen Monaten alles Menschenmögliche unternommen, damit das Winter-Tollwood stattfinden kann", sagte die Festivalleiterin. Vergebens, zu groß war die Unsicherheit.

Am Freitag meldete das Gesundheitsreferat erneut 270 Neuinfektionen, der dritthöchste Wert seit Beginn der Pandemie. Die Sieben-Tagen-Inzidenz stieg auf 86,8. Nicht nur für die Privatwirtschaft erhöhen sich mit den zunehmenden Infektionszahlen die finanziellen Risiken. Auch die Kommunen kämpfen mit wirtschaftlichen Schäden.

Die SPD im Rathaus hat sich sogar schon Gedanken gemacht, wie die wirtschaftlichen Folgen eines zweiten Lockdowns für die Stadt aufzufangen wären. Gewarnt ist sie durch die Lage im Kreis Berchtesgadener Land, der auf Anordnung des Freistaats wegen der hohen Infektionszahlen das öffentliche Leben in weiten Teilen wieder herunterfahren musste. Wer solche Maßnahmen anordne, müsse dafür zumindest zu einem Teil aufkommen, findet die SPD. Sprich der Freistaat müsse die betroffenen Kommunen entschädigen. Diesen fehlten nicht nur Steuereinnahmen, sie müssten auch Mehrkosten für Soziales oder Schutzschirme etwa für die Kultur tragen. "Wir reden über Beträge in Millionenhöhe. Ministerpräsident Söder soll das zur Chefsache machen", sagte SPD-Fraktionschefin Anne Hübner.

© SZ vom 24.10.2020/syn
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