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Tourismus in München:Stadtrat bewilligt mehr Geld für Tourismuswerbung

Die Souvenirhändler in der Münchner Altstadt haben es derzeit extrem schwer.

(Foto: Catherina Hess)

Damit sollen Gäste angelockt werden, die wegen der Corona-Krise derzeit fehlen. Der Wirtschaftsreferent hatte aber deutlich mehr als nur eine Million Euro gefordert.

Von Heiner Effern und Franz Kotteder

München lebt in erheblichem Maß vom Tourismus - das stellt die Stadt gerade jetzt deutlich fest. In der Fußgängerzone sind nur noch halb so viele Menschen unterwegs wie im vergangenen Jahr um diese Zeit, hat das städtische Referat für Arbeit und Wirtschaft gezählt, und die Umsätze bei den Unternehmen, die von Touristen leben, sind stark eingebrochen. Bei den Hotels liegt die Auslastung teilweise nur bei zehn bis 25 Prozent, "weit entfernt von einem betriebswirtschaftlich überlebensnotwendigen Maß für die einzelnen Häuser", schreibt Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) in der Vorlage für die Vollversammlung des Stadtrats. Normalerweise habe man es im Juni und Juli mit einer Auslastung von 70 bis 80 Prozent zu tun. Nicht viel anders sehe es bei Gaststätten und dem Einzelhandel aus, die vor allem von Touristen leben. Dort machten die Umsätze zum Teil nur noch zehn oder 20 Prozent, verglichen mit dem Vorjahr, aus.

Aber was tun? Darüber debattierten die Stadträte bis in den späten Mittwochabend hinein. Am Ende beschlossen sie mit großer Mehrheit eine abgespeckte Version des Programms, mit dem Wirtschaftsreferent Baumgärtner dem Trend gegensteuern will. Rund 2,5 Millionen Euro wollte er zusätzlich haben, um mit den Folgen von Corona fertig zu werden. Keine große Summe, verglichen mit dem, was andere dafür ausgeben. Wien zum Beispiel investiert heuer 13,5 Millionen Euro in die Tourismuswerbung, in Berlin hat der Senat gerade zehn Millionen Euro zusätzlich allein für die Kongressbewerbung bewilligt. Der Münchner Tourismusbehörde stehen bisher gerade mal knapp 1,6 Millionen Euro für alle Aufgaben zur Verfügung.

Doch die grün-rote Koalition hatte früh klargestellt, dass sie die gewünschten 2,5 Millionen Euro auf eine Million zusammenstreichen wird. Zu unkreativ seien die Vorschläge des Referats, das immer gleiche Werben für Blockbuster mit Anzeigen erachte man alleine nicht als zielführend. SPD-Stadträtin Simon Burger stellte klar, was die Koalition für wichtiger erachtet. Man müsse den Touristen in Corona-Zeiten erklären, dass es "sicher ist, in der Stadt Urlaub zu machen". Und dass man in dieser sicheren Umgebung viel erleben könne.

Durch das Verringern der zusätzlichen Mittel wird des "Recovery"-Konzept des Wirtschaftsreferats, mit dem der Tourismus in der Stadt wieder auf die Beine kommen soll, kleiner ausfallen müssen. "Mehr hilft mehr", sagte Baumgärtner, aber auch die Million sei ein guter Beitrag. Vier Phasen sieht das Konzept vor, schrittweise will man Tagesgäste aus der Region, Übernachtungsgäste aus dem Rest Deutschlands sowie aus den Nachbarländern Österreich und Schweiz, aus ganz Europa und schließlich aus der übrigen Welt wieder nach München holen. Mit Radiowerbung, Medienkooperationen, Außenwerbung in Bahnhöfen.

Schwierig dürfte es auch werden, Kongresse, Firmenreisen und Tagungen wieder in die Stadt zu holen, ebenso wie Touristen von außerhalb Europas. Das Wirtschaftsreferat wollte in diesem Jahr insgesamt rund 700 000 Euro für Werbung ausgeben, davon fast die Hälfte in Form von Zuschüssen für Kongresse. Die kommen oft nur in eine Stadt, weil die sich finanziell beteiligt, in Form von günstigen Tagungsstätten, Kostenübernahme oder Catering. Was davon noch möglich sein wird, war am Mittwochabend unklar.

Einig war sich der Stadtrat darin, dass man den potenziellen Gästen auch mehr Gründe geben müsse, nach München zu kommen. "Sommer in der Stadt" zum Beispiel, das Schausteller- und Marktkaufleute-Förderprogramm als Oktoberfestersatz. Dazu erteilte die Koalition dem Wirtschaftsreferenten ein paar Arbeitsaufträge. Er soll zum Beispiel mit dem Handel und den Wirten in der Innenstadt spezielle Kombi-Angebote konzipieren, die Touristen in die Stadt locken sollen. Denkbar sei etwa ein Gratis-Eintritt in städtische Einrichtungen oder ein ÖPNV-Ticket, wenn ein Gast eine Rechnung in einer bestimmten Höhe aus einem Kaufhaus oder einem Restaurant vorlegen kann. Dazu soll das Referat bis Ende 2020 eine "moderne und nachhaltige Tourismusstrategie" erarbeiten, bei der es auch mit dem Umland kooperiert oder dem Alpenverein kooperiert.

© SZ vom 23.07.2020/vewo
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