München:Immer mehr Corona-Fälle an den Hochschulen

Vorlesungsbeginn an Bayerns Universitäten

Studierende zum Semesterstart im Audimax der Technischen Universität, bevor die Maskenpflicht auf FFP2 verschärft wurde.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Ganze Kurse werden in Quarantäne geschickt. Dabei erfahren die Unis eher zufällig von Fällen im Hörsaal - und manche Studierende fühlen sich mit ihrer Infektion alleingelassen.

Von Ben Bergleiter

Die Corona-Ampel zeigt Rot. Wo vorher 3 G die Regel war, gilt nun oft 2 G. An den Münchner Hochschulen und Universitäten hat sich aber nicht viel verändert - abgesehen von einer verschärften FFP2-Maskenpflicht gilt hier immer noch die gleiche Regelung, also 3 G. Die Technische Universität dürfte also das Audimax mit mehr als tausend Leuten füllen, diese müssten nur eine Maske tragen.

Zu solch rappelvollen Veranstaltungen kommt es aber in der Regel nicht. Große Studiengänge wie Betriebswirtschaftslehre finden in diesem Semester größtenteils online statt, das Audimax bleibt also erstmal leer. Kleinere Studiengänge haben aber im Oktober nach anderthalb Jahren wieder mit der Präsenzlehre angefangen. Im Zuge der rapide steigenden Inzidenzwerte in München stecken sich dort auch immer mehr Studierende an. Den Universitäten liegen zwar keine genauen Zahlen vor - die hätten nur die Gesundheitsämter, sagen die Unis -, hört man sich bei Studierenden aber um, kristallisiert sich ein beunruhigendes Bild heraus.

An der Hochschule München etwa mussten in den vergangenen Wochen sieben ganze Kurse mit jeweils 20 bis 30 Menschen nach Hause gehen, weil sich in ihren Reihen jemand infiziert hatte. Das erzählt Petra Spier, sie ist Corona-Beauftragte der Hochschule mit Hörsälen in der Maxvorstadt und in Pasing. Die Dunkelziffer der infizierten Studierenden sei aber noch viel höher, denn es bestehe mittlerweile keine Meldepflicht mehr gegenüber den Hochschulen. Bis zu diesem Semester gab es eine solche Meldepflicht noch, doch nun hat die Staatsregierung diese abgeschafft. Weil das aber viele Studierende nicht mitbekommen haben, erreichen Petra Spier immer noch viele Positiv-Meldungen. Sie ermutigt die Studierenden, ein sogenanntes Präsenztagebuch zu führen, in dem Kontaktpersonen, Orte und Uhrzeiten notiert werden, damit die Kontaktverfolgung privat geregelt werden kann.

Die einzige Meldepflicht besteht derzeit gegenüber den Gesundheitsämtern, und die sind mit der Nachverfolgung so überfordert, dass die Bescheide oft zu spät kommen. Auch die Studentin Lena hat ihre Kontakte privat informiert, als sie positiv getestet wurde. Lena möchte ihren Nachnamen nicht in diesem Artikel nennen, weil sie nicht möchte, dass ihre Corona-Erkrankung öffentlich wird. Neben der Kontaktverfolgung musste sich Lena nach ihrer Infektion auch um ihren Uni-Stoff selber kümmern - da sie durch Corona kaum Kommilitonen kennengelernt hat, war das nicht unbedingt einfach. Ihre Kurse sind zur Hälfte online oder hybrid - also in einer Mischform - und zur anderen Hälfte nur in Präsenz. Durch die Quarantäne verpasst sie nun für zwei Wochen die Hälfte ihrer Veranstaltungen. Manche Professorinnen und Professoren reagieren zuvorkommend und stellen die Materialien online, manche Dozierende sagen dann aber auch wörtlich "selber schuld, wenn ihr nicht kommt" und lassen Menschen in Quarantäne somit alleine.

Keine einheitliche Linie an den Hochschulen

So ein Verhalten sei "völlig inakzeptabel" und entspreche nicht der Linie der Hochschule, reagiert Corona-Beauftragte Petra Spier darauf. Die Hochschule habe alles getan, damit die Lehrkräfte ein Hybrid-Format anbieten könnten: Jeder Dozierende habe ein Streaming-Set zur Verfügung gestellt bekommen, Schulungen wurden angeboten und studentische Hilfskräfte zur Verfügung gestellt. Dass dennoch einige trotz dieser Möglichkeiten nicht auf Hybrid setzen, sei schade, aber im Sinne der Freiheit der Lehre könne die Hochschule da nicht viel machen, sagt Spier.

Anders als bei Lena setzen viele andere Kursleitungen immer mehr auf Online-Lehre. Master-Studentin Dayana bemerkt durch ihre Quarantäne beispielsweise kaum einen Unterschied im Uni-Alltag - ihr gesamtes Programm ist seit Anfang des Semesters online. "Die Präsenzlehre wird immer mehr zurückgerudert", stellt sie fest. Diese Vorsicht ist ihrer Meinung nach auch durchaus sinnvoll angesichts der steigenden Fallzahlen.

Wenn Studierende dann doch an die Unis kommen, seien diese recht streng mit den 3-G-Nachweisen, erzählt eine Studentin der Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität - vor allem im Kontrast zu Clubs und Gastronomie, wo Besucher teilweise einfach durchgewinkt würden. Dagegen malt Hochschul-Studentin Lena ein anderes Bild: Sie sei noch kein einziges Mal kontrolliert worden, ob sie einen 3-G-Nachweis erbringen könne. An der Hochschule und an der TU wird bei der 3-G-Kontrolle auf ein Stichproben-Konzept gesetzt - Lena fühlt sich dadurch nicht sicher am Campus und fordert strengere Kontrollen.

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