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Neuer Corona-Schnelltest:Nur noch eine halbe Stunde bis zum Ergebnis

Mund auf, Wattestäbchen rein, Mund zu, 30 Minuten warten: So funktioniert ein neuer Corona-Schnelltest.

Mund auf, Wattestäbchen rein, Mund zu, 30 Minuten warten: So funktioniert ein neuer Corona-Schnelltest.

(Foto: Thomas Frey/dpa)

Mithilfe einer neuen Technologie soll das Verfahren beschleunigt werden. Ab September wird der "Ultraschnelltest" am Münchner Flughafen in einer Feldstudie erprobt.

Von Ekaterina Kel

Eine Firma, ein Versprechen: In einer halben Stunde könne man acht Proben gleichzeitig auf das Coronavirus testen und ein zuverlässiges Ergebnis erhalten. Dies sagt Federico Bürsgens, der Geschäftsführer von GNA Biosolutions, einem Unternehmen vom Biotech-Campus in Martinsried im Landkreis München. Die neue Technologie, die die Firma entwickelt hat, soll Anfang September am Flughafen München zum ersten Mal in der Praxis ausprobiert werden. Erfüllt die erste Feldstudie die hohen Erwartungen, dürfte das leidige Thema Testung schon bald um einiges einfacher werden.

Je weniger Wartezeit, desto weniger Aufwand. Die Menschen müssten nicht mehr tagelang auf eine Meldung vom Labor warten - ein Vorgang, der sich immer wieder als fehleranfällig herausgestellt hatte. Zuletzt bei der Testpanne der bayerischen Staatsregierung von vergangener Woche. Bis heute konnten nicht alle positiven Testergebnisse von den hastig aufgestellten Testzentren an Autobahnen zugeordnet werden. Bekommt man das Testergebnis mit dem neuen Verfahren wirklich innerhalb von einer halben Stunde, könnte man nach einem Rachenabstrich direkt vor Ort erfahren, ob man infiziert ist oder nicht.

Nicht nur die Firma in Martinsried arbeitet daran, die herkömmlichen PCR-Tests, die an sich sehr zuverlässig, aber zum einen relativ aufwendig sind und zum anderen mehrere Stunden dauern können, zu vereinfachen und zu beschleunigen. "Es ist ein stark umkämpfter Markt", sagt Ulrike Protzer, Leiterin des virologischen Instituts an der TU München. Schnelle Diagnostik sei gerade eben sehr nachgefragt. Eine US-amerikanische Firma liefert zum Beispiel in gut 45 Minuten für 16 Proben gleichzeitig ein Ergebnis. Der Nachteil laut Protzer: Das Gerät ist teuer in der Produktion und kann vor allem nur stationär angewendet werden.

Die Martinsrieder haben deshalb ein Gerät entwickelt, das transportierbar ist. Sie arbeiten mit dem Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsdiagnostik (MVZ) zusammen, ebenfalls aus Martinsried. Der dortige Geschäftsführer und Facharzt für Laboratoriumsmedizin Hanns-Georg Klein, der auch den Kontakt zum Flughafen hergestellt hatte, erklärt das geplante Prozedere: Man werde zunächst Mitarbeiter von Fluglinien oder Reisende, die in ein Land fliegen, das einen aktuellen Corona-Test verlangt, testen. Und zwar mit zwei Verfahren gleichzeitig. Erstens mit dem herkömmlichen PCR-Verfahren, bei dem die Zeit, die zur Vervielfältigung des Virus im Erbgut benötigt wird, zwischen 90 und 120 Minuten dauere, wie Klein erklärt. Und zweitens, vorausgesetzt das Einverständnis des Getesteten und natürlich kostenfrei, mit dem neuen Verfahren von GNA Biosolutions. Es ist ebenfalls ein PCR-Test, das heißt, man kann dieselbe Rachenprobe ein zweites Mal verwenden. Und laut Bürsgens dauert die Vervielfältigung des Virus mit dem neuen Gerät nur noch 15 Minuten. Die Vorbereitung der Probe bleibe bei beiden Methoden gleich, erklärt Klein. Weshalb noch einmal etwa zehn bis 15 Minuten dazugerechnet werden müssten.

"Wenn sich in einem Laborvergleich bestätigt, dass der Test mehr als 90 Prozent der positiven Proben erkennt, dann ist das für die praktische Anwendung schon sehr interessant", sagt Ulrike Protzer, die das Verfahren von GNA Biosolutions als "sehr spannendes Projekt" bezeichnet. Die Schnelligkeit böte einen "Riesenvorteil". Aber nun gelte es eben, die Versprechen der Erfindung auch in der Praxis zu testen.

Man müsse erst einmal "Erfahrungswerte sammeln", weiß auch Bürsgens. Genaue Angaben über Sensitivität und Spezifität des Tests seien erst nach den ersten klinischen Studien möglich, sagt er.

Die Hoffnungen sind jedenfalls geweckt, jetzt müssen sie sich bewahrheiten. Und wenn sich die vielversprechenden Ergebnisse validieren lassen, stehe schon die Alfmeier-Gruppe aus Treuchtlingen für die Produktion bereit, bis zu 200 Geräte pro Woche sind laut Bürsgens möglich.

Im Mai wurde das Verfahren vom bayerischen Wirtschaftsministerium als "Ultraschnelltest" angepriesen. Minister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) besuchte die Firma vor Ort, es schwebte ihm vor, mit 1000 Geräten täglich rund 300 000 Tests durchzuführen. Doch dann verzögerte sich die Produktion - wohl wegen Lieferengpässen. Früher habe er von Juroren, denen er sein Projekt vorgestellt hatte, gehört, dass es keine Rolle spiele, wie lang der PCR dauere, erinnert sich Bürsgens. "Jetzt stellt das keiner mehr in Frage." Und auch Protzer sagt: "Jetzt ist mehr Druck da." Dass das PCR-Verfahren optimiert werde, sei jedenfalls sehr sinnvoll.

© SZ vom 19.08.2020/wean

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