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Infektionsrisiko im Nahverkehr:Das Schweigen der Pendler

Coronavirus - Bayern - FFP2-Maskenpflicht

Die MVG will telefonieren nicht verbieten, mahnt aber zur Stille

(Foto: dpa)

Weniger Gespräche, weniger Aerosole in der Luft: In Bahnen und Bussen sollen die Fahrgäste nicht mehr so viel sprechen. Ein Rede- oder Telefonverbot gibt es aber nicht.

Von Andreas Schubert

Laut telefonierende Fahrgäste und lärmende Gruppen rauben vielen im öffentlichen Nahverkehr schon immer den Nerv. Doch weil sie auch noch mehr Aerosole in die Luft blasen, werden sie nun zu einer potenziellen Corona-Ansteckungsgefahr. Auf Mallorca hat die Regierung die Bürger deshalb schon vor einigen Tagen dazu aufgerufen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln besser zu schweigen. Dem will sich nun auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) anschließen. Gerade fürs Telefonieren schöben Passagiere oft ihre Maske zur Seite und verbreiteten so verstärkt Aerosole, sagt MVG-Geschäftsführer Ingo Wortmann. Ein Redeverbot werde es aber nicht geben. Zwar könne die MVG das Telefonieren durchaus verbieten, "das haben wir aber nicht vor", so Wortmann. Stattdessen setze man auf Freiwilligkeit und die Vernunft der Fahrgäste. Diese will die MVG mit Aufklebern in den Fahrzeugen nun bitten, möglichst nicht zu reden. Außerdem will sie laut Wortmann darauf hinweisen, dass die Passagiere möglichst einen Mindestabstand einhalten, auch bei der Wahl ihres Sitzplatzes.

Aus medizinischer Sicht brauche es kein Redeverbot, wie Dieter Hoffmann vom Institut für Virologie der Technischen Universität München erklärt. Weil die Fahrgäste ohnehin eine FFP2-Maske tragen müssten, sei leise reden unbedenklich. Nur "lärmendes Sprechen" oder laute Telefonate könnten ein Problem sein. Wenn jemand die Maske zum Telefonieren abnehme, verbreiteten sich die Aerosole auch über den Mindestabstand von eineinhalb Metern hinaus. Im Berufsverkehr beobachte er allerdings, dass die Berufspendler ohnehin nicht viel reden, so Hoffmann.

Für eine Taktverdichtungen zur Rushhour fehlen die Kapazitäten

Zum Infektionsschutz im ÖPNV haben die Stadtratsfraktionen der Grünen und der SPD Anträge gestellt. Sie wollen das Fahrgastaufkommen entzerren. Dazu beitragen sollen flexiblere Arbeitszeiten und Home-Office, versetzte Zeiten beim Unterrichtsbeginn, dichtere Takte während der Hauptverkehrszeiten, die von der MVG ohnehin geplanten Hinweis-Aufkleber, mehr Desinfektionsmittelspender an Stationen, die Anzeige von weniger ausgelasteten Routen in der MVG-App und - wenn möglich - die Abgabe von FFP2-Masken an den Info-Punkten. Zudem fordern sie eine Verlängerung des ÖPNV-Rettungsschirms.

Uneins sind Grüne und SPD allerdings in einer Frage: Die Grünen wollten zunächst in einer ersten Version des Antrags die Kapazität der Verkehrsmittel um 25 bis 50 Prozent senken, um mehr Abstände zu ermöglichen. Dem schlossen sich die SPD-Fraktion und SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter jedoch nicht an, weshalb die Koalitionspartner keinen gemeinsamen Antrag stellten. Später überarbeiteten die Grünen ihren Antrag. Es soll nun, als Zielvorgabe, die Auslastung des jeweiligen ÖPNV-Fahrzeugs um bis zu 50 Prozent reduziert werden, und zwar durch die genannten Maßnahmen. Weniger Fahrgäste in die Fahrzeuge zu lassen, ist laut MVG-Chef Ingo Wortmann ohnehin nicht umsetzbar, ebenso wenig wie Taktverdichtungen zur Rushhour. Dazu fehlten die Kapazitäten.

© SZ vom 22.01.2021
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