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Pandemie:Rekordwert bei Corona-Neuinfektionen in München

Söder, Reiter und Huml bei Gesundheitsreferat

Ministerpräsident Markus Söder und Ministerin Melanie Huml versprachen bei ihrem Besuch im Münchner Gesundheitsreferat weitere Hilfe.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

290 Personen haben sich innerhalb von 24 Stunden angesteckt. Die Kontaktverfolgung im Gesundheitsreferat ist mühsam, jeden Tag könnte das System überlastet werden. Nun will der Freistaat zusätzliche Hilfe schicken.

Von Ekaterina Kel

Was zurzeit hinter den Türen des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU) genau läuft, ist schwer zu sagen. Funktioniert die Kontaktnachverfolgung - trotz rasant steigender Zahlen? Eine Frage, die nicht nur Betroffene von Quarantäne-Maßnahmen umtreibt. Ganz so entspannt wird es wohl nicht laufen, sonst hätten sich Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) nicht kurzfristig angekündigt, um der Behörde einen Besuch abzustatten. Für eine halbe Stunde verschwanden die beiden am Donnerstagmorgen in Begleitung von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in den oberen Stockwerken des braun-grauen Bürobaus an der Bayerstraße. Für alle anderen gab es an der Treppe den Hinweis, dass keiner sonst mitkommen dürfe - "aufgrund von Infektionsschutz".

Eine halbe Stunde später trat der Besuch dann vor die Mikrofone im Innenhof des Gebäudes. Das Versprechen: 2000 weitere Mitarbeiter aus der Staatsverwaltung sollen in ganz Bayern zusätzlich die Gesundheitsämter unterstützen. Die sogenannten Contact-Tracing-Teams, die dafür zuständig sind, möglichst schnell die Kontaktpersonen ersten Grades eines Infizierten aufzuspüren, sollen weiter verstärkt werden, sagte Söder. Bis zu 200 Personen versprach Huml der Stadt München. Außerdem sollen sowohl staatliche als auch kommunale Mitarbeiter einen Corona-Bonus bekommen. "Wir müssen alles tun, um die Kontaktverfolgung so lange und so gut wie möglich aufrechtzuerhalten", mahnte Söder. Besonders in Großstädten wie München, wo täglich Hunderte neue Kontaktpersonen ermittelt werden müssten, sei es wichtig, die Arbeit der Contact-Tracing-Teams zu gewährleisten.

Von einem "sehr diffusen" Infektionsgeschehen in der Stadt spricht der kommissarische Leiter des Gesundheitsreferats, Rudolf Fuchs. "Es geht quer durch die Stadt und umso gefährlicher ist es", warnt er. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen erreichte am Donnerstag einen neuen Rekord seit Pandemiebeginn: 290 Münchner haben sich innerhalb von 24 Stunden laut RGU angesteckt. Ende März waren es an einem Tag 245 gewesen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die anzeigt, wie viele Menschen sich innerhalb von sieben Tagen gerechnet auf 100 000 Einwohner angesteckt haben, kletterte allein seit Montag von 72,4 auf 82,4 diesen Donnerstag.

Was das für die Contact-Tracing-Teams bedeutet, rechnete Fuchs vor: In der vergangenen Woche seien rund 1200 Neuinfektionen dazugekommen. "Im Regelfall" entstünden daraus mindestens 6000 Kontaktpersonen ersten Grades, die so schnell wie möglich identifiziert, kontaktiert, beraten und unter Quarantäne gestellt werden müssten. Außerdem benötigten all diese Personen PCR-Tests, die ebenfalls das RGU anordnet.

Täglich kommen neue Fälle dazu. "Um die hohen Zahlen weiterhin schultern zu können, brauchen wir weitere Unterstützung", sagt Fuchs deshalb. Immer wieder erreichen die SZ Berichte von betroffenen Münchnern, die mehrere Tage auf einen Anruf des RGU warteten oder mehrere Tage hintereinander von verschiedenen Mitarbeitern des RGU kontaktiert wurden, die ihnen dieselbe Information abermals mitteilten. Auf die Frage, wie lange eine Kontaktperson durchschnittlich auf eine Meldung warten müsse, erwiderte der kommissarische Leiter bloß, dass eine Woche Wartezeit "nicht die Regel" sei.

Es komme darauf an, wie schnell man die Indexperson erwische, also jene Person mit der gemeldeten Neuinfektion, die dann nach ihren Kontakten befragt wird. Erstens sei es "nicht immer einfach", sie zu erreichen, so Fuchs. Zweitens müsse dann noch ermittelt werden, ob die Kontakte die Kriterien für eine Kontaktperson ersten Grades erfüllten - laut Robert-Koch-Institut mindestens 15 Minuten "face-to-face" Interaktion, zum Beispiel ein Gespräch. Drittens müssten die Vorgehensweise und die nötigen Quarantänemaßnahmen "sehr häufig am Telefon erläutert werden", sagt Fuchs - dies könne eben länger dauern. Die Teams arbeiteten "selbstverständlich von Montag bis Sonntag", betonte er. Insgesamt 500 Menschen wechselten sich in Schichten ab, im Großraumbüro zwar, aber "unter Corona-Bedingungen".

Jeden Tag könnte das System überlastet werden - es braucht bloß den nächsten Rekordwert. Aus diesem Grund brauche man mehr Mitarbeiter. Die Kommunikationsmethode Faxgerät habe man nun auch endlich aufgegeben, sagt Fuchs. Es gebe mittlerweile Cloud-Lösungen für den Austausch von Daten zwischen den Gesundheitsämtern. Und die Umstellung auf eine spezielle bayernweite Software soll weitere Abhilfe schaffen.

© SZ vom 23.10.2020/mmo
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