Corona-Maßnahmen:Proteste weiten sich auf das Münchner Umland aus

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Corona-Maßnahmen: Solidarität mit Pflegekräften: Kabarettist Christian Springer spricht vor dem Rathaus in Unterhaching.

Solidarität mit Pflegekräften: Kabarettist Christian Springer spricht vor dem Rathaus in Unterhaching.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Tausende Menschen kommen bei nicht angemeldeten Demonstrationszügen zusammen. Die Aufrufe stammen oftmals von rechtsextremen Gruppierungen und Parteien. Doch es formiert sich auch Gegenprotest.

Von Karin Kampwerth

Mehrere Tausend Menschen haben am Montagabend in den Landkreisen rund um München gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Dass es sich dabei um teils von rechtsextremen Gruppierungen und Parteien orchestrierte Aufmärsche handelt, belegen die Aufrufe zu den sogenannten "Spaziergängen" etwa im Messenger-Dienst Telegram. Eine Recherche der Dachauer SZ hatte vor Kurzem dort geteilte Beiträge der "Freien Sachsen" gefunden. Außerdem verweisen einige Posts der "Spaziergänger" eindeutig auf Reichsbürger und Rechtsextreme.

An diesem Montag hatten sich wieder circa 300 Menschen in Dachau zu einem Protestmarsch durch die Altstadt zusammengefunden. Für die Teilnahme hatte die vom Verfassungsschutz beobachtete und als rechtsextrem eingestufte Kleinpartei "Der III. Weg" geworben. In Karlsfeld, Markt Indersdorf und Altomünster kam es zu kleineren Versammlungen.

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In Moosburg im Landkreis Freising waren ebenfalls mehrere Hundert Menschen unterwegs. Dort hatten neben "Der III. Weg" die corona-kritische Kleinstpartei "Die Basis" sowie die regionalen Telegram-Kanäle wie "Querdenken 8161 - Freising" oder "Corona Rebellen Freising" zur Teilnahme aufgerufen.

Auch im Landkreis Starnberg formiert sich der Protest. In Herrsching waren nach Polizeiangaben mehr als 200 Personen unterwegs, in Dießen etwa 85. In Gilching sind in der Spitze 125 Menschen marschiert.

In Fürstenfeldbruck sind viele Autos mit auswärtigen Kennzeichen zu sehen

Als Hotspots der Aufmärsche stechen Erding und der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen heraus. In Erding sind am Montagabend zum wiederholten Mal circa 1500 Menschen auf die Straße gegangen. In Wolfratshausen zählte die Polizei 900 Protestierende, in Bad Tölz 700 und im benachbarten Penzberg waren es etwa 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich gegen Maßnahmen und eine Impflicht wandten. In Fürstenfeldbruck zählte die Polizei 700 Gegnerinnen und Gegner der Corona-Auflagen. In mehreren Gemeinden im Landkreis Ebersberg gingen knapp 600 Menschen aus Protest auf die Straße. Die größte Demonstration fand mit 300 Teilnehmenden in Grafing statt.

Für einige Aufmärsche liegt die Vermutung nahe, dass es unter den Teilnehmern einen gewissen Tourismus geben könnte. So hatten Münchner Impfgegner schon in der Vorwoche im Telegram-Kanal der Gruppierung "München steht auf" eine Liste mit mehr als 200 solcher Demos in ganz Bayern veröffentlicht. Darunter fanden sich auch die "Montagsspaziergänge" in Erding, Dorfen und Wartenberg mit dem Hinweis auf "gut erreichbare Orte", die nicht von der Allgemeinverfügung der Stadt München betroffen seien. In Fürstenfeldbruck waren am Montagabend auffallend viele Autos mit auswärtigen Kennzeichen zu finden, unter anderem aus München und Dachau, Freising, Landsberg am Lech, Augsburg und Aichach.

Insgesamt blieben die Proteste friedlich. Vereinzelt wurden Personalien von Teilnehmern festgestellt. Vielerorts formierten sich auch Gegendemonstrationen. In Unterhaching im Landkreis München etwa standen den 200 corona-kritischen Protestierenden 300 Menschen gegenüber, die für die Einhaltung der Corona-Maßnahmen und für Solidarität mit Pflegekräften demonstrierten, darunter neben Politikerinnen und Politikern auch der Kabarettist Christian Springer. An die Adresse der "Spaziergänger" sagte er: "Es färbt ab, wenn man mit den Braunen mitläuft." "Der III. Weg" hatte in Unterhaching erstmals mit Flugblättern zum Protestmarsch aufgerufen.

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