Kliniken in der Pandemie:Aus einer Station werden zwei

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Kliniken in der Pandemie: In bayerischen Krankenhäusern kommt es beim Personal wegen Corona zu Engpässen.

In bayerischen Krankenhäusern kommt es beim Personal wegen Corona zu Engpässen.

(Foto: Florian Peljak)

Weil die Patientenzahlen wegen Omikron steigen, müssen die Münchner Kliniken einen hohen Aufwand betreiben, um Covid- und Noncovid-Patienten weiter getrennt behandeln zu können. Besonders gefordert ist - wieder einmal - das Personal.

Von Stephan Handel

Trotz steigender Inzidenzen sehen sich die Münchner Kliniken bei der Versorgung von Covid-Patienten auf der sicheren Seite: Nach zwei Jahren Betrieb im Pandemie-Modus sind Abläufe und Verfahren eingespielt und bewährt, auch größere Zahlen von Kranken könnten sicher versorgt werden. Problematisch bleibt weiterhin der erhöhte Personalbedarf - beziehungsweise die erhöhte Belastung des vorhandenen Personals.

Seit Beginn der Pandemie sind Münchens Covid-Versorger zweigleisig unterwegs: Sie müssen ihre üblichen Klinik-Leistungen auf den normalen Stationen anbieten - und dann noch einmal auf Isolierstationen, wo Corona-Positive versorgt werden. Dabei ist es für die Kliniken kaum ein Unterschied, ob der Patient wegen Covid behandelt wird oder ob die Seuche nur eine Nebendiagnose ist.

Die München Klinik etwa teilt mit: "Eine ältere Dame, die nach einem Sturz in schlechtem Zustand und mit Oberschenkelhalsbruch stationär versorgt wird und deren PCR-Test positiv ist, ist eine Risikopatientin." Sie müsse mit größerem Aufwand isoliert versorgt werden, von der Planung des Bettenplatzes über die regelmäßig notwendigen Tests bis zur Entlassung benötige sie deutlich mehr Ressourcen - "nicht nur mit Blick auf den maximal möglichen Infektionsschutz für Mitarbeitende und Mitpatienten".

Christoph Spinner, Pandemiebeauftragter am Universitätsklinikum rechts der Isar, sagt, dass nun auch erste Fälle von schweren Lungenentzündungen nach Infektion mit Omikron auftreten - "fast ausschließlich bei Ungeimpften und Nicht-Genesenen". Trotzdem sei es auch im Krankenhaus der Technischen Universität München so, dass viele Covid-Patienten nicht in erster Linie wegen schwerer Virus-Erkrankungen aufgenommen werden, sondern aus anderen medizinischen Gründen. Aber auch in diesen Fällen müssen Hygienemaßnahmen befolgt werden, mehr personeller Aufwand ist nötig.

Wer vor einer geplanten OP positiv getestet wird, muss später kommen

Bei allen neu aufgenommenen Patienten wird als erstes ein PCR-Test abgenommen - das ist mittlerweile so eingespielt, dass in Notfällen das Ergebnis in zwei Stunden vorliegen kann. Einen "Graubereich" sieht Christoph Spinner in der Notaufnahme: Dorthin kommen Patienten ungeplant, oftmals mit akuten Beschwerden, aber ungeklärtem Infektions-Status. "Aber auch hier", sagt Spinner, "können wir meistens schnell ein Clearing herbeiführen."

Auf den Stationen hat sich das Klinikum entschieden, Covid- und Noncovid-Bereiche streng voneinander abzugrenzen. Andere Alternativen wären gewesen, auf den bestehenden Stationen Isolationsbereiche einzurichten oder nur einzelne Zimmer mit Covid-Patienten zu belegen. Eine gesonderte Statistik, wie viele Patienten mit und wie viele wegen Corona hospitalisiert wurden, führt das Rechts der Isar nicht - weil das für den Versorgungsaufwand unerheblich ist.

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In der München Klinik, vier Krankenhäuser in städtischem Eigentum, sind seit Beginn der Pandemie im Januar 2020 bis heute 3700 Covid-Patienten behandelt worden, 900 davon auf den Intensivstationen. Aktuell befinden sich rund 70 Patienten in Behandlung, rund zehn davon intensivpflichtig. Der "deutlich überwiegende Teil" davon ist wegen Covid im Krankenhaus - auch wenn die Klinik derzeit eine steigende Anzahl von Patienten beobachtet, bei denen die Infektion nur die Nebendiagnose darstellt.

Für die medizinische Versorgung ist das aber auch hier kein Unterschied: "Alle mit Sars-CoV-2-infizierten Patienten müssen isoliert und unter hohen hygienischen Behandlungsstandards versorgt werden", teilt die Klinik mit. Andererseits tut die Klinik auch einiges dafür, sich keine zusätzlichen Covid-Patienten sehenden Auges ins Haus zu holen: "Vor planbaren Operationen und Eingriffen werden Patienten getestet und im Falle einer Sars-CoV-2-Infektion erst nach Genesung aufgenommen."

Ohne, aber wegen Corona in Behandlung: Auch das gibt es

Das dient nicht nur dem Schutz von Mitpatienten und Personal: "Wenn eine Sars-CoV-2-Infektion und eine andere schwere, akut krankenhauspflichtige Erkrankung zusammentreffen, ist Covid-19 ein zusätzlicher Risikofaktor, der den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen kann."

Die München Klinik verweist noch auf einen anderen, bislang wenig beachteten Faktor bei der Arbeitsbelastung durch Corona: Wenn ein Covid-Patient während des Klinikaufenthalts negativ getestet wird, fällt er aus der Statistik heraus, er wird "entisoliert", kann also auf den Normalstationen versorgt werden.

Dennoch kann es sein, dass er, gerade bei vorhergehenden schweren Verläufen danach noch mehrere Wochen behandelt werden muss, zum Teil sogar intensivmedizinisch - er ist also ohne, aber wegen Corona in Behandlung. Zusätzlich zu den 70 Akutfällen behandelt die München Klinik derzeit etwa 20 solcher Patienten.

Christoph Spinner vom Klinikum rechts der Isar ist - wie viele seiner Kollegen - optimistisch, dass Omikron den Weg in die Endemie ebnen könnte, also das nur mehr zeitweilige Aufflackern der Krankheit, wie man es von den alljährlichen Grippewellen kannte. Ganz Entwarnung will er aber nicht geben: "Wir werden uns auf den nächsten Winter vorbereiten müssen. Einen Normalbetrieb wird es ganz sicher nicht geben."

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