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Corona in Münchner Krankenhäusern:Die Lage ist angespannt, aber unter Kontrolle

Am Flur der Corona Station (Normalstation nicht Intensiv) in der München Klinik Schwabing, Schwabinger Krankenhaus

Auch Personal stecke sich immer wieder mit Covid-19 an, was teilweise über Tage zu Ausfällen von Kliniken für die Notfallversorgung führe.

(Foto: Florian Peljak)

Münchner Kliniken sind durch das Coronavirus weiterhin stark belastet. Die erwartete "enorme Welle" nach Weihnachten sei jedoch ausgeblieben.

Von Ekaterina Kel

Weiterhin angespannt, aber unter Kontrolle - so lässt sich die aktuelle Corona-Lage in den Münchner Krankenhäusern beschreiben. Zurzeit werden gut 530 Patienten mit Covid-19 in der Stadt stationär behandelt, davon 165 intensiv. Auf Normalstationen ist die Zahl seit Weihnachten von etwa 450 auf 360 runtergegangen, auf den Intensivstationen vergleichsweise gleichgeblieben. Die Krankenhäuser seien weiterhin stark belastet, sagt Viktoria Bogner-Flatz. Zusätzlich stecke sich immer wieder auch Personal mit Covid-19 an, was teilweise über Tage zu Ausfällen von Kliniken für die Notfallversorgung führe. Bogner-Flatz ist Notfallmedizinerin am LMU-Klinikum und zusammen mit Dominik Hinzmann vom Rechts der Isar für die Krankenhauskoordinierung während der Pandemie verantwortlich.

Stabilisiert hat sich das hohe Niveau auch dadurch, dass die beiden kurz vor Weihnachten weitere Kliniken dazu bringen konnten, an der Versorgung von Covid-19-Patienten mitzuwirken. Mit der Zustimmung des Gesundheitsministeriums konnten auch kleinere Kliniken Ausfallzahlungen bekommen. Nun könnten also deutlich mehr Krankenhäuser Kapazitäten bereitstellen, erklärt Bogner-Flatz. Leere Betten sollte man sich dabei aber nicht vorstellen: "Wir nutzen alles, was da ist." Sie sagt auch: "Es ist überhaupt nicht zur Entspannung gekommen. Aber wir kommen zurecht."

Auch auf die Kapazitäten von Reha-Kliniken in den umliegenden Landkreisen mussten sie zurückgreifen. Dorthin konnten Patienten verlegt werden, die zwar stabil sind, jedoch noch im Krankenhaus überwacht werden müssen. So könne man Akutkrankenhäuser "handlungsfähig" halten, also immer wieder ein paar Betten frei machen für schwere Fälle. Hinzu kommt, dass manche Patienten an Covid-19 oder Folgen davon versterben. Auch das mache leider wieder Krankenhausbetten frei. Allein seit Heiligabend, also innerhalb von zwei Wochen, sind laut Gesundheitsreferat 122 Münchnerinnen und Münchner an oder mit Corona gestorben.

Eine gute Nachricht hat Bogner-Flatz aber auch: "Zu der enormen Welle nach Weihnachten, wie wir sie befürchtet hatten, ist es nicht gekommen. Die Lage hat sich nicht extrem verschärft." Woran das liegt? Sie hoffe, dass sich die Menschen tatsächlich etwas zurückgehalten haben. Auch verweist Bogner-Flatz auf den Lockdown, möglicherweise habe er eine Wirkung gezeigt, sagt sie. Eine weitere Welle von Patientenzahlen könne man sich im Prinzip gar nicht mehr leisten.

Axel Fischer, Geschäftsführer der München Klinik, wo an insgesamt vier Standorten seit Wochen zwischen 140 und 170 Covid-19-Patienten behandelt werden, zeigt sich zurückhaltender. Der befürchtete Anstieg nach Weihnachten könne möglicherweise noch kommen. Silvester sei außerdem erst eine Woche her. Mitte Januar erwarte er den höchsten Anstieg. Und: "Wir haben noch schwere Monate vor uns." Fischer erinnert daran, dass die Versorgung von Covid-Patienten vom Personal viel abverlange. Er musste 20 Prozent des üblichen Betriebs herunterfahren - "und wir sind trotzdem voll". Das liege auch daran, dass die Belastung im Winter durch die höhere Zahl an Notfällen und anderen Infektionskrankheiten generell größer sei.

"Bis wir die komplette Auswirkung auf den Intensivstationen sehen, wird es noch ein bis zwei Wochen dauern", schätzt auch Nadine Schmid-Pogarell, Geschäftsführerin des Krankenhauses Barmherzige Brüder, das aktuell sieben Normal- und neun Intensivpatienten mit Covid-19 versorgt. Entspannung sei noch nicht in Sicht. Allerdings verspreche der Impfstoff Hoffnung. Am vergangenen Montag habe man die erste Impfaktion durchgeführt. Auch an anderen Krankenhäusern geht das Impfen voran. An der München Klinik erklärten sich laut Fischer fast 80 Prozent des Personals mit der höchsten Priorität bereit, sich impfen zu lassen. In den Alten- und Pflegeheimen der Stadt wird mit mobilen Impfteams weiter gespritzt: Laut Gesundheitsreferat bekamen dort bisher rund 2900 Menschen die Impfung.

© SZ vom 08.01.2021/kafe
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