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Kampf gegen das Coronavirus:Jetzt müssen alle Münchner Kliniken zusammenhelfen

Coronavirus Altenheime

Die München Klinik versorgt aktuell etwa 200 Corona-Patienten. In allen Münchner Krankenhäusern zusammen werden derzeit etwa 460 Covid-Patienten betreut.

(Foto: Dirk Waem/dpa)

In einem eindringlichen Appell fordern OB Reiter und der Geschäftsführer der München Klinik andere Krankenhäuser zu mehr Solidarität auf - denn nicht alle beteiligen sich bei der Bewältigung der Pandemie gleichermaßen.

Von Ekaterina Kel

Für die München Klinik ist die momentane Lage "ernster als während der ersten Welle". So teilt es das kommunale Unternehmen am Donnerstag mit, das die meisten Coronafälle aus München und dem Umland versorgt; insgesamt sind es aktuell rund 200, davon mehr als 30 auf Intensivstationen. Das seien genauso viele Patienten wie in der Hochphase der ersten Welle, heißt es. Jedoch ist die Hochphase der zweiten noch nicht erreicht: "Wir sehen heute in der Klinik die Infektionszahlen von vor drei Wochen und damit wissen wir auch, dass wir uns mindestens weitere vier Wochen auf steigende Patientenzahlen einstellen müssen", sagt Axel Fischer, Geschäftsführer der München Klinik.

Fischer richtet einen dringenden Appell an die vielen privaten Kliniken der Stadt: Um Patienten und Mitarbeiter nicht zu gefährden, "brauchen wir die große Solidarität aller Krankenhäuser". Laut Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) gibt es davon in München 50. Ohne eine gesteuerte Verteilung der Lasten auf alle halte man bis zum Frühjahr oder bis zu den Reihenimpfungen nicht durch, so Fischer. Es gehe ihm nicht um Panikmache, sondern darum, "deutlich den Ernst der aktuellen Lage zu betonen". Einen ausdrücklichen Dank richtet Fischer an die beiden Uni-Kliniken und diejenigen, die schon heute die "Hauptlast der Pandemie" mittragen.

Anders als in der ersten Welle hat die Staatsregierung aktuell nicht den Katastrophenfall ausgerufen. Auch gibt es keine neue Verordnung, die alle Kliniken zur Covid-19-Versorgung verpflichtet. Damals gab es vom Bundesgesundheitsministerium für jedes freigehaltene Bett eine Pauschale - egal, welche Art Klinik dies betraf. In der zweiten Welle gibt es keinen großflächigen Rettungsschirm, die Ausgleichszahlungen gehen nur noch an sogenannte Notfallversorger. Vom RGU kam am Donnerstag allerdings der Hinweis, dass sich auch ohne die Möglichkeit der Ausgleichszahlungen "weitere Kliniken aus Solidarität (...) weiterhin an der Versorgung von Covid-19-Patienten beteiligen werden".

Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beschwört eine "gemeinsame Kraftanstrengung aller Kliniken". Die Covid-Versorgung dürfe nicht nur Aufgabe der großen Notfallversorger sein. "Ich würde es ausdrücklich begrüßen, wenn alle Münchner Kliniken, die die Möglichkeit haben, sich an der Bewältigung der Pandemie beteiligen und auch ihre Intensivkapazitäten für Covid-19-Patienten zur Verfügung stellen. Das ist leider derzeit nicht der Fall."

Die Schön Klinik in Harlaching, eine der größten privaten Kliniken in München, betont, dass sie gerade durch den Erhalt eines regelhaften Krankenhausbetriebs und die Aufnahme von Nicht-Covid-Patienten die großen Notfallversorger entlaste. Sollte sich aber das Infektionsgeschehen verschärfen oder eine neue Allgemeinverfügung kommen, "stehen wir selbstverständlich für die Behandlung von Covid-19-Patienten bereit", so das Unternehmen.

In der München Klinik konzentriert man sich derweil ausschließlich auf Notfälle und besonders dringliche Eingriffe. Bereits vergangenes Wochenende gaben die Notaufnahmen mehrerer Krankenhäuser in einem internen System an, keine neuen Patienten mehr aufnehmen zu können. Zurzeit sind laut der Stadt 459 Betten mit Covid-19-Fällen belegt, davon 105 Intensivbetten und fünf Betten in der Intensivüberwachungspflege. Vor einer Woche waren es 81 Patienten weniger. Zu der aufwendigen Versorgung der Patienten kommt die Furcht vor dem unbemerkt eingeschleppten Virus.

In der München Klinik Neuperlach wurde vor zwei Wochen auf der geriatrischen Station ein Patient positiv getestet, der bei der Aufnahme noch negativ war. Insgesamt waren dann 15 Patienten und sieben Mitarbeiter betroffen. Der Ausbruch gilt inzwischen als eingedämmt. In Bogenhausen kam es vergangene Woche zu einem ähnlichen Ausbruch: Auf einer Station mit Schwerpunkt Kardiologie wurden sowohl Patienten als auch Mitarbeiter positiv getestet, die zuvor negativ waren. Die Patienten wurden auf Einzelzimmer verlegt, es gab einen Aufnahmestopp. Insgesamt sind 23 von 112 Patienten und 16 von 100 Mitarbeitern positiv getestet worden. Seitdem seien alle übrigen mehrfach negativ getestet worden. Auch alle anderen 1800 Mitarbeiter sowie alle Patienten seien getestet worden. Es seien keine weiteren Infektionsketten entdeckt worden.

© SZ vom 27.11.2020/kafe
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