Corona und Freizeit:Mehr Freiheiten für Jugendliche

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Das Münchner Sozialreferat fordert eine 3-G-Regelung für Jugendzentren: "Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dürfen nicht weiter die ,Verlierer' der Pandemie-Maßnahmen sein."

Von Kathrin Aldenhoff

Bürgermeisterin Verena Dietl und Sozialreferentin Dorothee Schiwy fordern eine 3-G-Regelung für die Angebote und Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Sie sollten für alle jungen Menschen zugänglich sein, etwa mit einem Testangebot vor Ort. "Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dürfen nicht weiter die ,Verlierer' der Pandemie-Maßnahmen sein", sagt Sozialreferentin Schiwy.

Auch der Bayerische Jugendring plädiert für 3G in der Jugendarbeit. Die seit November geltende 2-G-Zugangsbeschränkung sorge für Ärger und Frust - bei Jugendlichen wie bei Mitarbeitern, sagte BJR-Präsident Matthias Fack. Es stelle sich schon die Frage, warum sich eine Gruppe Jugendlicher in einem Restaurant oder an einer Tankstelle treffen dürfe, im Jugendzentrum aber nicht.

Die Bayerische Staatsregierung hatte vor Kurzem die Ausnahmeregelung für ungeimpfte, aber in der Schule getestete Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren entfristet: Sie dürfen in Restaurants und Hotels, Theater spielen sowie Musik und Sport machen, auch wenn sie nicht geimpft oder genesen sind. Für Erwachsene gilt in diesen Bereichen 2G. Für unter 14-Jährige gelten 2G und 2G plus grundsätzlich nicht.

Das Jugendamt beobachtet eine zunehmende Flucht in Verschwörungsideologien

Das Münchner Sozialreferat weist darauf hin, dass sich die Ausnahme nur auf minderjährige Schülerinnen und Schüler beziehe und dass sie nicht für die offene Kinder- und Jugendarbeit in Jugendzentren und Freizeitstätten gelte. Das führe dazu, dass die sehr wichtige präventive Arbeit dort kaum mehr möglich sei. Die Besucherzahlen in den Einrichtungen der Jugendarbeit seien deutlich zurückgegangen, sagte Bürgermeisterin Verena Dietl: "Jugendliche brauchen eine eigene Clique und wollen ihre Freizeit in der Gemeinschaft verbringen." Wenn sie aufgrund von 2G und Kontaktbeschränkungen die Jugendzentren nicht mehr besuchen könnten, träfen sie sich im öffentlichen und privaten Raum. Das sei kontraproduktiv, was das Infektionsgeschehen angehe, außerdem fehle dort die Einflussnahme der pädagogischen Mitarbeiter.

Familien seien von der Pandemie belastet, der gesellschaftliche und mediale Druck sowie die immer wiederkehrenden Einschränkungen der sozialen Kontakte führten dazu, dass junge Menschen zunehmend psychischen Belastungen ausgesetzt seien. Das Jugendamt beobachtet eine Zunahme von Selbst- und Fremdgefährdungen, die Flucht in Verschwörungsideologien und eine steigende Zahl von Gewaltdelikten unter Jugendlichen sowie der Jugendkriminalität im öffentlichen Raum.

Es fehlten präventive und intervenierende Gespräche mit den Jugendlichen, um solche Entwicklungen frühzeitig aufzufangen, sagte Sozialreferentin Schiwy: "Erschreckend ist auch der enorme Anstieg von jugendpsychiatrischen und jugendtherapeutischen Notfällen. Die Jugendpsychiatrien sind übervoll, psychiatrische Beratungsstellen haben Wartezeiten von bis zu sechs Monaten. Angebote und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit würden hier zumindest den Rahmen des präventiven Kinder- und Jugendschutzes bieten, einen Vertrauensraum und niederschwellige Beratung."

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