Corona:Münchens Inzidenz ist höher als gedacht

Coronavirus - Impfaktion

Eine Woche nach Schulstart kündigt die Stadt mobile Impfaktionen für Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren und deren Angehörige sowie Lehrpersonal an. Dies sei "eine weitere wichtige Weichenstellung in unserer Impfkampagne", sagt Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD).

(Foto: dpa)

Weil die Stadt bei der Meldung neuer Corona-Fälle hinterherhinkt, weist das Robert-Koch-Institut seit Tagen ungenaue Werte aus. Der Grund dafür sei ein "kurzfristiger Personalmangel". Welche Auswirkungen das nun hat.

Von Ekaterina Kel

Der ungewöhnlich starke Meldeverzug der Stadt bei der Sieben-Tage-Inzidenz des Robert-Koch-Instituts (RKI) macht sich weiterhin bemerkbar. An diesem Montag meldete die Stadt 234 neue Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden. Davon sind aber 175 Nachmeldungen, also Fälle, die die Stadt erst später erfasst hat, bei denen die Infektion schon länger als einen Tag zurückliegt.

Im Zuge der Nacherfassungen ist in den kommenden Tagen mit einem deutlichen Anstieg der vom RKI gemeldeten 7-Tage-Inzidenz für München zu rechnen. Unter Berücksichtigung der Nacherfassungen geht das Gesundheitsreferat von einem aktuellen Inzidenzwert von etwa 120 aus, wie es am Montag nach einer SZ-Anfrage hieß. Ende vergangener Woche wies das Gesundheitsreferat auf "Verzögerungen bei der Datenerfassung" hin, die "aufgrund des zuletzt stark angestiegenen Meldeaufkommens" entstehen könnten. In den kommenden Tagen müsse man also mit einem Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz für München rechnen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz war in München seit Anfang September von 77 auf fast 50 runtergegangen - und das trotz vieler Reiserückkehrer, während des Schulanfangs und bei steigenden Krankenhauseinweisungen. Zuletzt ist sie aber von 62,1 am Donnerstag sprunghaft auf 88,2 am Freitag gestiegen, am Montag lag sie bereits bei 96,1 - und wohl noch höher.

Grundsätzlich ist ein Verzug bei der Fallmeldung im System eingeschrieben. "Es gibt einen generellen Meldeverzug", erklärt eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts, und zwar bundesweit. Bis eine Infektion beim RKI angekommen ist, können unter Umständen Tage vergehen. Erst meldet ihn ein Labor ans zuständige Gesundheitsamt, dieses übermittelt die Fälle meistens ein- oder zweimal am Tag der Landesbehörde, in Bayern ist es das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das wiederum die Daten aller Kreise und Städte bündelt und einmal am Tag ans RKI weiterschickt. Dabei sei es ganz normal, dass ein geringer Teil der Fälle es erst am Tag drauf in die Meldung schaffe, erklärt die Sprecherin. Zurzeit würden bundesweit rund ein Fünftel der Fälle erst am Folgetag der Meldung dem RKI übermittelt.

Denselben verzögernden Effekt gibt es demzufolge auch bei der Hospitalisierungsrate, die angibt, wie viele Menschen mit Covid-19-Erkrankung in den vergangenen sieben Tagen auf 100 000 Einwohner im Krankenhaus behandelt werden mussten. "Durch Übermittlungsverzug" könnten die Werte "in gewissem Maß unterschätzt werden", erläutert das RKI.

Bei dieser Zahl fällt der Verzug aktuell noch mehr ins Gewicht, da die Politik sich nun mehr an den Fällen in den Krankenhäusern orientiert. Die bayerische Krankenhausampel sieht vor, dass bei einer Hospitalisierungsinzidenz von 9,13 die Ampel auf "Gelb" springt. Im Moment ist die Hospitalisierungsinzidenz in Bayern laut LGL bei 2,3. An der Höhe der Sieben-Tage-Inzidenz allerdings hängt nun keine politische Entscheidung mehr - außer der Marke 35: Ist diese erreicht, tritt die 3 G-Regel in Kraft. Die Inzidenz hilft natürlich trotzdem weiter, wenn man wissen will, wie sich das Virus gerade ausbreitet.

Viele positive gemeldete Fälle sagten aber noch nicht genug aus, erinnert Hans Theiss, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Stadtrat. Angesichts der hohen Impfquote verliefen viele Fälle sehr milde oder symptomfrei - auch diese Fälle gehen alle in die Sieben-Tage-Inzidenz ein. "Grundsätzlich muss der Fokus auf Intensivbetten liegen", so Theiss. Die Kontaktnachverfolgung müsse jedoch weiterhin im Auge behalten werden - in einem Antrag forderte die CSU-Fraktion das Gesundheitsreferat vergangene Woche auf, bei den Contact Tracing Teams wieder ein Schichtsystem einzuführen, um die steigenden Zahlen bei den Neuinfektionen aufzufangen.

Die zeigen sich in den Kitas und Schulen. 16 Kindertageseinrichtungen und eine Tagesstätte sind momentan von Quarantäneregelungen betroffen. Meistens müssen die Kinder einer Gruppe wegen eines positiven Falls zu Hause bleiben, bis am fünften Tag ein negativer Corona-Test vorliegt.

Eine Woche nach Schulstart kündigt die Stadt nun auch mobile Impfaktionen an Schulen an. Von Montag an würden an den Münchner Schulen Impfungen für Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren und deren Angehörige sowie Lehrpersonal angeboten, so das Gesundheitsreferat. Dies sei "eine weitere wichtige Weichenstellung in unserer Impfkampagne", sagt Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD). Derzeit stehe man mit vielen Einrichtungen in Kontakt, um zu klären, ob die Impfteams zu einzelnen Schulen fahren oder sich Schulen zu gemeinsamen Impfaktionen zusammenschließen.

© SZ vom 21.09.2021/kafe
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