Corona-Pandemie:Viele Infektionen, wenige Schwerkranke

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Corona-Pandemie: Derzeit gehen wenige Menschen zum Corona-Test. Das Gesundheitsreferat rechnet darum mit einer hohen Dunkelziffer an Infektionen - und erwartet einen Anstieg.

Derzeit gehen wenige Menschen zum Corona-Test. Das Gesundheitsreferat rechnet darum mit einer hohen Dunkelziffer an Infektionen - und erwartet einen Anstieg.

(Foto: Christophe Gateau/dpa)

Seit Wochen steigt die Inzidenz in München, Oberbürgermeister Dieter Reiter macht sich Gedanken über das Oktoberfest. Kein Anlass zur Panik, meinen hingegen Experten.

Von Stephan Handel

Zum ersten Mal seit Mitte Mai ist die Corona-Inzidenz für München am Donnerstag wieder über 600 gestiegen: Das Robert-Koch-Institut meldete einen Wert von 601,8, das entspricht 8956 neu gemeldeten Fällen in den vergangenen sieben Tagen. Damit setzt sich die Entwicklung der vergangenen Wochen fort - kein Zweifel: München, Bayern, Deutschland befinden sich in einer fünften Welle.

Das Gesundheitsreferat der Stadt sieht dennoch derzeit keinen Anlass, über neue Einschränkungen für die Bürger nachzudenken, vor allem, weil für die derzeitige Lage die Omikron-Untervarianten BA.4 und BA.5 verantwortlich seien. "Wir gehen derzeit von einem Anteil von über 70 Prozent für München und das Umland aus", teilt das Referat mit. "Insofern vermuten wir ein noch weiteres Ansteigen der Infektionszahlen in den nächsten Wochen."

Das sieht auch Christoph Spinner so; er ist Infektiologe und Pandemiebeauftragter des Universitätsklinikums rechts der Isar: "Dieser Anstieg war nur eine Frage der Zeit. Allerdings ist das Erkrankungsgeschehen keineswegs außer Kontrolle. Das sieht man an der Covid-19-bedingten Hospitalisierungsrate: Die bleibt relativ gleich." Tatsächlich sind laut Gesundheitsreferat derzeit an Münchner Krankenhäusern 268 Betten mit bestätigten Covid-19-Fällen belegt, davon 21 Intensivbetten und fünf bei der Intensivüberwachungspflege - ausgesprochen niedrige Zahlen. Zudem wird nicht erfasst, ob die Patienten tatsächlich wegen Covid im Krankenhaus sind oder wegen einer anderen Erkrankung mit der Infektion als Nebendiagnose - für die Kliniken besteht da kein Unterschied, weil auch solche Patienten unter Beachtung entsprechender Hygiene- und Isolationsmaßnahmen betreut werden müssen.

Corona-Pandemie: Christoph Spinner ist Infektiologe und Pandemie-Beauftragter des Klinikums rechts der Isar.

Christoph Spinner ist Infektiologe und Pandemie-Beauftragter des Klinikums rechts der Isar.

(Foto: Robert Haas)

Christoph Spinner hält deswegen auch die derzeitige Impfstrategie für richtig: "Die wichtigste Maßnahme ist, bei alten Menschen und chronisch Kranken die Impfung aufzufrischen." Derselben Meinung ist auch Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD): "Es bleibt dabei, dass im Kampf gegen die Pandemie das Impfen entscheidend ist." Impfungen gebe es nach wie vor im Impfzentrum im Gasteig sowie in den Außenstellen am Marienplatz und im Olympia-Einkaufszentrum - ohne vorherige Terminvereinbarung. Zurek rät außerdem dazu, weiterhin die AHA+L-Regeln einzuhalten: Abstand halten, Hände waschen, Atemmaske und Lüften.

Zu befürchten bleibt, dass die wahre Zahl der Infektionen deutlich höher liegt als die offiziell gemeldete: Wer keine Symptome hat, aber bei einem Selbsttest positiv war, wird kaum zum Arzt gehen, so dass sein Fall auch nicht aktenkundig wird. Das Gesundheitsreferat berichtet, dass die Zahl der Testungen im Testzentrum und bei privaten Betreibern "auf niedrigem Niveau konstant" ist - in der vergangenen Woche wurden 57254 Tests gemeldet.

Kurz vor dem Oktoberfest zur Impfung

Nicht darin enthalten sind Tests in Apotheken, bei niedergelassenen Ärzten oder in Kliniken. Allerdings, so das Referat, seien verpflichtende Tests wie in früheren Phasen der Pandemie mittlerweile großteils weggefallen, so an den Schulen und beim Einlass zu bestimmten Einrichtungen und Veranstaltungen. Deshalb geht das Gesundheitsreferat davon aus, "dass die Dunkelziffer nicht unerheblich hoch ist".

Nicht wenig Aufregung produzierte in dieser Woche die Äußerung von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), er mache sich angesichts der stark steigenden Zahlen Sorgen um das Oktoberfest, das in rund zehn Wochen beginnen soll; derzeit werden schon die Zelte aufgebaut. Infektiologe Spinner sieht allerdings keinen Grund zum "Hyperalarmismus": Natürlich sei ein volles, heißes, verschwitztes Bierzelt für Erreger von Atemwegserkrankungen ein "paradiesisches Habitat". Auch finde er es erfreulich, dass sich Politiker wie der Oberbürgermeister verantwortungsvoll zeigten.

Spinner gibt aber einen anderen Tipp: "Wenn ich unbedingt auf die Wiesn gehen möchte, dann würde ich mir drei, vier Wochen vorher eine Auffrischungsimpfung holen. Dann sollte der Schutz auf jeden Fall wiederhergestellt sein." Denn: "Covid wird bleiben. Wir werden lernen müssen, damit zu leben."

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