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Corona-Pandemie:Wann sind alle in München geimpft?

Reportage: Alten- und Servicezentrum Giesing, 2021

In den Alten- und Servicezentren sind mobile Impfteams im Einsatz. Die Stadt hofft nun auf mehr Dosen, um das Impftempo zu steigern.

(Foto: Robert Haas)

Und ist ein Sommerurlaub realistisch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Münchner Stadtrat. Der Leiter des Corona-Krisenstabs hält ab Mai 400 000 Immunisierungen pro Monat für möglich. Aber dann gibt es da noch das Problem mit der siebten Dosis.

Von Ekaterina Kel

Der Leiter des Corona-Krisenstabs Wolfgang Schäuble hat gute Nachrichten für den Stadtrat mitgebracht: Wenn ab Mai die Impfdosen auch so wie versprochen in München ankommen, könnte bis Anfang August jede Münchnerin und jeder Münchner einmal gegen Corona geimpft sein. Das wäre der "Best Case", sagte er an diesem Donnerstag im Rathaus bei der Sitzung des Gesundheitsausschusses.

Dies sei möglich, weil der Stadt zum gegenwärtigen Zeitpunkt für Mai mehr Impfstoffdosen versprochen worden seien und in diesem Fall die Impfpriorisierung aufgehoben werden könnte. "Das würde ab Mai rund 400 000 Impfungen pro Monat zulassen", so Schäuble. Zum Vergleich: Derzeit werden nach Angaben des Branddirektors im Monat 160 000 Impfungen verabreicht.

Eine erfreuliche Aussage. Ist damit der Urlaub doch noch gerettet? Der sei ja mittlerweile ein ständiger Tagesordnungspunkt in den Sitzungen der Stadträte, scherzt Stefan Jagel (Die Linke). Doch sogleich dämpfte Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) die optimistische Stimmung. "Nach den uns neu vorliegenden Erkenntnissen wird es nichts mit dem Sommerurlaub."

Die Aussagen über die Lieferungen der Impfdosen seien nach wie vor unzuverlässig. Sie könnten sich im schlimmste Fall innerhalb von Stunden ändern, auch für kommende Woche seien sie nun wieder gedämpft worden. "Es ist jetzt nicht so, dass es turbomäßig läuft", so Zurek. Ob die Impfdosen für Mai also wirklich ankommen, "das wissen nur die Götter". Auch Schäuble schiebt dann nach: Für kommende Woche werde die Lieferung dezidiert geringer ausfallen als vorher angemeldet. Er habe ja bloß aufzeigen wollen, dass es so laufen könnte. "Eine optimistische Nachricht würde allen sicher gut tun", aber aus den Erfahrungen mit den Lieferungen der vergangenen Monate könne er nicht sagen, ob die Versprechen auch eingehalten werden.

Ein Dämpfer also. Doch in seinem Bericht zur momentanen Corona-Lage, zu der er von der Gesundheitsreferentin eingeladen wurde, erwähnt Schäuble auch Bereiche, die die Stadt selbst in der Hand hat. So soll zu den mittlerweile 25 privaten Anbietern und etwa 100 Apotheken, die kostenlose Corona-Schnelltests, sogenannte Bürgertests, anbieten, auch die Kommune selbst eine solche Teststelle einrichten. Die Ausschreibung sei seit heute fertiggestellt, in Kürze werde auf der Theresienwiese also ein zusätzliches Testzentrum entstehen, sagte Schäuble. Neuerdings sei auch die Landeshauptstadt München als Arbeitgeber verpflichtet, ihren Angestellten Selbsttests anzubieten. Dazu werde zurzeit ein Konzept erarbeitet, sagte er. Dies bedeute auch eine zusätzliche Belastung für das Budget der Referate.

Von rund 171 500 Tests, die an den Schulen durchgeführt wurden, waren 163 positiv

Das Thema Impfen ließ die Stadträtinnen und Stadträte nicht los. Die siebte Dosis, also die Dosis, die aus der Biontech-Ampulle manchmal noch herausgezogen werden kann, werde im Impfzentrum in Riem und von den mobilen Impfteams der Stadt offiziell nicht gewonnen. Das liegt daran, dass diese offiziell von der bayerischen Staatsregierung nicht freigegeben ist. Einige Stadträte drängten in der anschließenden Diskussion darauf, dass sich diese Situation dringend ändern müsste. Die siebte Dosis sei in den allermeisten Fällen absolut normal, sagte Hannah Gerstenkorn (Grüne). Sie bitte dringend darum, dass diese auch im Impfzentrum immer gewonnen und verabreicht werde.

So ließ Wolfgang Schäuble anschließend auch wissen, dass man eindringlich auf die Staatsregierung einwirken werde, um auch die siebte Dosis offiziell verabreichen zu können. Das Problem bestehe darin, sagte Schäuble, dass Hausärzte in ihren Praxen selbst verantwortlich zeichneten, jedoch in Riem im großen Stil der Anbieter verantwortlich wäre. Diese Verantwortung zu übernehmen könne man von ihm nicht verlangen. Das Impfzentrum in Riem wird von der Aicher Ambulanz zusammen mit dem Rettungsdienst MKT betrieben. Schließlich sorgten auch die Selbsttests an den Schulen für Diskussionsstoff. Von den rund 171 500 Tests, die in der vergangenen Woche an den Schulen durchgeführt wurden, waren 163 positiv ausgefallen.

Ob diese denn auch nachträglich durch PCR-Tests bestätigt werden konnten, wollte Hans Theiss (CSU) von der Gesundheitsreferentin wissen. Diese musste einräumen, dass dies nicht nachverfolgt worden sei. Es sei "inakzeptabel", sagte Theiss, dass den Tests nicht weiter nachgegangen worden sei. Die Schulen seien in der Pandemie ein besonders "neuralgischer Punkt", die Teststrategie müsste sorgfältig kontrolliert werden.

© SZ vom 23.04.2021/mmo
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