Aufhebung der Impfpriorisierung"Das löst unglaublichen Unmut und Druck aus"

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In Arztpraxen kann sich nun jeder gegen Corona impfen lassen, unabhängig von Priorisierungsgruppe und Alter. Doch der Impfstoff reicht längst nicht für alle.
In Arztpraxen kann sich nun jeder gegen Corona impfen lassen, unabhängig von Priorisierungsgruppe und Alter. Doch der Impfstoff reicht längst nicht für alle. (Foto: Catherina Hess)

Die Arztpraxen dürfen nun frei entscheiden, wen sie gegen Corona impfen. In München weckt das viel Kritik.

Von Ekaterina Kel, München

Die Neuinfektionen sinken, die Impfquoten steigen: Während das Infektionsgeschehen sich langsam beruhigt, brodelt es rund um das Thema Corona-Impfung gewaltig. Auch bei den Stadträten weckt die Aufhebung der Priorisierung in den Arztpraxen, die diesen Donnerstag in Kraft getreten ist, starke Emotionen. Im Gesundheitsausschuss ließen sich etliche Mitglieder über die neue Regelung aus.

Die Priorisierung in den Praxen aufzuheben, sei eine "Unverschämtheit" und führe zur "völligen Überlastung" der Hausärzte, mahnte Stefan Jagel von der Partei die Linke. Die Politik suggeriere den Menschen, dass sie nun alle geimpft werden könnten, was angesichts der knappen Liefermengen nicht sein könne. Auch Gabriele Neff von der FDP nannte die Aufhebung "einen großen Fehler". SPD-Stadtrat Klaus-Peter Rupp sagte, es ärgere ihn "maßlos", dass nach wie vor zu wenig Impfdosen geliefert würden. "Das ist fast schon Organisationsversagen", so Rupp.

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Die neue Regelung sorge für "Frustrationspotenzial" im Corona-Krisenstab, so dessen Leiter Wolfgang Schäuble. "Die Klarheit, wer wann dran kommt, fällt zunehmend", sagte er. Das wäre an sich auch "in Ordnung", nur leider werde das nicht durch die Liefermengen gedeckt. Sie blieben nach wie vor unter dem, was man täglich unter Volllast verimpfen könnte. "Das löst unglaublichen Unmut und Druck aus."

Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) lenkte den Blick zudem auf das Impfzentrum in Riem. Bundesweit soll die Impfpriorisierung in allen Impfzentren am 7. Juni fallen, wobei sich der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Donnerstag im Landtag eher skeptisch dazu äußerte. Skepsis zeigte auch Zurek. Wenn es in zwei Wochen heißt, jeder und jede könne sich impfen lassen, nach welchen Prinzipien sortiert man dann die Menschen? "Wie soll man denn da den Zugang steuern", fragte sie. "Nach unserer Auffassung wird es gar nicht funktionieren." Im Prinzip müsse die Priorisierung in den Impfzentren beibehalten werden, dies wäre eine "sinnvolle Erkenntnis", sagte sie in Richtung der Staatsregierung.

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Mehr Optimismus ließ Zurek dann beim Thema Zweitimpfung zu. "Ich bin zuversichtlich, dass die zweiten Impfungen immer stattfinden werden." Jeden Abend werde ihre Behörde abgefragt, wie viel Impfstoff für den nächsten Tag nötig sei, hier werde man also immer die Zweitimpfungen im Blick behalten. Wie viel dann noch zusätzlich für Erstimpfungen übrig bleibe, müsse man sehen.

Weniger dramatisch sieht Hans Theiss von der CSU die Entwicklung: "Es geht ja in die richtige Richtung", erinnerte er im Ausschuss. Jeder Geimpfte sei ein guter Geimpfter, es gehe schließlich darum, möglichst schnell eine Impfquote von 60 bis 70 Prozent zu erreichen. Außerdem falle die Inzidenz zur Zeit sehr schnell, das sei ein gutes Zeichen.

In München liegt die Sieben-Tage-Inzidenz tatsächlich den zweiten Tag nacheinander unter 50. Damit stehen weitere Lockerungen in Aussicht, etwa der Wegfall einer Testpflicht für viele Bereiche. "Zum ersten Mal traut man sich zu sagen, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt", so Theiss. Und auch Krisenstab-Chef Schäuble stellte zu Anfang seines Lageberichts fest: "Insgesamt sieht es wirklich sehr positiv aus." So sei das Infektionsgeschehen bei der Gruppe der Über-60-Jährigen in letzter Zeit kaum gestiegen. Und die vielen Schnelltests seien eine große Hilfe, die Infektionen schnell zu entdecken.

Mittlerweile kann man sich bei 173 Stationen von 89 privaten Betreibern und in 120 Apotheken in der Stadt und auf der Theresienwiese testen lassen. Auch eine gute Nachricht: Anstehen muss dabei keiner. Von den insgesamt 85 000 möglichen Tests würden zur Zeit nur etwa 40 Prozent gemacht, so Schäuble. Hier zeichne sich kein Engpass ab.

© SZ vom 21.05.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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