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Schwabing:Zu viel Staub und Krach beim Stoßlüften

Vom Gisela-Gymnasium aus ist die Baustelle gut zu sehen. Die Stadtsparkasse baut einen sechsstöckigen Komplex mit Wohnungen, Büros und Läden, und die Stadt errichtet die Marktstände neu.

(Foto: Catherina Hess)

Wegen der Baustelle am Elisabethplatz können viele Klassenzimmer im Gisela-Gymnasium nicht so gelüftet werden, wie Corona-Regeln es vorgeben. Eltern fordern den Stopp der Arbeiten.

Von Ellen Draxel

Auf der Baustelle am Schwabinger Elisabethplatz droht womöglich die sofortige Einstellung der Baumaßnahmen - zumindest wenn es nach den Eltern von Schülern des benachbarten Gymnasiums geht, die nun per Anwaltsschreiben tätig geworden sind.

Grund sind die Lärm- und Staubentwicklung: Weil weder für den geplanten Neubau des Elisabethmarktes noch für den Neubaukomplex auf dem Areal der Stadtsparkasse eine Lärm- und Staubschutzwand errichtet worden sei, verbietet sich nach Ansicht der Beschwerdeführer im benachbarten Gisela-Gymnasium das Öffnen von Fenstern, die der Baustelle zugewandt sind. Um eine Verbreitung des Coronavirus zu verhindern, sollen Klassenzimmer aber laut Umweltbundesamt alle 20 Minuten gelüftet werden.

Dies jedoch, so Anwalt Julian Brune, sei am Elisabethplatz wegen der "eklatanten Lautstärke" der Bauarbeiten, die eine Verständigung zwischen Lehrer und Schülern unmöglich machten, nicht umsetzbar. Denn bei einem mehrminütigen Stoßlüften bliebe von einer 45-minütigen Unterrichtsstunde nur noch die Hälfte übrig. Die Konsequenz sei, "dass die behördlich vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen und der Coronaschutzplan durch die Lehrkräfte schlichtweg nicht praktiziert werden" könnten. Der Jurist, dessen Töchter das Gisela-Gymnasium besuchen, fordert die Stadt deshalb auf, die Bauarbeiten mit "sofortiger" Wirkung einzustellen. Andernfalls sehe er sich "veranlasst, beim Verwaltungsgericht München eine einstweilige Anordnung zu erwirken".

Etwa tausend Schüler besuchen die staatliche Schule an der Arcisstraße 65. Ein erheblicher Teil der Klassenzimmer ist mit den Fensterfronten in Richtung der beiden großen Bauvorhaben hin ausgerichtet, die Fassade selbst befindet sich nur wenige Meter von den Baugrundstücken entfernt. Dass es im Falle einer Erhöhung der Corona-Inzidenzzahlen spätestens im Herbst oder Winter zu Problemen würde kommen können, sei angesichts der Lage "bereits vor einigen Monaten unschwer erkennbar" gewesen, sagt Brune.

Der Elternbeirat der Schule, Brune selbst sowie Vertreter der Stadt und der Stadtsparkasse München hätten sich deshalb schon zweimal an Ort und Stelle zu Gesprächen getroffen. Doch geschehen sei trotz der Forderung des Elternbeirats nach Lärm- und Staubschutzmaßnahmen nichts. "Dass die Bauherren selbst keinerlei Interesse daran haben, die Baukosten durch etwaige Schutzmaßnahmen für die Schüler des Gisela-Gymnasiums zu erhöhen, mag zwar wirtschaftlich nachvollziehbar sein", so der Anwalt. Deshalb aber Leben und Gesundheit der betroffenen Schüler des Gisela-Gymnasiums zu gefährden, sei "vollkommen inakzeptabel".

Die städtischen Behörden sahen sich am Montag nur zu einer ersten Reaktion in der Lage. Planungssprecher Ingo Trömer gab an, dass der Vorgang derzeit geprüft werde. Und die Markthallen München prüften aktuell die Lärm- und Staubemissionen, hieß es. Man eruiere, welche Möglichkeiten es zur Verbesserung der Situation gebe, sagte Andreas Sigl vom Kommunalreferat: "Auch stehen wir bereits mit der Schule im Austausch."

© SZ vom 20.10.2020/sim
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