bedeckt München 25°

Isarvorstadt:Politik will Partys am Gärtnerplatz eindämmen - auch Alkoholverbot möglich

Nachtschwärmer am Gärtnerplatz in München, 2020

An warmen Sommerabenden treffen sich viele vor allem junge Menschen am Gärtnerplatz, oft unter Missachtung der Hygieneregeln.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Ein runder Tisch soll darüber beraten, wie es mit feiernden Menschen am Gärtnerplatz während der Coronakrise weitergehen soll. Mehrere Maßnahmen sind denkbar.

Von Anna Hoben

Es ist Sommer, die Menschen wollen raus und sich treffen, viele tun dies bevorzugt abends und bis in die Nacht am Gärtnerplatz, oft unter Missachtung der Hygieneregeln und zum Leidwesen der Anwohner. So weit, so bekannt und viel diskutiert. Nun soll ein runder Tisch das Problem um den beliebten runden Platz richten. Am Montagvormittag treffen sich Vertreter der Fraktionen, verschiedener städtischer Referate und des Bezirksausschusses sowie von Polizei und kommunalem Außendienst, um zu besprechen, wie es weitergehen kann und soll. Und weil ein runder Tisch nicht unbedingt nach Entschlossenheit und Durchgreifen klingt, wurde Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zum Ende der gut einstündigen Diskussion am Mittwoch im Feriensenat des Stadtrats deutlich: Es werde "ungemütlich" werden. "Wir müssen Lösungen zu Corona finden, nicht unbedingt zum Pinkeln."

Letzteres hatte davor in der Diskussion einige Zeit lang im Mittelpunkt gestanden - die Hinterlassenschaften mancher Menschen in diesen Sommernächten an Hauswänden und in Hauseingängen. Die CSU hatte deshalb Anfang der Woche in einem Dringlichkeitsantrag acht zusätzliche Toiletten für den Platz gefordert; zwei gibt es bereits. Es sei wichtig, dass die Menschen "ihre Notdurft in geordneten Bahnen verrichten können", sagte CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. Er glaube nicht, dass mehr Toiletten den Platz noch attraktiver machten - dass es zu wenige gebe, habe bisher ja auch niemanden abgehalten.

Die Rathauskoalition wollte dem Antrag allerdings nicht folgen. "Wir glauben nicht, dass acht Dixis den Platz schöner machen", sagte Christian Smolka (Grüne). Christian Vorländer (SPD) verwies auf die seit einer Woche wieder steigenden Corona-Infektionszahlen. Die Hygienesituation am Gärtnerplatz müsse verbessert werden, doch ob zusätzliche Toiletten zielführend seien, "da habe ich Zweifel". Es handle sich um "potenzielle Virenschleudern", sagte Thomas Lechner (Linke). Ein zweiter CSU-Antrag zur Straßenreinigung indes wurde einstimmig angenommen: Diese soll künftig nicht vor sieben Uhr morgens beginnen, um den Anwohnern eine etwas längere Nachtruhe zu verschaffen.

Mehrere Hundert Menschen versammeln sich zurzeit bei schönem Wetter abends am Gärtnerplatz, zu Spitzenzeiten Ende Juli waren es bis zu 1800. 16 Mal hat die Polizei den Platz in diesem Jahr schon geräumt. Und nun steigen die Corona-Fallzahlen in der Stadt erneut. Das Problem geht also über die Toilettenfrage weit hinaus. In diese Richtung ging dann auch die Wortmeldung von Roland Hefter (SPD), der anmahnte, verstärkt daran zu erinnern, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei - und dafür viel Zuspruch erhielt. Lena Odell (SPD) warnte davor, bei dem Feierthema Jung gegen Alt auszuspielen.

Die CSU zog ihren Toilettenantrag angesichts des runden Tischs zurück, der sich nun auf Initiative von SPD/Volt trifft und bei dem "was rauskommen muss, was die Situation entschärft", wie OB Reiter mahnte. Er werde nicht einfach weiter zusehen, wie die Infektionszahlen steigen und die Feiernden "Regeln brechen, die eingehalten werden müssen". Dazu habe er sich mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ausgetauscht und plane Gespräche mit Bürgermeistern anderer Städte. Denkbar sei vieles: von einem Verbot, Alkohol auszuschenken oder gar zu konsumieren, bis zu einer Sperrung des Platzes.

© SZ vom 20.08.2020/aner
Zur SZ-Startseite
Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins in München, 2019

Politik in München
:Polizeisprecher da Gloria Martins wechselt ins Gesundheitsministerium

Er sei abgeordnet worden, um dort die "Corona-Kommunikation" zu unterstützen, sagte er der SZ. An der Pressearbeit des bayerischen Gesundheitsministeriums gibt es seit Beginn der Corona-Krise immer wieder Kritik.

Von Kassian Stroh

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB