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Freizeit während Corona:Fünf Gärtnerplätze in jedem Viertel

Der Gärtnerplatz wird auch in Corona-Zeiten zum Treffpunkt der Münchner. Um das Geschehen im öffentlichen Raum zu entzerren, müssten andere Plätze aufgewertet werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Kreisjugendring hat Jugendliche und Politiker eingeladen, über mögliche Freiräume während der Corona-Pandemie zu diskutieren. Es brauche schnelle Lösungen, um "Zustände wie im letzten Jahr" zu verhindern.

Von Anna Hoben

Die Kindheit ist kurz, sagt an einer Stelle eine junge Frau, die Jugend ist eher noch kürzer, weil da so viel passieren muss. Man muss sich das immer wieder vor Augen führen, wenn man über Kinder und Jugendliche in der Pandemie spricht: dass ihnen eine wichtige Phase des Lebens zum Teil genommen wird, die sie später nicht mehr nachholen können. "Manchmal könnte ich platzen", sagt ein anderer Teilnehmer, 19 Jahre, Physikstudent und Jugendgruppenleiter beim Deutschen Alpenverein, in einem für die Veranstaltung aufgenommenen Video. "Ich sitze wegen der Uni schon den ganzen Tag vor dem Rechner, und abends findet mein soziales Leben dann auch noch vor dem PC statt." Er könne das ertragen, sagt er, aber die Jugendarbeit könne das nicht: "Wie soll die Jugend Zukunft schaffen, wenn sie nicht raus kann und nicht gehört wird?"

Der Kreisjugendring hat eingeladen, "Rangezoomt" heißt das Format, bei dem am Dienstagabend Jugendliche mit Stadträten über eine jugendgerechte Stadt in Zeiten der Pandemie ins Gespräch kommen. Die Veranstaltung findet, klar, auf der Internetplattform Zoom statt; darüber hinaus bezieht sich der Titel darauf, dass junge Menschen dabei Politiker "in Nahaufnahme" erleben können. Etwa ein Dutzend der 75 Teilnehmer sind Stadträtinnen und Stadträte, von den Grünen und der SPD, von CSU, FDP, Freien Wählern und der Linken. Sie haben sich eingeloggt, um zuzuhören, "Positionen aufzusaugen, mitzunehmen und in die Verwaltung einzuspeisen", wie Christian Köning (SPD) sagt.

Es geht darum, was Jugendverbände jetzt brauchen, es geht um Freiräume für Jugendliche in Pandemie-Zeiten, auch für Sport und Bewegung, und es geht darum, wie man mit den sogenannten Querdenkern diskutiert und umgeht. Beispielhaft für die Jugendverbände zeigt die Jugend des Deutschen Alpenvereins in einem Video, womit sie zurzeit zu kämpfen hat. Dass keine Veranstaltungen stattfinden, macht es schwierig, Nachfolger für Leitungsfunktionen zu finden. Es fehlt Geld, weil sie ihr Vereinsheim, den Kriechbaumhof in Haidhausen, nicht vermieten konnten. Hygienekonzepte sind dort wegen der kleinen Räume schwer umzusetzen.

"Zustände wie im letzten Jahr" will man vermeiden

In kleineren Gruppen werden dann die drei großen Themen diskutiert. Es sei wichtig, draußen konsumfreie Räume zu schaffen, an denen Jugendliche sich ohne sozialpädagogische Begleitung treffen können, sagt Clara Nitsche (Grüne). Sie denkt gerade darüber nach, wie sogenannte Parklets, also die Sondernutzung von Parkplätzen als Aufenthaltsbereich, bekannter werden können - die Bürgerinnen und Bürger können sie in diesem Jahr selbst beantragen, die Bezirksausschüsse müssen die Standorte freilich abnicken. "Parkplätze reichen nicht", sagt hingegen der Musiker und Veranstalter Joshua Neumann. Er denkt ans Frühjahr und an den Sommer: Es brauche schnelle Lösungen, "sonst gibt es wieder Zustände wie im letzten Jahr".

Zustände wie im letzten Jahr, das bedeutet: überfülltes Isarufer, überfüllter Gärtnerplatz. Die grün-rote Rathauskoalition hatte im vergangenen Herbst vorgeschlagen, für solche besonders frequentierten Orte digitale Füllstandsanzeigen zu schaffen. Wie es darum steht, wolle sie nun erfragen, verspricht Lena Odell (SPD): "Wir erwarten, dass die Verwaltung da Lösungen findet." Teil des Antragspakets im Herbst waren auch Sitzgruppen im öffentlichen Raum, für so viele Menschen, wie die aktuellen Regeln es zulassen. Das sei laut dem zuständigen Baureferat aber schwierig - logisch, sagt Odell am Tag nach der Veranstaltung, schließlich ändere sich die zulässige Anzahl an Kontaktpersonen ständig.

Ihr schwebt vor, das Geschehen im öffentlichen Raum zu entzerren und andere Plätze aufzuwerten, es brauche "viele kleine Gärtnerplätze", vielleicht fünf in jedem Viertel. Dazu setzt sie darauf, dass Jugendliche sich "gut und sicher" in Einrichtungen treffen können. Ob sich das Geschehen in diesem Sommer wirklich von den Hotspots weg verlagert, bleibt abzuwarten.

© SZ vom 25.02.2021/kafe
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karin

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