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Drittes Corona-Semester:Studierende demonstrieren für Öffnungsperspektive an den Unis

Corona-Demo Uni, Geschwister-Scholl-Platz

Ungenutzte Uni zu verkaufen: Studenten demonstrieren für die Öffnung der Hochschulen.

(Foto: Florian Peljak)

In einer Satire-Aktion wird am Geschwister-Scholl-Platz die LMU zum Verkauf angeboten - denn wer braucht schon eine Uni, die dauernd zu hat? Um nicht nur anzuklagen, haben die Studierenden konkrete Forderungen ausgearbeitet.

Von Julian Limmer

"Studium braucht Menschenkontakt" hat jemand mit blauer Kreide auf das Kopfsteinpflaster geschrieben. Rund 20 Studierende stehen hinter einem Absperrband, auf dem mit roten Buchstaben "Sale" steht. Sie haben sich auf dem Geschwister-Scholl-Platz vor der Ludwig-Maximilians-Universität versammelt, um die Uni zu verkaufen - die brauche ja aktuell niemand während der Pandemie.

Die satirische Aktion ist ein Ruf nach ein wenig Perspektive. Denn die fehlt aus Sicht der Demonstranten an den Hochschulen im Moment. Vergangene Woche startete vielerorts bereits das dritte Corona-Semester in Folge, das heißt, die Seminar- und Hörsäle bleiben vorerst weiter zu. Dagegen will die bundesweite Initiative "Nicht nur Online" ein Zeichen setzen. Die Idee stammt ursprünglich aus Berlin, nun hat München nachgezogen. Aufgerufen dazu hatte das "Münchner Komitee", eine Gruppe von Studierenden, die sich eigentlich gegen die Hochschulreform einsetzt, nun aber auch eine schrittweise Rückkehr an die Hochschulen fordert.

Mitorganisator Bernhard Fischer, 26, will eines vorweg klarstellen: Es gehe hier niemandem darum, die Pandemie zu verharmlosen. Von Querdenker-Demos will er nichts wissen. Was ihn aufrege, sei das Abschieben von Verantwortung auf die Studierenden, sagt der Soziologiestudent der LMU. In den Öffnungsplänen der Bund-Länder-Runden werde zwar viel über Teststationen für Reiserückkehrer gesprochen, so Fischer, doch die Hochschulen blieben außen vor.

Das bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verweist indes auf die dynamischen Entwicklungen der Pandemie. Deshalb seien im Rahmen des Infektionsschutzes derzeit keine Präsenzveranstaltungen möglich - davon ausgenommen sind praktische oder künstlerische Studienabschnitte oder Laborarbeiten. Die Situation werde laufend neu bewertet, heißt es.

Das ist Thomas Fischer und seinen Mitstreitern zu wenig. Er erkenne durchaus den Ernst der Lage, das Problem der steigenden Infektionszahlen. "Niemand erwartet ein Semester wie vor Corona", sagt er. Keine überhastete Rückkehr zum Normalbetrieb, keine überfüllten Hörsäle, nur einen verlässlichen Fahrplan, eine Perspektive. Er betont, dass niemand gezwungen werden solle, aktuell in Vorlesungen zu gehen. Doch für viele werde der Hochschulalltag nach einem Jahr allein vor dem heimischen Rechner zunehmend zur psychischen Belastung. "Viele sind wirklich verbittert zurückgeblieben", sagt Fischer. Vor allem für Kommilitonen, die in kleinen Wohnungen leben, ohne Rückzugsort, sei das kaum mehr tragbar.

Um nicht nur anzuklagen, sondern auch Lösungen anzubieten, hat das "Münchner Komitee" konkrete Forderungen ausgearbeitet. Darin verlangen sie unter anderem die Möglichkeit von Corona-gerechten Lerngruppen, einen verbindlichen Inzidenzwert für die vorsichtige Wiederaufnahme des Betriebs und ausreichend Testkapazitäten. Letzteres hat kürzlich auch Thomas Hofmann, der Präsident der Technischen Universität München (TU), ins Gespräch gebracht. "Nicht nur die Kinder an den Schulen sollten getestet werden, sondern auch die jungen Leute an den Universitäten und Hochschulen. Denn sie sind die nächste Generation, die den Erfolg und Wohlstand des Landes sichern soll", sagte er. Dafür möchte er mindestens eine Million Selbsttest zur Verfügung stellen. Sein Anliegen habe er bereits ans Ministerium weitergeleitet.

Auch Bernhard Fischer, der Student der LMU, würde das begrüßen. Denn: "Irgendwann fragt man sich nämlich, wie wichtig das alles ist. Studieren ist ja kein Freizeitspaß."

© SZ vom 19.04.2021
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