München:Das Kalkül der Corona-Demonstranten ist gescheitert

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Diesmal geht die Taktik der Münchner Polizei voll auf. Für diejenigen, die im Glauben losmarschierten, Vorschriften hätten keine Bedeutung, kann das ein teurer Abendspaziergang werden.

Kommentar von Martin Bernstein

Diesmal waren es die Pandemieleugner, die sich vorkommen mussten wie der von den Igeln düpierte Hase: Wo sie auch hinkamen - die Münchner Polizei war (fast) überall schon da. Nach Wochen, in denen die Münchner Einsatzleitung zu Recht jede Menge verbale Prügel für ihr unbedarftes, unvorbereitetes und sträflich naives Vorgehen gegen eine sich immer willkürlicher, in Teilen auch immer radikaler gebärdende Gruppierung bekommen hatte, ist am Mittwochabend die Taktik der Sicherheitskräfte aufgegangen. Fast immer, fast überall.

Es gab vereinzelte Marschversuche jeweils mehrerer hundert Teilnehmer der verbotenen Umzüge. Und natürlich kann man in solchen Fällen die Frage stellen: War das wirklich nicht zu verhindern?

Doch der Eindruck, der nach diesem langen, nassen Abend bleibt, ist der einer Polizei, die diesmal nahezu jederzeit Herrin der Lage blieb. Die Steuerung des Einsatzes vom Hubschrauber aus hat sich bewährt. Und auch die Taktik, einzelne Marschkolonnen erst einmal ziehen zu lassen - und ihnen nicht, wie in den vergangenen Wochen, hinterherzulaufen und dabei ein recht hilfloses Bild abzugeben. Ein Bild, das denen, deren einziges Ziel es ist, den demokratischen Staat und seine Organe lächerlich zu machen, nur zu gelegen kam.

Am Mittwoch überholten ganze Kolonnen von Polizeifahrzeugen die Protestierer, die Polizei kam so wieder vor die Demonstranten und konnte mehrere Gruppen festsetzen. Für diejenigen, die im Glauben losmarschierten, Auflagen und Vorschriften hätten für sie keine Bedeutung, kann das ein teurer Abendspaziergang werden.

Die von der Stadt erlassene Allgemeinverfügung hat der Polizei die schwierige und nicht ungefährliche Arbeit erleichtert. Der konsequente Einsatz, das frühzeitige Besetzen neuralgischer Punkte hat dagegen denen das Leben schwer gemacht, die den Staat ein weiteres Mal vorführen wollten. Diesmal waren es die Corona-Leugner, die chaotisch durch die Stadt rannten und froh waren, einmal ein paar hundert Meter Bürgersteig für sich zu haben.

Inhalte? Waren nicht auszumachen. In den einschlägigen Gruppen haben bereits erste Diskussionen begonnen, was das alles sollte. Gut so. Denn vielleicht denken die Mitläufer der obskuren Bewegung dann auch einmal darüber nach, wer ihr Demonstrationsrecht in Wirklichkeit torpediert hat: ihre eigenen Anführer nämlich.

Diese hätten auf der Theresienwiese demonstrieren dürfen. Zusammen mit 5000 weiteren Menschen. Und für ihr angebliches Anliegen - die Kritik an einer möglichen Impfpflicht. Doch das wollten sie gar nicht. Ihnen ging es um Eskalation. Um den Konflikt mit Stadt und Polizei. Den haben sie bekommen. Und sie stehen jetzt wie begossene Hasen da.

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