Pandemie:Wie angespannt die Corona-Lage in Münchens Kliniken ist

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Pandemie: Die Sommer-Welle ist dieses Jahr deutlich heftiger: Flur in der Klinik an der Thalkircher Straße 2021.

Die Sommer-Welle ist dieses Jahr deutlich heftiger: Flur in der Klinik an der Thalkircher Straße 2021.

(Foto: Leonhard Simon)

Die Inzidenz nähert sich der 1000er-Marke, die Zahl der Covid-Patienten in den Kliniken hat extrem zugenommen und die Personalnot ist gravierend. Wie nah an der Belastungsgrenze sind Münchens Krankenhäuser?

Von Nicole Graner

Es ist nicht vorbei. Das Coronavirus breitet sich wieder rasant aus in München - und das trotz des Sommers. Die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz gibt das Robert-Koch-Institut am Freitag mit 792 an. Die täglich steigenden Zahlen wirken sich auch auf die Krankenhäuser aus: Allein die München Klinik versorgt nach eigenen Angaben derzeit etwa 100 Covid-Patienten, zehn davon auf der Intensivstation. Zum Vergleich: Im Juli vor einem Jahr lag die Inzidenz im niedrigen zweistelligen Bereich, die München Klinik musste gerade mal vier Erkrankte behandeln.

Insgesamt werden aktuell 311 Covid-Patienten in Münchner Krankenhäusern behandelt, 52 mehr als noch vor einer Woche. Die Reproduktionszahl liegt bei 1,15 - und so dürfte wohl auch die Zahl der Patienten weiter steigen. Zudem bleibt die Personalsituation in den Kliniken angespannt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stecken sich zunehmend auch privat an oder betreuen "ihre positiv getesteten Kinder zu Hause", wie die München Klinik mitteilt. Etwa 100 Beschäftigte pro Woche würden derzeit ausfallen. Besonders betroffen seien auch Bereiche, "die das Krankenhaus generell am Laufen halten" - also Küche, Sterilgutaufbereitung oder Logistik. In solchen Bereichen könne man das Problem nicht mit "temporär weniger Betten" kompensieren. Noch sei aber die medizinische Versorgung "sichergestellt", beteuert die München Klinik. Es würden nur jene Operationen verschoben, die auch verschoben werden könnten.

Auch die Kliniken der Ludwig-Maximilians-Universität beurteilen die Lage als "angespannt". Punktuell komme es wegen Personalengpässen zur "Sperrung von betreibbaren Betten". Aktuell könne der Betrieb aufrecht erhalten werden, sagt Bernhard Heindl. Der Leiter der Stabsstelle Strategische Unternehmenssteuerung macht aber klar: "Bei einem weiteren, durchaus zu erwartenden Anstieg der Infektionen sind Einschränkungen bei planbaren Behandlungen oder Eingriffen durch Personalmangel durchaus möglich."

In den 13 Häusern der Alten-und Pflegeheime der Münchenstift GmbH sind aktuell 13 Corona-Fälle bekannt. Zehn Mitarbeiter und drei Bewohner seien erkrankt, teilt Geschäftsführer Siegfried Benker mit. Er glaube zwar, dass die Häuser fast die "sichersten Orte" seien, weil so viel getestet werde - aber er erinnere sich an Situationen während der vergangenen großen Wellen, als an einem einzigen Tag 44 Mitarbeiter positiv getestet worden seien. "Wir werden solche Fälle wieder haben", sagt Benker. "Und wir werden immer wieder umschichten müssen." Eines macht ihn aber zuversichtlich: "Wie haben ja jetzt viel Erfahrung."

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