Gastronomie und Corona:"2G" ist immer noch ein Einzelfall

2G im Café Kosmos

Geimpft oder genesen? Wenn nicht, bitte draußen bleiben! Im Café Kosmos gilt 2G.

(Foto: Florian Peljak)

Einlass nur für Geimpfte und Genesene, Getestete müssen draußen bleiben. So handhabt Hamburgs Gastronomie den Umgang mit Corona - in München orientiert sich lediglich das Café Kosmos daran.

Von Franz Kotteder

Seit zwei Wochen lebt Florian Schönhofer in zwei Welten, und die sind grundverschieden. Der Betreiber des Café Kosmos in der Dachauer Straße nahe des Hauptbahnhofs hat vor 14 Tagen für sein Lokal nämlich die 2G-Regel eingeführt, die sonst nur noch in Hamburg gilt: Rein darf, wer von Covid genesen ist oder gegen Corona geimpft wurde, ein Test genügt nicht.

Das geht einen Tick weiter als die 3G-Regel, die in der neuen bayerischen Infektionsschutzverordnung als Bedingung für die Bewirtung in Innenräumen aufgestellt wurde. Demnach darf auch rein, wer einen negativen Test vorweisen kann.

"Seit wir vor zwei Wochen verkündet haben, dass wir nur noch Geimpfte und Genesene ins Kosmos lassen", erzählt Florian Schönhofer, "waren wir in zwei Welten unterwegs." In der einen, der Social-Media-Welt, mussten er und seine Mitarbeiter die Kommentarfunktion in ihren Internetauftritten erst mal abschalten. "Kaum zu glauben", sagt er, "was da alles daherkam. Es gab drei Morddrohungen und ich bin verflucht worden. Es hieß, mein Karma solle mich töten." Er muss fast lachen, wenn er das erzählt - zu absurd klingt das, was einem in der virtuellen Welt so alles zugerufen wird.

Schönhofer sieht es trotzdem noch gelassen: "Das Gute ist: In der realen Welt interessiert es offenbar keinen." Denn in sein Café Kosmos kommen die Leute nach wie vor, "neun von zehn sind ohnehin schon geimpft", sagt er, "anscheinend sind Leute, die ausgehen, einfach sozialer als andere." Kann natürlich auch sein, dass Geimpfte sich sicherer fühlen, wenn sie wieder auf die Piste gehen. Vor allem seien die Gäste "viel besser drauf", findet der Kosmos-Betreiber, "ich kann das meinen Kollegen eigentlich nur empfehlen, das auch so zu halten." Und er ergänzt: "Mit Aussperren hat das nichts zu tun, da handelt es sich um Fürsorge."

Bislang hat das Café Kosmos allerdings noch keine Nachahmer gefunden. Christian Schottenhamel, Münchner Vorsitzender des Gaststättenverbands Dehoga: "Das ist derzeit noch ein Einzelfall." Ben Bauer von der Initiative "Safe Our Local Gastro", er betreibt selbst unter anderem die Bars Trisoux und Sehnsucht, sagt: "Die meisten, die ich kenne, bleiben bei 3 G. Es gibt ja auch Menschen, die auf eine Impfung derzeit noch verzichten sollten, Schwangere zum Beispiel."

2 G wäre für manche Barbetreiber aber wohl interessant, wenn damit weitere Lockerungen verbunden wären. Seit die Abstandsregel von 1,5 Metern jetzt aber generell gefallen ist, dürfte sich auch das erledigt haben.

© SZ vom 04.09.2021/lfr
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