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Corneliusbrücke:Romantische Ruine für den Kini

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An der Isar sollen Teile des früheren Denkmals für König Ludwig II. wieder aufgebaut werden.

(Foto: Corinna Guthknecht)

Auf der Corneliusbrücke bekommt ein altes Denkmal für König Ludwig II. eine neue Heimat.

Von Heiner Effern

Ein Wohnhaus nach dem anderen schießt aus dem Boden, Geschäftsgebäude genauso. Die Bauwut ist allgegenwärtig in München, die Stadt jedoch schafft es, einen ganz eigenen Akzent zu setzen. Sie baut auf der Corneliusbrücke mal was anderes, nämlich eine Ruine. Und noch dazu eine romantische. Wohnen soll darin eine Büste von König Ludwig II., der auf diesem Balkon oberhalb der Isar schon einmal eine Heimat hatte. Im Jahr 1910 enthüllte Prinzregent Luitpold eine 3,2 Meter hohe Bronzestatue des Kini in einer Rotunde. Die Nazis jedoch schmolzen die Figur ein, die Reste der Steinnische wurden 1969 abgerissen. Nun soll das Denkmal in Teilen wieder entstehen, beschloss der Bauausschuss.

Da eine Rekonstruktion des Originals wegen des hohen Gewichts auf der Brücke fünf Millionen Euro gekostet hätte, wird nun eine begrünte Ruine für ein Zehntel des Preises entstehen. Das steht schon länger fest, nun aber entschied der Bauausschuss, wie diese aussehen wird. Die historische Basis der Gedenkstätte sollen die Original-Natursteine bilden, die die Stadt im Jahr 2013 in einem Lager entdeckt hatte. Aus diesem Fund entwickelte sich die Idee, an der Corneliusbrücke das alte Denkmal wiederaufzubauen. Aus diesen Steinen sollen die Stufen und das Podest der früheren Rotunde wieder hergestellt werden.

Deren Rückwand soll bis in die Höhe der Steinbrüstung errichtet werden, rundum sollen sechs Säulen bis zu einer Höhe von 2,5 Meter in Teilen aufgestellt werden. Die Ruine soll mit viel Grün romantisch wirken, zum Beispiel sollen sich wilder Efeu und Rosen um die Steine ranken. Davor wird Rasen angesät, am Rande des Balkons sollen fünf Sitzbänke aufgestellt werden. Die Pappeln bleiben erhalten. Größere Steine aus dem Originaldenkmal sollen als weitere Sitzgelegenheiten dienen.

Vorangetrieben hat diese romantische Ruine vor allem die CSU. Der frühere Bürgermeister Josef Schmid sah in der Ludwig-Büste am Eingang zum Gärtnerplatzviertel auch eine politische Geste. Der schwule König am Eingang zum Stammviertel der Homosexuellen, das passe doch wunderbar, sagte er in den ersten Stadtratsdiskussionen. Der Rest stimmte wie auch diesmal mehr oder weniger begeistert dafür, nur die Grünen scherten aus. Im Jahr 2019 ein Denkmal für König Ludwig zu bauen, sei doch sehr "rückwärtsgewandt", erklärte Stadtrat Paul Bickelbacher. Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) konterte, dass hier kein neues Denkmal geschaffen, sondern lediglich ein zerstörtes in Teilen wieder aufgebaut werde. Die Grünen stimmten letztlich als einzige gegen die Ruine.

Entscheidend für manchen Befürworter dürften auch die überschaubaren Kosten sein. Private Königsverehrer haben eine Spende von 150 000 Euro versprochen, sie wollen zudem nach weiteren Sponsoren suchen.

© SZ vom 03.07.2019/vewo
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