Erst Mitte April ist Günes Seyfarth mit der Community Kitchen ins Fat Cat eingezogen, nicht einmal vier Monate ist das her. Und obwohl es gar nicht schlecht lief für das kleine Café im Erdgeschoss des ehemaligen Gasteig, ist an diesem Sonntag schon wieder Schluss. Dabei sagt Seyfarth selbst: „Ich bin nicht hier rein, um aufzuhören.“ Und doch tut sie nun genau das. Warum nur?
Gleich vorweg: Es hat nichts damit zu tun, dass sie als Parteilose auf der Liste der ÖDP für den Münchner Stadtrat kandidiert. Die Entscheidung, die Community Kitchen aufzugeben, stand schon fest, als man sie dafür angefragt hat. Denn schon wenige Wochen nach dem Einzug ins Fat Cat hat Seyfarth gemerkt: Sie hat nichts mehr beizutragen zum Thema Lebensmittelrettung. Gastronomin ist sie keine, wollte sie nie sein. Und bewiesen, dass ihr Konzept funktioniert, mit geretteten Lebensmitteln erfolgreich ein Café zu betreiben, das hat sie längst. Ihre Arbeit, so sieht das Seyfarth, ist getan.
Jetzt wären andere dran, aber das Café im Fat Cat übernehmen wollte niemand. Gleichzeitig haben sich mit Bekanntwerden des Aus' Menschen aus ganz Deutschland gemeldet, die etwas Ähnliches in ihrer Stadt versuchen wollen. Ihnen steht Seyfarth mit Rat und Tat zur Seite. Nur für sie selbst sei es eben nichts, dauerhaft ein Café zu betreiben.
Wobei sie schon sagen muss: Wäre da nicht die zweimonatige Kündigungsfrist gewesen, sie hätte der Entscheidung vielleicht noch ein paar Wochen mehr Zeit gegeben. Der Gedanke aufzuhören kam ihr allerdings Mitte Mai, und im August läuft es in der Gastro eher mau. Dann also lieber schon zu Ende Juli kündigen, ganz ohne großen Abschied. „Ich will das einfach noch gut über die Bühne bringen“, sagt sie. Und nein, traurig sei sie nicht. Sie gehe gerne mit dem „Flow“ und habe einfach gespürt: Es ist Zeit für sie, weiterzuziehen.
Sich mit einem großen Paukenschlag verabschieden, das ginge ohnehin gar nicht, denn während sie parallel zum Gespräch den Auszug regelt, ist sie gedanklich zumindest mit einem Bein schon zur Tür raus. Am 27. Juli ist deshalb nicht nur der letzte Tag der Community Kitchen, es findet im Impact Hub auch das zweite Event einer neuen von Seyfarth entwickelten Reihe statt. Die Grundidee: Seyfarth spricht vor Publikum mit Menschen, die gründen wollen. Wenn man so will, geht die Tochter türkischer Gastarbeiter damit zurück zu ihren Ursprüngen. Denn als studierte Betriebswirtschaftlerin hat sie vor vielen Jahren als Gründerberaterin angefangen und dabei schnell gemerkt: Die Menschen brauchen vorrangig Hilfe beim Finanzplan. Ihr Ansatz ist dabei immer, von der Vision her zu denken.
Seyfarth möchte „Deutschland zum Unternehmer- und Unternehmerinnenland machen“
Dass die Eventreihe schon Ende Juni gestartet ist, hat mit einer Dokumentation über Seyfarth zu tun, die Anfang 2026 beim TV-Sender Pro Sieben laufen wird. Der Filmemacher habe nämlich, lacht Seyfarth, den „Fehler“ gemacht, sie zu fragen, was sie für Ideen hat – und war von dieser einen dann so begeistert, dass er das gleich organisierte. Die ausstehenden Events finden wieder ohne Kamerateam statt, einmal auf Türkisch, einmal auf Deutsch. Und wenn das Konzept funktioniert, könnte es eins von Seyfarths neuen Standbeinen werden; auch denkt sie über eine Akademie für finanzielle Bildung nach. „Meine große Mission ist: Ich möchte gerne Deutschland zum Unternehmer- und Unternehmerinnenland machen“, sagt sie. Und das „Neuperland“ gibt es als Projekt auch noch. Langweilig dürfte dieser umtriebigen Frau eher nicht werden.
Und damit noch einmal zurück zur Community Kitchen. Immerhin stellt sich die Frage, was jetzt mit all den geretteten Lebensmitteln nun passieren wird. Doch Seyfarth versichert: Viele Anfragen wurden schon mit dem Einzug des „Shaere“ ins Fat Cat an das von ihr aufgebaute „Retter-Netzwerk“ weitergeleitet. Schlicht deshalb, weil sie dort gar nicht mehr die entsprechenden Lagerkapazitäten hatten. Und so soll es auch weiter laufen.
Das Ende der Community Kitchen ist damit also keineswegs gleichbedeutend mit einem Ende der Lebensmittelrettung in München. Es ist vorerst nur nicht mehr Günes Seyfarth, die sich hauptverantwortlich darum kümmert.

