Comic über Therese Giehse„Ich bin ein alleiniger Mensch“

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Die große Therese Giehse, in Gedanken versunken, auf dem Heimweg mit dem Schiff .
Die große Therese Giehse, in Gedanken versunken, auf dem Heimweg mit dem Schiff . (Foto: Barbara Yelin / Kammerspiele)

Die Münchner Comic-Künstlerin Barbara Yelin hat das Leben der Schauspiel-Legende Therese Giehse gezeichnet.

Von Jürgen Moises

Es ist vor allem ein Satz, der einem aus dem wunderbaren Comic von Barbara Yelin über die große Therese Giehse in Erinnerung bleibt: „Ich bin ein alleiniger Mensch.“ Als sie ihn das erste Mal sichtbar für uns denkt, sieht man die Schauspielerin als junge Tochter einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie in München mit einem roten Kopftuch vor ihrer Suppe sitzen. Beim zweiten Mal sieht man sie im Jahr 1937 und jetzt knapp 40 Jahre alt auf dem Deck des Schiffes, das sie nach einem amerikanischen Gastspiel zurück nach Europa bringt. Sie sitzt in einem gelben Kleid alleine auf einem Stuhl. Sie scheint in Gedanken. Und sie sieht traurig aus.

Der Grund dafür? Nun, sie hat sich in den USA mit ihrer Lebensgefährtin Erika Mann zerstritten und danach die gemeinsame Arbeits- und Liebesbeziehung beendet. Jetzt geht es alleine zurück nach Zürich, in eine ungewisse Zukunft. Das ist das eine. Da der Satz in Barbara Yelins Comic „Die Giehse. Ein Leben für das Theater 1898 - 1975“ aber gleich zweimal fällt, deutet das gleichzeitig eine grundlegende Einsamkeit an, über die die Giehse mit anderen vielleicht nie wirklich geredet hat. Zumindest nicht mit Journalisten. Denn Interviews zu geben, das hat die am 3. März 1975 in München verstorbene Schauspielerin gehasst.

Ihr 50. Todestag ist nun Anlass für einen dreitägigen Festakt, der sich vom 6. bis 8. März in den Kammerspielen, der Monacensia und im Stadtraum abspielt. Und er ist auch der Grund für den von den Kammerspielen herausgegebenen Comic von Yelin. Die  preisgekrönte Comic-Künstlerin ist für ihre eindringliche Auseinandersetzung mit historischen Biografien bekannt, wie etwa in „Irmina“, wo sie sich mit der Geschichte ihre Großmutter beschäftigt. Oder in „Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung“ über das Leben einer Holocaust-Überlebenden.

Auch im Falle der Giehse gelingt es Yelin, auf 32 Seiten Geschichte höchst lebendig werden zu lassen. Und was das für eine Geschichte ist! Das zeigt die Zeichnerin gleich in einem Intro, wo man sie zuerst begeistert beim Recherchieren und dann erschöpft unter einem Materialberg liegen sieht. Danach geht es in Schlaglichtern, in Ausschnitten und Rückblicken durch Giehses Leben. Angefangen mit ihrer Geburt als Therese Gift in München, wo sie auch ihre Schauspielausbildung und ersten Bühnenerfahrungen macht.

Von 1920 an spielt sich die Giehse durch „Wanderschmieren“ und Dörfer, 1926 geht sie zurück nach München, an die Kammerspiele. Sie lernt Erika Mann kennen, 1934 beginnt eine längere Zeit der Flucht und des Exils. Nach dem Krieg wird sie Mitglied des Berliner Ensembles von Bertolt Brecht und alles andere ist Legende. Dargestellt hat das Yelin mit fließenden, höchst lebhaften Aquarellstrichen. Mit dem oft wiederholten Satz „Therese spielt“ bringt sie sehr schön den Grundantrieb ihres Lebens ein. Was Yelin auch nicht vergisst, das ist der Humor dieser erstaunlichen Frau. Und so endet der Comic denn auch mit einer schönen, selbstironischen Pointe.

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