Bars in MünchenCocktailfestival und coole Drinks in München

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Die Münchner Barszene ist vielfältig, auch über das „Cocktail X Festival“ hinaus.
Die Münchner Barszene ist vielfältig, auch über das „Cocktail X Festival“ hinaus. Johannes Simon

In diesem Jahr nehmen 62 Münchner Bars am „Cocktail X Festival“ teil und kreieren für diese 18 Tage jeweils einen Signature Drink. Doch auch darüber hinaus lohnt ein Streifzug durch die Münchner Barszene. Ein paar Serviervorschläge.

Von Jaqueline Lang, Sarah Maderer und Astrid Becker

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62 Bars, 18 Tage, ein Ticket: Das „Cocktail X Festival“ findet in diesem Jahr vom 13. bis 30. Mai statt, jede der teilnehmenden Bars kreiert eigens dafür wieder einen sogenannten Signature Drink, den man, wenn man ein Ticket erworben hat, für erschwingliche sechs Euro pro Glas bekommt. Bei um die 34 Euro pro Ticket spart man damit etwa ab dem vierten Drink, in jedem Fall hat man beim laut Veranstaltern größten Cocktailfestival Deutschlands die einmalige Möglichkeit, sich durch die Stadt zu trinken, neue Bars kennenzulernen und alte wiederzuentdecken. Und das lohnt sich wirklich: Die Münchner Barszene ist nämlich, Festival hin oder her, unglaublich vielseitig. So sollte auch der eine oder andere Favorit der teilnehmenden Bars unbedingt probiert werden. Eine kleine Auswahl.

Heir Beverage Bar: Purple Rabbit

Der Drink: „Purple Rabbit“.
Der Drink: „Purple Rabbit“. Jacqueline Lang

Freilich kreiert Bar-Tender Johannes Seifert auf Wunsch auch jeden erdenklichen Klassiker. Er und Kollege Max Maier von der Heir Beverage Bar leben aber für Eigenkreationen, die sich als Signature Drinks nicht nur auf der Karte spannend lesen, sondern mindestens genauso spannend trinken. Hier den besten herauszusuchen ist gar kein leichtes Unterfangen. Die kundige Empfehlung von Maier bringt einen schließlich auf „Purple Rabbit“ (16 Euro) auf der Basis eines Wodkas, der aus Trauben-Trester und Weinalkohol hergestellt wurde. Die Süße verleiht dem Cocktail der Geschmack von Maracuja, die Tiefe kommt durch Kakaonibs, das leicht Erdige von lilafarbenen Karotten, die dem Drink auch die schöne Farbe verleihen, und für eine herbe Note sorgt schließlich ein Kessler Sekt. Schwer vorzustellen? Am besten einfach probieren. Und überhaupt: Ins Heir sollte man allein schon für den Service kommen, der so herzlich und unaufgeregt ist, dass man sich gleich wohlfühlt – ganz egal, ob man nun Cocktail-Nerd ist oder nicht. Auch Menschen, die keinen Alkohol trinken, können hier, ohne schief angeschaut zu werden, fancy Drinks schlürfen. Ein Schälchen Popcorn und ein Willkommensdrink tun ihr Übriges. jala

Heir Beverage House, Parkstraße 30, Dienstag bis Samstag 19–1 Uhr, heir-beverage.com

Soluna: Cape Tripiti

Der Drink: „Cape Tripiti“.
Der Drink: „Cape Tripiti“. Jacqueline Lang

Zuerst steigt der Duft von Thymian in die Nase, danach vereinen sich die Aromen von griechischem Gin, gegrillter Zitrone und Rosmarinhonig zusammen im Mund: Der „Cape Tripiti“ ist kein ganz gefälliger Drink, aber einer mit unverkennbar mediterraner Handschrift  – so wie im übrigen auch die übrigen Cocktails, die im Soluna an der Hans-Sachs-Straße im Glockenbachviertel auf der Karte stehen. Zitrusfrüchte, Kräuter, gerne auch Wermut, diese Aromen dominieren die Karte des neuen Ladens von Pardeep „Lucky“ Singh, den manche vielleicht schon aus dem nahegelegenen „A Small Café“ kennen.

Zu den Drinks im Soluna, die alle 12,50 Euro kosten und sicherlich besonders gut zu lauen Sommernächten passen, bringt der Kellner gerne auch mal frittierte Oliven als kleinen Snack oder schenkt zum Abschied ein Gläschen hausgemachten Limoncello ein; auch Änderungswünsche, etwa Gin statt Wodka, sind kein Problem. Das gute Leben, im Soluna bekommt man es in hübsch dekorierten Gläsern serviert, die nach mehr schmecken. Ein Glück, dass Anfang Juni auch endlich der Schanigarten der neuen Bar eröffnet. jala

Soluna, Hans-Sachs-Straße 10, Mittwoch und Donnerstag 17 bis 24 Uhr, Freitag 17 bis 2 Uhr, Samstag 9 bis 2 Uhr, Sonntag 9 bis 24 Uhr

Cole & Porter: Espresso Martini

Der Drink: Espresso Martini.
Der Drink: Espresso Martini. Jacqueline Lang

Ein großes Neon-Schild im Fenster liefert den ersten Hinweis, spätestens mit dem Blick in die Instagram-Bio wird es aber ein für alle Mal klar: Das „Cole & Porter“ in der Hofstatt mag zwar auch einige leckere Signature Drinks haben, es geht hier aber definitiv um den Espresso Martini (13,90 Euro), und nicht um irgendeinen, sondern den vielleicht besten der Stadt. Und auch wenn es mit Superlativen ja immer so eine Sache ist. Dieser Cocktail-Klassiker, der sich spätestens seit vergangenem Jahr wieder zunehmender Beliebtheit erfreut, schmeckt im Cole & Porter in der Altstadt tatsächlich ausgesprochen gut.

Die Schaumkrone ist so dicht und fein, dass die Kaffeebohnen, die zur Zierde dienen, nicht in ihr versinken; der Drink selbst vereint die kräftigen Röstaromen eines Espresso mit der Süße von Kaffeelikör, im Abgang schmeckt man den Wodka, der verhindert, dass der Espresso Martini allzu süß und pappig gerät. Übrigens: Es ist wichtig, dass, wie im Cole & Porter, immer drei Kaffeebohnen auf der Schaumkrone liegen. Sie stehen symbolisch für Gesundheit, Wohlstand und Glück. Dazu ein Schälchen Chips, das immer wieder aufgefüllt wird, etwas zu laut abgespielte Hits wie „Mr. Brightside“ oder „Die immer lacht“ – und ein Abend hier hat das Potenzial, unvergesslich zu werden. jala

Cole & Porter, Sendlinger Straße 10, Montag bis Mittwoch 10 bis 1 Uhr, Donnerstag 10 bis 2 Uhr, Freitag und Samstag 10 bis 4 Uhr, Sonntag 13 bis 22 Uhr

Bar Montez: Royal Affair

Der Drink: der Royal Affair.
Der Drink: der Royal Affair. Astrid Becker

Von so einer Hotelbar kann man nur träumen. Wer sie betritt, fühlt sich in eine andere Welt versetzt, in eine andere große Stadt. Nach London, Paris, wenn nicht gleich New York – wäre da nicht der Name, der einem klar suggeriert, mitten in Bayern zu sein. „Montez“ steht für Lola Montez, jene irische Tänzerin, die als Geliebte von König Ludwig I. zwischen 1846 bis 1848 einen Skandal auslöste, der den König schließlich zum Abdanken brachte. Auf diese Liaison spielt der Signature Drink an. Passenderweise trägt der Drink den Namen „Royal Affair“ – und spiegelt im Geschmack Eigenschaften wider, die man wohl auch der Montez zuschreiben könnte: unkonventionell, geheimnisvoll, bittersüß, aber in jedem Fall feurig.

Für die leicht rauchigen Noten sorgt Mezcal, eine mexikanische Spirituose aus Agavenherzen.  Hier wird der Mezcal mit Aperol, Grapefruit-Sherbet (einer cremigeren Sorbet-Variante), Limettensaft, Orangenblüten-Tee und Orangen-Bitters kombiniert und mit Sojamilch geklärt, damit sich das Getränk auch für Veganer eignet.  Anschließend wird die Mischung mit Wasser aufgefüllt und karbonisiert. Das Ergebnis schmeckt wie die frische Brise, die Lola Montez einst in das Leben des Königs gebracht haben muss.  Leidenschaft und Süße. Kurzum: Man muss „Royal Affair“ probieren. Allerdings besteht die Gefahr, dem Drink völlig zu verfallen. Wie einst der König seiner Tänzerin. abec

Bar Montez im Hotel „Rosewood Munich“, Kardinal-Faulhaber-Straße 1, täglich 18 bis 1 Uhr, freitags und samstags bis 1.30 Uhr, täglich zudem Live-Musik, rosewoodhotels.com

Jahreszeiten-Bar

Drinks für alle Jahreszeiten. Links der Heyday (Herbst), Munich Springrise hinten (Frühling), rechts der Crimson Side Car (Winter) und vorne der Atlantic Fischbone Punch (Sommer).
Drinks für alle Jahreszeiten. Links der Heyday (Herbst), Munich Springrise hinten (Frühling), rechts der Crimson Side Car (Winter) und vorne der Atlantic Fischbone Punch (Sommer). Astrid Becker

Der Name ist Programm: In der Hotelbar des „Vier Jahrezeiten Kempinski“ sind die Signature Drinks konsequent auf die vier Jahreszeiten ausgelegt. Die Karte folgt damit einer klaren Dramaturgie – vom ersten Aufblühen bis zur winterlichen Verdichtung. Entsprechend schwer fällt die Wahl – und am Ende siegt die Neugier, und man probiert sich durch gleich vier Drinks. Den Auftakt macht der Frühling: leicht, floral, verspielt. Der „Munich Springrise“ verweist klar auf Neubeginn: Noilly Prat Dry trifft auf Birnen-Holunder-Cordia, aufgegossen mit Soda und mit grünem Apfelschaum gekrönt. Das Ergebnis schmeckt frisch, duftig, nach feiner Frucht und wirkt lebendig leicht.

Es folgt der Sommer mit dem „Atlantic Fishbone Punch“, dem komplexesten Vertreter der Reihe. Weißschokoladen-infusierter Brugal Extra Viejo bringt eine weiche, cremige Tiefe. Lavendel und Kardamom steuern raffinierte Würze bei, Limette Frische und Chocate Bitters Struktur. Insgesamt wirkt das Ganze fast ein wenig kühlend, aber ausbalanciert, mit subtiler Süße und einem langen, würzigen Nachhall. Garniert wird es übrigens mit einem skelettierten Fisch (-keks), eingebacken in Eiswürfel. Der Herbst wird leiser, runder und auch mal alkoholfrei. Der „Heyday“ basiert auf einer Art Quitten-Milchpunch, der aber durch Klärung seidig, fast transparent daherkommt. Quitte bringt reife Frucht, die Milch sanfte Tiefe, der Reis-Chip als Garnitur setzt so etwas wie einen trockenen Kontrapunkt. Eine alkoholfreie Alternative, die weniger auf Effekt abzielt, sondern mehr auf Balance.

Für den Winter steht der Crimson Side Car – und wer ihn probiert, weiß warum. Martell V.S. verbindet sich mit einem intensiven Sauerkirsch-Cordial. Ein wenig Absinth setzt eine anisartige Spitze, die Garnitur, eine Zitronenzeste, bringt lebendige Frische. Insgesamt ein kräftiger Drink, der ein wenig an die Kirschpralinen dieser Jahreszeit erinnert und klar für späte Stunden konzipiert ist. Vier sehr aufwendig zubereitete Drinks, die aber allesamt überzeugen. abec

Jahreszeiten-Bar im Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski, Maximilianstraße 17, sonntags und montags 17 bis 0 Uhr, dienstags bis samstags 17 bis 1 Uhr, kempinski.com/de/hotel-vier-jahreszeiten

Robinson Kuhlmann Bar: Green Apple Bomb Drop

Der Drink: „Green Apple Bomb Drop“
Der Drink: „Green Apple Bomb Drop“ Sarah Maderer

Robinson Kuhlmann von der gleichnamigen Bar am Gärtnerplatz ist kein Fan von dem Begriff „Signature-Drink“. Was heute eine Bar gut repräsentiert, könnte schließlich morgen schon wieder out sein. Mit seinem „Green Apple Bomb Drop“ (11,50 Euro), den Kuhlmann lieber als „Favoriten des Hauses“ bezeichnet, verhält es sich ähnlich. Dieses bald 15 Jahre alte Rezept würde Kuhlmann heute so nicht mehr entwickeln. Aber den Drink von der Karte nehmen? Auf keinen Fall. Welcher Cocktail kann schließlich von sich behaupten, einmal eine eigene Facebook-Seite mit rund 600 Abonnenten gehabt zu haben? Damals haben noch nicht alle ihre Getränke in den sozialen Netzwerken gepostet und genauso wenig hat es damals jemanden gestört, dass ein Cocktail so giftgrün ist und künstlich schmeckt, als hätte man saure Gummi-Apfelringe in Alkohol aufgelöst. Tatsächlich handelt es sich um eine Mischung aus Wodka, Maracuja-Saft, Grüner-Apfel-Sirup und einem Schuss Blue Curaçao für die grelle Farbe – ein fruchtig-saures und unprätentiöses Spaßgetränk, das bei den Barwettbewerben dieser Welt zwar keine Chance hätte, aber ob seines hohen Nostalgie-Faktors als Sieger der Herzen hervorgehen würde. smad

Robinson Kuhlmann Bar, Corneliusstraße 14, Montag 17 bis 1 Uhr, Dienstag, Mittwoch und Sonntag 12 bis 1 Uhr, Donnerstag 12 bis 2 Uhr, Freitag und Samstag 12 bis 3 Uhr

The Hedgehog: JCJ

Der Drink: „JCJ“
Der Drink: „JCJ“ Sarah Maderer

Es ist etwas verfrüht, bei der Hedgehog Bar von „Signature-Drinks“ zu sprechen. Schließlich hat die neue Bar in der Müllerstraße erst seit gut einem Monat geöffnet. Welche Cocktails sich etablieren und welche nicht, wird sich noch zeigen. Originell sind die Eigenkreationen von Tobias Kösters und Christian Meffert aber schon jetzt. Der „JCJ“ (15 Euro) etwa ist eine Abwandlung des „Jamaican Carrot Juice“, der auf der Karibik-Insel traditionell mit Karottensaft, Kondensmilch, Gewürzen und je nach Vorliebe auch Rum oder Guinness zubereitet wird. Das irische Dunkelbier ersetzen Kösters und Meffert in ihrem „JCJ“ durch bayerisches und zur Milchklärung verwenden sie Kokosmilch. Beide Verfahren lassen sich am Farbverlauf des Cocktails ablesen: vom hellen, geklärten Rum-Punch aus Karotte und Kokos unten im Glas bis zur rötlichen Dunkelbierreduktion an der Oberfläche. Fast alle „Signatures“ können ohne Alkohol sowie mit einem passenden Barsnack bestellt werden. Beispielsweise wird aus dem übrig gebliebenen Karotten-Kokos-Saft des „JCJ“ eine Miso-Paste angerührt, die das Rote-Bete-Carpaccio mit Ziegenfrischkäse und Oliven-Tapenade zum perfekten Begleiter für diesen Drink macht. smad

The Hedgehog, Müllerstraße 41, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag 17 bis 1 Uhr, Freitag und Samstag 18 bis 2 Uhr.

Terra: Blue Boy

Der Drink „Blue Boy“.
Der Drink „Blue Boy“. Sarah Maderer

„Blue“ wie „blau“ und „blue“ wie „betrübt“, beide Wortbedeutungen verhalfen dem „Blue Boy“ (15 Euro) zu seinem Namen. Diese schlumpfblaue Variation eines Whiskey Sours ist nämlich vor Jahren deshalb entstanden, weil Markus Silvano Novak, Co-Betreiber der Hotelbar Terra am Isartor, einen guten Freund während einer unglücklichen Phase aufheitern wollte. Heute gehört dort der Drink zu den Klassikern auf der Barkarte. Seine charakteristische Farbe mag zunächst künstlich anmuten, kommt aber von einem natürlichen Färbemittel, der Mikroalge Spirulina. Beim ersten Schluck schmeckt dieser Bourbon-Sour vor allem fruchtig, was an seiner Schaumkrone aus Kokos, Ananas und Banane liegt. Erst im Nachgeschmack kommt der Lavendel-Sirup vom St. Michaelshof auf dem Viktualienmarkt zur Geltung, der für eine dezent blumige Note sorgt. Wie all ihre Cocktails füllt die Terra Bar den „Blue Boy“ fertig gemischt in Flaschen ab. Das habe den Vorteil, erklärt Novak, dass der Drink immer gleich schmeckt und dass seine Mitarbeitenden nicht alle große Mixologen sein müssen, um ihn zubereiten zu können. Solange sie ihn nur mit einem Lächeln servieren, hält dieser Gute-Laune-Garant, was er verspricht. smad

Terra, Baaderstraße 1, Montag bis Mittwoch 18 bis 0.30 Uhr, Donnerstag bis Samstag 18 bis 2 Uhr, Sonntag 18 bis 23 Uhr

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