„Jedes Ende wird ein Anfang sein“, singt der Teilzeit-Philosoph Peter Maffay in einem gleichnamigen Song aus dem Jahr 2021. Er meint damit vor allem den Kreislauf des Lebens, trifft aber auch ins Schwarze, wenn es um den Blitz Club geht. Der nämlich wird nach neun Jahren auf der Museumsinsel nun erst einmal einem rauschend begangenen Ende zugeführt, bevor früher oder später ein neuer Anfang an anderer Stelle stehen soll.
Das ist natürlich erst mal ziemlich schade, denn in Sachen DJ-Prominenz, musikalischem Geschmacksbewusstsein und Soundanlagenqualität hat das Blitz tatsächlich einen neuen Gold-Standard für diese Stadt gesetzt. Den finalen Beweis dafür erbringen die Betreiber David Muallem und Branimir Peco nun mit einer Sause, die noch mal alles in den Schatten stellt, was das Blitz seit seiner Eröffnung im April 2017 an Partys hervorgezaubert hat. Knappe 80 Acts und DJs – darunter sämtliche Residents, aber auch Berghain-Prominenz wie Marcel Dettmann – werden dem Club von Freitagabend, den 31. Juli, bis Montagmorgen, den 3. August, unter dem Motto That’s all folks – chapter 1 closed! einen Insel-Abschied bereiten, der es in sich hat. Auf das nächste Kapitel dieser Erfolgsgeschichte darf man sich jetzt schon freuen.
Während das Blitz also Abschied nimmt, steht an der Galopprennbahn Riem das 25-jährige Festival-Bestehen an, das am 1. August so einige Freundinnen und Freunde der Tanzmusik in Ausgehzweifel stürzen könnte. Werden die doch womöglich vor die Frage gestellt, ob man diesen 1. August besser zur Regeneration zwischen den finalen Clubnächten im Blitz nutzt – oder einfach den Tag und den frühen Abend beim Greenfields Open Air Festival (Öffnungszeit 11 bis 22 Uhr) verbringt und dann auf der Museumsinsel weitermacht. Angesichts eines Headliners wie Sven Väth, der als guter Freund des Greenfields-Mitgründers und DJs René Vaitl keine Festival-Ausgabe hinter den Decks verpasste, sowie illustren DJ-Stargästen wie der popaffinen koreanischen Überfliegerin Peggy Gou, dem Minimal-Maestro Richie Hawtin oder dem Berliner Power-Duo Pan Pot, kann man da schon mal ins Grübeln geraten.

Ungleich fluffiger verteilt sich derweil das Aufgebot des Phre Festivals, das an elf Abenden zwischen dem 31. Juli und dem 22. August im und ums Import Export mit Live-Auftritten und DJ-Sets über die Bühne geht. Benannt nach einer Wortschöpfung, die der große Jazz-Avantgardist Sun Ra einst zur Auflösung von Genre-Korsetts wie „Free Jazz“ ins Spiel brachte, bekommt man hier innovative Weltmusik jenseits aller Klischees zu hören. So zum Beispiel LaBrassBanda-Drummer Manuel da Coll, der als Captain Yossarian mit der eigens zusammengestellten Formation „The Giesing 60“ Kompositionen des Afrobeat-Pioniers Fela Kuti mit der Tiefe des jamaikanischen Dub zusammenführt (6. August); das Münchner Trio Carl Gari, das seine psychedelische Atmosphären-Electronica auch mal mit dem Gesang eines Sufi-Sängers wie dem Ägypter Abdullah Miniawy verbindet und nun sein neues selbstbetiteltes Album vorstellt (15. August); und natürlich auch zahlreiche internationale Gäste wie etwa die franco-kolumbianische Band Pixvae, die afro-kolumbianische Rhythmen und Noise-Rock zu einer überwältigenden Live-Erfahrung verschmilzt (7. August, Programm unter https://import-export.cc).
Und damit noch zu einer Zusammenarbeit, die wie eine Fusion der verbleibenden Münchner Club-Instanzen wirkt. Steht doch mit Rote Sonne x Bahnwärter Thiel am 29. August ab 12 Uhr so etwas wie das Club-Adäquat zu einem groß angelegten Schüleraustausch an. Anders gesagt: Für einen Tag und eine Nacht tauschen die beiden Clubs sämtliche ihrer Resident-DJs und bespielen dabei sowohl drinnen als auch draußen sämtliche ihrer zur Verfügung stehenden Tanzflächen. Angesichts von feinen Events wie diesem bleibt also nur zu konstatieren: Im Hinblick auf die Münchner Club-Zukunft braucht einem gewiss nicht bang zu werden.

