Was läuft in den Münchner ClubsDreckige Grooves bringen die Haferlschuh’ zum Dampfen

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Der Mann für den knüppelharten Techno-Sound: Chris Liebing.
Der Mann für den knüppelharten Techno-Sound: Chris Liebing. (Foto: Bergfors)

Zum Wiesnstart kann man sich im Palais bis in den Vormittag hinein die Seele aus dem Leib tanzen oder sich von Chris Liebing im Blitz den Restalkohol aus dem Leib donnern lassen. Etwas entspannter geht es zu bei Super Flu im Pacha oder bei Oliver Koletzki im Bahnwärter Thiel.

Von Martin Pfnür

Ausgehen in München zur Wiesnzeit, das ist seit jeher Ausgehen unter besonderen Bedingungen. Während mancherorts sämtliche Menschen in Lederhosen und Dirndl konsequent abgewiesen werden, bleibt die Kleiderwahl andernorts eher eine Ermessenfrage der Türsteher. Deren Landhausmodenaffinität ist im Fall des Palais nicht final geklärt, doch angesichts der zentralen Lage des Afterhour-Clubs am Hauptbahnhof kann man es ja mal im traditionellen Gewand versuchen.

Von 21 Uhr bis 10 Uhr morgens stehen dort am 20. September unter dem Motto „We Play“ drei DJs bereit, die auch allen noch geh- und tanzfähigen Festzeltbesuchern ordentlich Beine auf der Tanzfläche machen dürften. Den Anfang macht die junge Wahlmünchnerin K.arpenter, die als DJ vor allem ein Faible für die dunkleren und schnörkellosen Seiten des Techno pflegt, während ihr Berliner Kollege Martin Ka im Anschluss eines seiner hypnotischen Melodic-Techno- und Indie-Dance-Sets zum Besten gibt. Zur Frühschicht für die Nimmersatten tritt schließlich George Bleicher an, der als Gastgeber der Reihe für rohe und dreckige Grooves steht, die sämtliche Haferlschuhe im Club zum Dampfen bringen dürften.

Wer es noch mal eine Ecke heftiger braucht, der geht an diesem Abend am besten in den Blitz Club. Legt dort doch am 20. September mit Chris Liebing einer auf, der als Miterfinder der knüppelharten Techno-Spielart „Schranz“ berüchtigt für eine besonders raue Gangart ist. So mag der Hesse als Produzent zwar längst auch Zugang zu den subtileren Seiten der elektronischen Musik gefunden haben – als DJ ist er bis heute ein Beats-per-Minute-Biest, von dem man sich prima den Restalkohol aus dem verschwitzten Leib donnern lassen kann.

Ungleich geschmeidiger lässt es da schon das DJ-Duo Super Flu aus Halle an der Saale angehen. Mit ihrer melodieseligen Fusion von Techno, Tech-House und EDM bekamen Feliks Thielemann und Mathias Schwarz als DJs, Produzenten und versierte Remixer sogar einen durchgenudelten Hit wie Chers „Believe“ in einen Tech-House-Diamanten von geschliffener Eleganz verwandelt, während sie sich auf ihren Alben stets durch einen wunderbar verspielten Ansatz voller Samples und feiner perkussiver Details auszeichnen. Und als DJs sind die beiden ohnehin eine Bank, wie sie nun auch bei ihrem Set am 26. September im Pacha unter Beweis stellen werden.

Bleibt mit dem Braunschweiger DJ, Produzenten und Label-Gründer („Stil vor Talent“) Oliver Koletzki noch einer, der spätestens seit seinem funky Club-Hit „Der Mückenschwarm“ auf Sven Väths Label „Cocoon Records“ zu den, nun ja, umschwärmtesten Playern der elektronischen Musik zählt. So ist auch sein jüngstes anderthalbstündiges Album „Trip to Sanity“ („Reise zur Vernunft“) ein vielschichtiges Lehrstück in Sachen Funkyness samt einer guten Prise Pop-Appeal und retromanischen Ausflügen ins Disco- und Reggae-Fach. Am 27. September wird dieser immer noch enorm fleißige Alleskönner für ein Set in den Bahnwärter Thiel kommen. Ob sich dieses dann als Reise zur Vernunft oder doch eher als Reise zur feierwütigen Unvernunft gestaltet, bleibt  freilich jedem selbst überlassen.

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