Man muss ja nicht gleich von kolumbianischen Festwochen in München sprechen, doch interessant ist es durchaus: Während sich mit Luis Díaz gerade ein kolumbianischer Neuzugang beim FC Bayern anschickt, seine sehr üppige Ablösesumme wieder einzuspielen, kommt nach der großartigen DJ Ruiz Osc1 aus Bogotá nun am 29. August mit Verraco aus Medellín bereits der zweite kolumbianische Act innerhalb kürzester Zeit ins Blitz.
Dass auch Verraco für gehobene Qualität steht, lässt sich dabei allein schon daran ablesen, dass er seit dem Erscheinen seiner EP „Basic Maneuvers“ beim Londoner Edellabel „XL Recordings“ (unter anderem Radiohead oder Adele) zuhause ist. Drei Tracks finden sich darauf, und alle bringen sie mit ihrer bassmassierten Electronica eine hochinnovative Form des Latin-Futurismus zum Leuchten, die so noch kein Mensch gehört hat.
Gar nicht so leicht also, sich zu entscheiden, ob man an diesem 29. August mit Verraco auf dem Dancefloor Richtung Zukunft aufbricht, oder doch lieber mit Moonbootica im Pacha. Deren vor Pop-Appeal nur so strotzendes letztes Album „Future“ mag zwar bereits vor sieben Jahren erschienen sein – als DJ-Gespann sind Moonbootica jedoch nach wie vor eine Macht. Seit einem guten Vierteljahrhundert kreiert das Hamburger Duo zwischen Techno, House und Electro einen Signature Sound, mit dem es im Stile einer gut geölten Maschine nun bestimmt auch das Pacha in ein Tollhaus verwandelt.
Ein Austauschprogramm der besonderen Art steht tags darauf am 30. August wiederum im Bahnwärter Thiel an. Vereinen dort doch unter dem Aufhänger Rote Sonne x Bahnwärter Thiel zwei Münchner Clubs ihre Resident-DJ-Kräfte, deren Augenmerk weniger auf DJ-Prominenz als vielmehr auf der Förderung der lokalen Szene liegt. Drinnen wie draußen werden zwischen 14 Uhr und 6 Uhr morgens ganze 27 DJs das weitläufige Areal des Bahnwärters bespielen – und damit auch demonstrieren, dass der Techno-Standort München weiterhin ein wunderbar pulsierender ist.
Womit wir bei einer Musik angelangt wären, deren goldene Ära zwar schon ein paar Jahrzehnte zurückliegt. Doch nicht zuletzt als Ursprung der Genese Richtung Disco und House gehört der Soul immer noch zur Quintessenz der schwarzen Musik. Wie ungemein tanzbar er mitunter sein kann, wird jetzt auch bei einem Format deutlich werden, das gerne öfter als einmal jährlich stattfinden darf. So werden beim Munich Got Soul Weekender am 5. und 6. September im Orangehouse, respektive in der Kranhalle des Feierwerks, Spezialisten auf die Plattenteller legen, bei denen gewiss nicht nur Soul-Aficionados warm ums Herz werden dürfte: die beiden Residents Leo Ernst und Sven Bonecke im Verbund mit DJs wie dem Italiener Soulful Jules oder dem Niederländer Jan Harris
Für durchtanzte Nächte stehen indes die XXL-Sets des immer noch möhrchenhaft guten DJ Karotte, der als langjähriger Resident-DJ des 2023 geschlossenen Harry Klein mittlerweile im Pacha eine neue Münchner Heimat gefunden hat. Am 12. September wird der 56-jährige Saarländer dort erneut beweisen, dass er noch immer zu den Großmeistern des eleganten Spannungsbogens zählt.
Bleibt mit dem israelischen Duo Red Axes aus Tel Aviv noch ein Gespann, dessen Eklektizismus seit Jahren zum Spannendsten zählt, was der Techno-Zirkus hergibt. Toben sich diese beiden supertalentierten Freaks auch gerne mal auf geschmackssichere Weise in weltmusikalischer Hinsicht aus, so entfesseln sie mit ihren staunenswert bunten Sets irgendwo zwischen Acid-House, Minimal-Techno, Disco und Electro eine beglückend psychedelische Energie. Einmal im Leben sollte man sich diese durch sich hindurchfahren lassen. Am 19. September besteht im Blitz Club Gelegenheit dazu.

