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Mitgliedschaft im P1:1099 Euro für den Schnöselladen

P1 eröffnet Dependance in Kitzbühel

Im P1 können die ganz wichtigen Gäste nun "Member" werden.

(Foto: dpa)

Das P1 tut gerade alles, um seinem Ruf gerecht zu werden - mit einer "Membership Card" für einen kleinen Obolus.

Kolumne von Franz Kotteder

Das Schöne sind die Konstanten im Leben. Und dass sich selbst in diesen unruhigen Zeiten jeder so gut blamiert, wie er kann. In der Münchner Gastronomie denkt man da komischerweise sofort an das P 1, unter Eingeweihten auch salopp das "Oanser" genannt oder auch "das Stüberl". Recht viel münchnerischer kann eine Disko kaum sein - jedenfalls, wenn man die Vorurteile im Rest der Republik als Maßstab nimmt.

Und nun gibt sich das P 1 wieder redlich Mühe, seinem Ruf als gnadenloser Schnöselladen gerecht zu werden. Um mit den Corona-Beschränkungen zurechtzukommen, bietet das Oanser jetzt eine exklusive Mitgliedschaft an: Für läppische 1099 Euro kann man "Member of P 1" werden. Dann genießt man "exklusive Vorteile", darf am Eingang "die Fast Lane mit einer Begleitperson deiner Wahl" benutzen, und dann der Clou: "Die Karte wird im einzigartigen Etui verschickt und ist aus gebürstetem Edelstahl."

Edelstahl! Gebürstet auch noch! Nicht zuletzt tut man damit was Gutes und hilft dem darbenden P 1 durch die düsteren Corona-Zeiten. Denn wahrscheinlich musste die Geschäftsführung feststellen, dass man anders nicht durch die Flaute kommt. Selbst dann nicht, wenn man den Preis fürs Nulldreiunddreißiger-Pils auf 33 Euro erhöhen würde. Womöglich wäre das nicht einmal im Oanser drin.

Andere haben es schwerer. So etwa das Café Haidhausen beim Rosenheimer Platz. Wirt Petros Kontos ist gerade am Verzweifeln. Er sagt, sein Vermieter, der internationale Braukonzern AB-InBev, antworte seit Monaten nicht auf seinen Wunsch, über die Minderung oder wenigstens Stundung der Miete zu reden. Und obwohl es deshalb langsam ans Eingemachte geht, hat er jetzt eine Aktion für Künstler gestartet. Musiker, Maler, Schauspieler und Angehörige anderer künstlerischer Berufe, die momentan gar nichts verdienen, erhalten im Café Haidhausen einen Rabatt von 25 Prozent. Und brauchen dafür noch nicht mal eine Member Card!

Diese noble Geste eines Wirts, dem momentan selbst das Wasser bis zum Hals steht, findet gerade großen Widerhall in den sozialen Netzwerken. Apropos Künstler: Das P 1 befindet sich bekanntlich im Haus der Kunst und hat mit dem Freistaat Bayern einen Vermieter, der womöglich entgegenkommender ist als ein internationaler Braukonzern.

© SZ vom 12.06.2020
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