München Wann sich der neue City-Pass lohnt

Ein Preis, viele Sehenswürdigkeiten: Das ist die Idee hinter dem City Pass. Viele Attraktionen machen mit, etwa (von links oben im Uhrzeigersinn) das Nymphenburger Schloss, die FC-Bayern-Erlebniswelt, eine Hop-on-Hop-off-Buslinie und Sea Life. Aber für wen lohnt sich das überhaupt?

(Foto: Robert Haas)

Nur wer mit viel Ausdauer von Attraktion zu Attraktion eilt, wird einen Nutzen von dem neuen Touristen-Angebot haben.

Von Thomas Anlauf

Kreuz und quer durch München fahren und ein Museum nach dem anderen besuchen, ohne dauernd aufs Neue Eintritt zahlen und MVV-Tickets zu lösen zu müssen - das verspricht der neue City Pass, der von diesem Montag an erhältlich ist. "Sparen Sie Zeit und Geld mit freier Fahrt in den Bahnen und Bussen des MVV und freiem Eintritt in die teilnehmenden Sehenswürdigkeiten Münchens", wirbt das Hamburger Unternehmen Turbopass, welches das neue Touristen-Angebot in Kooperation mit Stadt und dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds MVV anbietet. Doch wann lohnt sich das Flatrate-Ticket überhaupt?

Die Kosten

Der City Pass kostet für einen Tag im Innenraum 39,90 Euro für einen Erwachsenen, für den Gesamtraum 46,90 Euro. Damit können Inhaber nicht nur S-, U- und Trambahnen sowie Busse nutzen, sondern auch ohne weitere Kosten bis zu 45 Museen und Schlösser besuchen sowie Stadttouren und weitere Attraktionen in und um München buchen. Eine normale Tageskarte im MVV-Innenraum kostet 6,70 Euro und 13 Euro für das Gesamtnetz. Eintrittspreise sind da natürlich noch nicht drin. Damit sich ein City Pass lohnt, müsste man Angebote, die in dem Pass enthalten sind, im Wert von 32,20 Euro (Innenraum) beziehungsweise 33,90 Euro (Gesamtnetz) nutzen.

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Ein Tag Single-Urlaub

Manfred Muster aus Memmingen macht mit der Bahn einen Tagesausflug nach München, um sich ein paar der vielen Museen der Landeshauptstadt anzusehen. Er kauft einen City Pass (Innenraum) für 39,90 Euro und startet seine Tour vom Hauptbahnhof ins Kunstareal in der Maxvorstadt. Dort besucht er die Alte und die Neue Pinakothek, die sonst jeweils sieben Euro Eintritt kosten. Herr Mustermann zahlt nichts extra, lediglich sein City Pass wird an der Kasse gescannt, damit die Museen später die Eintrittskosten von der Firma Turbopass erhalten. Später fährt der Memminger noch zum Schloss Nymphenburg und ins dortige Museum Mensch und Natur. Dort zahlt er ebenfalls nichts extra zu seiner Gästekarte - ohne City Pass wären für den Besuch des Schlosses sechs Euro fällig, für das Museum Mensch und Natur 3,50 Euro. Hätte Herr Mustermann eine MVV-Tageskarte für den Innenraum gekauft und die Eintrittskarten separat erworben, würde er auf 23,50 Euro Eintritt und 6,70 Euro Fahrtkosten kommen. Er hätte somit insgesamt 9,70 Euro gespart gegenüber dem City Pass.

Drei Tage zu zweit

Karin und Klaus König aus Köln besuchen zum ersten Mal München. Deshalb buchen sie zwei City Pässe für drei Tage. Diese kosten pro Person 79,90 Euro. Das Paar startet erst einmal am Hauptbahnhof zur kleinen Sightseeing-Tour "Hop-On-Hop-Off", die normalerweise 17 Euro pro Person kostet. Die beiden Kölner steigen im Kunstareal aus, besichtigen die Alte Pinakothek (normalerweise Eintritt pro Nase sieben Euro) und die Pinakothek der Moderne (zehn Euro) und fahren dann mit dem Sightseeing-Bus weiter zum Eisbach, wo sie sich erst die Surfer (immer umsonst) und dann die Kostbarkeiten im Bayerischen Nationalmuseum anschauen (Eintritt sieben Euro). Am nächsten Tag geht es erst einmal nach Norden in den Olympiapark: Die Königs fahren mit dem Lift auf den Olympiaturm, was normalerweise sieben Euro pro Person kostet. Anschließend steht ein Besuch im Sea Life (ein Onlineticket kostet 13,50 Euro) und in der FC Bayern Erlebniswelt (zwölf Euro) auf dem Programm. Am dritten Tag macht das Paar noch eine geführte Rathaustour mit, die normalerweise zehn Euro pro Karte kostet, und im Anschluss schauen sie noch im Valentin Karlstadt Musäum vorbei (je 2,99 Euro), bevor sie wieder nach Hause fahren. Fazit: Ehepaar König zahlt für drei Tage 159,80 Euro für zwei City Pässe. Hätte es alles einzeln bezahlt, entstünde folgende Rechnung: Ein Dreitagesticket im Innenraum für zwei bis fünf Personen kostet 29,60 Euro, dazu kämen die Eintrittspreise, insgesamt wären das 172,98 Euro. Mit dem City Pass sparen Königs also 13,18 Euro in drei Tagen.

Fünf Tage als Familie

Familie Fürst aus Freiburg besteht aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 15 Jahren. Sie erkunden fünf Tage lang München und das Umland per City Pass. Das macht 129,90 Euro pro Erwachsenen und 39,90 je Kind, also insgesamt 339,60 Euro. Damit können sie das gesamte MVV-Netz nutzen und auch Attraktionen wie eine Führung in der Bavaria Filmstadt, einen Besuch in der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums und Schloss Lustheim besuchen. Auch ein Ausflug an den Starnberger oder den Ammersee ist damit natürlich möglich. Doch sparen wird die Familie mit den neuen Gästekarten kaum. Wenn die Eltern zwei Wochenkarten für das Gesamtnetz kaufen, zahlen sie zusammen 126,20 Euro und können ihre Kinder wochentags von 9 Uhr an, am Wochenende rund um die Uhr kostenlos mitnehmen. Sie müssten an fünf Tagen Sehenswürdigkeiten zu Eintrittspreisen von mehr als 200 Euro abklappern, damit sich die Pässe lohnen - sehr ambitioniert.

Ein City Pass lohnt sich also nur, wer viele und ansonsten relativ teure Angebote nutzt. Wer am Wochenende München besucht, kann die Museumsbesuche auf den Sonntag legen, dann kostet der Eintritt in vielen Kunsthäusern ohnehin nur ein Euro pro Person. Kleines Bonbon: Mit dem City Pass muss man sich nicht in der regulären Schlange beim Deutschen Museum anstellen, es gibt dort künftig eine "Fast lane" für diese Kunden.

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