Shows für Familien zur WeihnachtszeitMit welchen Kunststücken Zirkus und Magier verzaubern

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Die Ultra Jumpers mit ihren Sprungstafetten auf dem doppelten Schleuderbrett waren im vergangenen Winter in Rosenheim der große Publikumsliebling. Jetzt präsentiert der Circus Krone die Truppe aus der Mongolei auch dem Münchner Publikum.
Die Ultra Jumpers mit ihren Sprungstafetten auf dem doppelten Schleuderbrett waren im vergangenen Winter in Rosenheim der große Publikumsliebling. Jetzt präsentiert der Circus Krone die Truppe aus der Mongolei auch dem Münchner Publikum. Circus Krone

Martin Lacey vom Circus Krone spricht über die „Trilogie der Weihnachtscircusse“ und verrät, was die Münchner bei der Premiere der Winterspielzeit im Krone-Bau erwartet.  Magier Alexander Krist erzählt, mit welchen Illusionen er in der Philharmonie überrascht.

Von Barbara Hordych

Weihnachten ist Zirkus-Zeit: Das weiß niemand besser als Martin Lacey, der Co-Direktor vom Circus Krone. Nach den Premieren in Würzburg und Rosenheim macht der Start in Ingolstadt an diesem Freitag die Trilogie der Krone-Weihnachtscircusse komplett. Ist ihm da überhaupt noch klar, an welchem Ort er gerade steht? „Glücklicherweise ja, momentan vor dem Eingang unseres Zelts in Ingolstadt“, ruft Lacey fröhlich ins Telefon.

Zudem steckt er mitten in den finalen Vorbereitungen für München, wo am 25.Dezember der Höhepunkt, die Premiere der Winterspielzeit im Krone-Stammhaus, bevorsteht. Zirkusdirektorin Jana Mandana Lacey-Krone und ihr Mann Martin werden nicht nur bei der Eröffnung, sondern während der gesamten Winterspielzeit in der Manege auftreten. Jana Mandana mit Pferden und Kamelen, Martin Lacey mit seinen Raubkatzen.

Aller Kritik zum Trotz, die ein Teil der Öffentlichkeit seit Jahren an Tiernummern übt. In der vergangenen Winterspielzeit gab bereits ihr Sohn Alexis sein Debüt im Raubtierkäfig. Er wird im Februar 18 Jahre alt. Die Eltern sagen, es erfülle sie mit Stolz und Freude, dass der Sohn in ihre Fußstapfen tritt - aber auch mit Sorge. „Wir wissen einfach, dass es auch gefährlich ist“, erklärt Lacey, nachdem er im Aufbau-Getümmel einen ruhigen Platz gefunden hat.

Doch Alexis mache seine Sache super, sagt der Vater. Sein Sohn wolle die Arbeit mit den Löwen unbedingt fortführen. „Allein im Käfig lasse ich ihn nicht“, beteuert der Vater. Doch er ziehe sich etwas mehr in den Hintergrund zurück. Es gebe ohnehin genug zu tun, mit 600 Mitarbeitern, allein die Techniker und die Musiker, die Artisten gar nicht eingerechnet, sagt Lacey.

Drei Weihnachtscircusse betreibt Krone nun in bayerischen Städten. Aber nur in München tritt Martin Lacey mit seiner Raubtiernummer auf.
Drei Weihnachtscircusse betreibt Krone nun in bayerischen Städten. Aber nur in München tritt Martin Lacey mit seiner Raubtiernummer auf. Circus Krone/König Photographie

Parallel arbeite Sohn Alexis auch mit den Pferden und Kamelen seiner Mutter, an deren Vorführungen er sich in der Winterspielzeit ebenfalls beteiligt. Die Liebe zu den Pferden habe auch bereits der fünfjährige Charles, der mittlere Sohn des Direktorenpaars, für sich entdeckt. „Er sitzt schon auf dem Pferd“, sagt der Vater stolz. „Das ist das Tolle im Circus, bei uns Zirkusfamilien lernen die Kinder vieles ganz selbstverständlich und sind früh mit den Abläufen vertraut“.

Ihr erster Auftritt: Jana Mandana im Alter von drei Jahren in der Manege des Circus Krone.
Ihr erster Auftritt: Jana Mandana im Alter von drei Jahren in der Manege des Circus Krone. Circus Krone
Direktorin Jana Mandana Lacey-Krone im vergangenen Dezember bei der Premiere der Winterspielzeit im Circus Krone-Bau.
Direktorin Jana Mandana Lacey-Krone im vergangenen Dezember bei der Premiere der Winterspielzeit im Circus Krone-Bau. Robert Haas

Seine Frau Jana sei drei Jahre alt gewesen, als sie sich das erste Mal auf einem kleinen Pferd in der Manege zeigte. „Davon existiert noch ein Foto, das war damals unter der Regie von Christel Sembach-Krone, der besten Freundin von Janas Mutter“, erzählt ihr Mann. Auch er selbst ist von klein auf mit Raubtieren vertraut. Seine Eltern führten in England Darbietungen mit Tigern und Löwen vor.

Worauf kann sich das Münchner Publikum in dieser Wintersaison mit 45 Artisten und Künstlerinnen aus 15 Nationen besonders freuen? Schwierig, da etwas besonders hervorzuheben, meint Lacey, schließlich haben seine Frau und er alle Nummern nur deshalb engagiert, weil ihre Weltklasse sie überzeugt habe. Und benennt dann doch einige Favoriten. Die Trapeznummer der Flying Royals mit ihren kreuz und quer verlaufenden Flugtrapezen sei fantastisch, sagt Lacey.

Der Clown Fumagalli indes sei ein alter Bekannter, den die Münchner besonders liebten, „diesen Klassiker wollten wir neben den jungen Clowns unbedingt erhalten“, sagt Lacey. Die Ultra Jumpers mit ihren Sprungstafetten auf dem doppelten Schleuderbrett waren im vergangenen Jahr beim Rosenheimer Weihnachtscircus der große Publikumsliebling, überlegt Lacey weiter. „Diese tolle Truppe aus der Mongolei sollen jetzt unbedingt auch die Münchner kennenlernen“.

Melaie Chy hat ihre Harley Sportster so umbauen lassen, dass sie einen Handstand auf dem Lenker machen kann.
Melaie Chy hat ihre Harley Sportster so umbauen lassen, dass sie einen Handstand auf dem Lenker machen kann. Circus Krone

Eine Ausnahmeartistin sei auch die Rocker-Künstlerin Melanie Chy, die ihre Handstandkünste auf einer Harley-Davidson präsentiert. Waghalsig und elegant nutzt sie ihre schwere Maschine als Turngerät. Wobei dieses bühnentaugliche Modell, konstruiert in Las Vegas, selbstverständlich wie jede andere Harley auf der Straße fahren kann.

Ich, Du, Wir, Krone, Winterspielzeit im Circus Krone, 25. Dezember bis 12. April 2026, Circus Krone-Bau, Termine unter www.circus-krone.com

Magie in der Philharmonie

Ein wenig Menschenfängerei gehört zwar immer dazu, wenn es um Magie geht. Aber dass der Zauberer Alexander Krist im wortwörtlichen Sinn seine Gäste würde einfangen müssen, damit hatte er nicht gerechnet, als er das Debüt seiner Show „Magie & Illusionen – Worlds Greatest Magic 3.0“ in der Philharmonie zeigte.

Seine Bühne ließ Alexander Krist in die Philharmonie hineinbauen. Spielen kann er vor 199 Gästen, 2.200 Sitze bleiben leer.
Seine Bühne ließ Alexander Krist in die Philharmonie hineinbauen. Spielen kann er vor 199 Gästen, 2.200 Sitze bleiben leer. Alexander Krist

„Da irrten dann immer mal wieder unsere Gäste im ehemaligen Gasteig herum, weil sie durch den Haupteingang zum Fat Cat statt durch den Künstlereingang in der Kellerstraße kamen“, sagt Krist.Mittlerweile ist der Zugang aber deutlich ausgeschildert, auch der Pförtner in der Loge weist freundlich den verschlungenen Weg, den früher die Orchestermusiker zu ihrem Arbeitsplatz nahmen: Vom Hintereingang in der Kellerstraße geht es eineinhalb Etagen in die Höhe, bis man sich am Ende eines fensterlosen Gangs plötzlich auf dem zur Bar umgewandelten Podium in der Philharmonie wiederfindet. Tritt man von dort hinunter in den Saal, sieht man sich 2200 leeren Sitzen gegenüber – selbst wenn die Vorstellung ausverkauft ist.

Denn Krist bespielt nur elf Reihen, die halben Blöcke B und C im unteren Bereich, das ergibt maximal 199 Zuschauer und Zuschauerinnen. „Meine letzte Reihe entspricht der ersten Reihe bei David Copperfield“, sagt Krist bei einem Gespräch am Tag nach dem Showbesuch. Trotz dieser Nähe fühle sich für ihn der Anblick der leeren Stühle „leicht merkwürdig“ an, gerade im Vergleich mit den stets gut gefüllten Reihen in seinem kleinen Table Magic Theater.

Aber bevor es weiter um seinen Neustart in der alten Philharmonie geht, muss er erst einmal erzählen, was ihn gerade besonders bewegt: die Ausstrahlung seines Auftritts in Las Vegas bei der in der Zauberbranche berühmten Fernsehshow „Fool Us“. „Ich habe die Gastgeber Penn und Teller, die sonst fast immer eine Idee haben, wie etwas funktionieren könnte, überlistet“, sagt Krist und lacht. Dokumentiert ist das in einem Youtube-Video der Fernsehaufzeichnung. „You fool us, Alexander!“, ruft Penn mit sich vor Überraschung überschlagender Stimme aus, Teller überreicht ihm am Ende die Trophäe.

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Ähnlich groß war die Verblüffung der Zuschauer am Abend zuvor in der Philharmonie. Erst klärte sie Krist scheinbar über die Funktionsweise seiner Kunststücke auf – nur um dann diesen Durchblick mit einer unerwarteten Wendung als trügerisch zu entlarven und die Illusion mit einer weiteren Steigerung abzuschließen.

Auch wenn der Saal groß ist, die extra hineingebaute Bühne ist es nicht. Deshalb verzichtet Krist in seiner neu konzipierten Show auf den silbern glitzernden DeLorean DMC-12, Leinwand-Held in dem Kinohit „Zurück in die Zukunft“, der in seiner früheren Zweit-Spielstätte, dem  Kristelli-Theater, wie aus dem Nichts erschien. „Aber immerhin ist genug Platz, um einen Helikopter landen zu lassen, das ist sozusagen die Hightech-Variante des Elefanten, den man früher gerne mal auf der Bühne platzierte“.

An lang vergangene Zeiten knüpft er mit einem komplett neuen Kunststück an. „Ich erinnere an den Entfesselungskünstler Houdini, dem es gelang, sich unter Wasser aus einer Kiste oder aus einem mit Wasser gefüllten Glastank auf der Bühne zu befreien“, erzählt Krist in der Philharmonie. Spätestens mit seiner „Overboard Box Escape“ (Unterwasser-Kisten-Entfesselung) 1912 wurde Houdini legendär: Gefesselt und in eine Kiste gesperrt, wurde er in New York in den East River geworfen und befreite sich in weniger als einer Minute vor zehntausenden Zuschauern. Krists Variante kommt ohne Wasser aus, stattdessen befreit er sich vor den Augen des Publikums aus einem Tresor, der zusätzlich mit Ketten gesichert ist.

Als Assistentin kann man bei Alexander Krist schon einmal seinen Kopf verlieren: Hier eine Szene aus der Show „Magie und Illusionen 3.0“.
Als Assistentin kann man bei Alexander Krist schon einmal seinen Kopf verlieren: Hier eine Szene aus der Show „Magie und Illusionen 3.0“. Alexander Krist

Neu ist auch eine Illusionssequenz, in der er zunächst seine drei Assistentinnen, schließlich sich selbst verschwinden lässt. Nur um dann völlig unerwartet in einem „Bällebad“ in einem Aquarium wieder aufzutauchen. „Ein hoch komplizierter und sehr aufwendiger Trick, an dem mein Entwicklerteam bestimmt knapp vier Jahre gearbeitet hat“, erzählt Krist am Folgetag.

Während der (Vor-)Weihnachtszeit hat er zusätzlich eine spezielle Show für Familien im Programm, auf 70 Minuten komprimiert und ohne Pause. „Im Grunde ist das die Abendshow, nur ohne mentalmagische Kunststücke wie die Lottokugel-Voraussage“. Bis Ende Januar läuft sein Vertrag für die Zwischennutzung, denkbar wäre noch eine Verlängerung bis Juni, dann aber ist endgültig auch mit dieser Interims-Spielstätte Schluss. Denn in der Philharmonie steht die Klais-Orgel, die von Juli an ausgebaut wird. Und dann? „Träume ich weiter davon, eine Halle zu finden, die ich für meinen Bedarf umbauen kann“, sagt Krist. Die Freiheizhalle wäre da toll. Aber offen ist er auch für andere Standorte. Hauptsache, der DeLorean oder ein Hubschrauber haben Platz.

Magie & Illusionen – Worlds Greatest Magic 3.0, Abendshow Mittwoch bis Samstag, 20 Uhr, sowie Zauberhaft, Familienshow, ab 6 Jahre, Philharmonie im Fat Cat, Termine unter krist-live.de

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