Nach Corona-Zwangspause:Christopher Street Day kehrt zurück auf Münchens Straßen

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Nach Corona-Zwangspause: Ein Bild aus Zeiten vor Corona und vor dem Krieg in der Ukraine: Der CSD 2019 in München.

Ein Bild aus Zeiten vor Corona und vor dem Krieg in der Ukraine: Der CSD 2019 in München.

(Foto: Catherina Hess)

Unter dem Motto "Less me, more we" finden die "Pride"-Wochen nach zwei Jahren wieder in aller Pracht statt. Der Höhepunkt ist die Parade. Sie wird erstmals von Menschen aus der Ukraine angeführt. Doch auch zuvor steht schon einiges an.

Von Thomas Anlauf

Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause kehrt der Christopher Street Day (CSD) nun wieder auf die Münchner Straßen zurück. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) ist regelrecht euphorisch: "Ich freue mich, dass wir zwei Wochen lang den Regenbogen zum Strahlen bringen", sagte sie am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum diesjährigen CSD. "Less me, more we" - passender könne das diesjährige Motto der Parade und der beiden anstehenden "Pride"-Wochen kaum sein. "Nach dieser langen Phase der Vereinzelung, dem Rückzug in digitale Räume, ist jetzt unser aller Sehnsucht nach Gemeinschaft groß", so Habenschaden in ihrem Grußwort. Gerade in dieser Zeit sei Solidarität mit den Angegriffenen, den Ausgegrenzten und den Schwachen wichtig.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sendet als Schirmherr des CSD München ebenfalls ein unmissverständliches Zeichen: "Endlich können wir alle wieder in großer Runde und gemeinsam Zeichen setzen für Vielfalt, Gleichberechtigung, Respekt und eine bunte Gesellschaft." Noch immer seien Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LGBTIQ) Anfeindungen ausgesetzt und überdurchschnittlich stark von Hassdelikten, Hetze und Gewalt betroffen.

Angesichts des Terroranschlags in Oslo auf Menschen, die ein queeres Lokal besuchten, und die Angriffe auf CSD-Teilnehmer in Augsburg ist die Angst groß, dass auch in München etwas passieren könnte. Man sei im engen Austausch mit dem Polizeipräsidium, bislang gebe es aber noch keine Hinweise auf eine Gefährdung, sagen die Veranstalter des CSD München. Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste), der auch politischer Sprecher des CSD ist, betont jedoch: "Angriffe gegen die Freiheit, queer zu leben und zu lieben, treffen uns alle als Community."

Zum ersten Mal wird die "Pride-Week" gleich zwei Wochen stattfinden

In diesem Jahr soll der CSD in München besonders sichtbar sein. Zum ersten Mal wird die sogenannte Pride-Week gleich zwei Wochen stattfinden: Von 2. bis 17. Juli lädt die Münchner Community zu Sportveranstaltungen, politischen Diskussionen, Kunst und Workshops ein. Höhepunkt ist natürlich die Polit-Parade am Samstag, 16. Juli. Nach dem ökumenischen Gottesdienst, der um zehn Uhr in der Paulskirche nahe der Theresienwiese stattfindet, geht es um zwölf Uhr erstmals am Mariahilfplatz in der Au mit der Parade los, sie führt dann auf einer neuen Strecke durch die Innenstadt. Die etwa 140 teilnehmenden Organisationen fahren mit Wagen oder laufen zu Fuß über die Reichenbachbrücke über den Gärtnerplatz bis zum Alten Rathaus am Marienplatz.

Die Parade wird erstmals von Menschen aus der Ukraine angeführt: Geflüchtete, aber auch Gäste von Kyiv Pride, der Gay Alliance Ukraine und dem Odesa Pride. Auf der Bühne am Marienplatz gedenken die Menschen der Kriegsopfer. München pflegt seit zehn Jahren eine enge Partnerschaft mit der LGBTIQ-Gemeinde in der Partnerstadt Kiew und auch mit anderen ukrainischen Städten.

Premiere hat in diesem Jahr auch der "Trans* Inter* Badetag" im Müller'schen Volksbad. Am Mittwoch, 6. Juli, ist dort von 17 bis 23 Uhr die Kleine Schwimmhalle reserviert. Das "queere Schwimmen" soll künftig einmal im Monat im Volksbad stattfinden und wird gemeinsam mit dem Netzwerk Tinqnet und den Münchner Bädern der Stadtwerke München (SWM) organisiert. Mit dem Angebot sollen Menschen mit einer trans-inter-nicht-binären oder genderqueeren Identität ohne Angst vor sexistischen oder homophoben Angriffen baden können.

Offiziell startet das Festival am Samstag, 2. Juli, um zehn Uhr mit der Extra Pride "Nothing about us without us" im Import-Export an der Schwere-Reiter-Straße 2h. Ein Höhepunkt dürfte auch die Fahrrad-Demo "Dyke* March Munich" am Samstag von 15.30 Uhr an mit Treffpunkt auf der Theresienwiese sein. Am Sonntag, 3. Juli, geht es um 17 Uhr weiter mit dem Regenbogenkonzert im Alten Rathaus unter der Schirmherrschaft von OB Reiter. Für ihn ist der CSD und die Pride Week "ein buntes Aushängeschild für ein tolerantes und weltoffenes München". Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.csdmuenchen.de.

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Lang und bunt wie nie zuvor: Der Christopher Street Day erstreckt sich zum ersten Mal über zwei Wochen. Höhepunkte sind die Parade und das große Straßenfest am Samstag.

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