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Christkindlmärkte in München:Budenzauber und heiße Bischöfe

Ob traditionell, märchenhaft oder ausgeflippt: In München findet jeder einen Weihnachtsmarkt, der ihm gefällt. Hier trinkt die Redaktion ihren Glühwein am liebsten.

Von SZ-Autoren

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Weihnachtsmarkt am Weißenburger Platz

Quelle: Frank Leonhardt/dpa

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Haidhauser Weihnachtsmarkt

Der Weißenburger Platz möchte gerne der schönste Platz Münchens sein, aber selbst stolze Bewohner des Franzosenviertels müssen zugeben, dass er das einfach nicht ist. Ihm fehlt das Leben des Gärtnerplatzes, der Prunk des Max-Joseph-Platzes oder die Großzügigkeit des Bordeauxplatzes. Vor Weihnachten passiert hier nun jedes Jahr ein kleines Wunder. Dann verliert der Platz sein schönstes Element, den Brunnen, nur um zum vielleicht besten Weihnachtsmarkt der Stadt zu werden.

Das liegt nicht daran, dass der Glühwein oder das Essen hier besonders lecker schmecken. Hier dudelt die gleiche Musik wie überall aus den Boxen und die Krimskramsbuden verkaufen den gleichen Holzschnitzkerzenaromaschnickschnack wie auf den meisten anderen Märkten. Wenn die Holzhäuschen aber adrett in zwei Kreisen um den Brunnen angeordnet sich mit den Menschen aus dem Viertel füllen, dann entsteht hier auf dem Weißenburger Platz eine so wunderbar entspannte Atmosphäre, dass sie selbst Weihnachtsliederhasser und Glühweinverächter schwach werden lässt. Manch Haidhauser fragt sich dann: Warum kommen wir hier eigentlich immer nur zum Weihnachtsmarkt her? Wolfgang Jaschensky

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Quelle: Stephan Rumpf

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Christkindlmarkt in der Residenz

Viele bleiben draußen stehen und rubbeln an der goldenen Schnauze der Residenzlöwen. Im Winter ist das auf jeden Fall ein Fehler: Im Innenhof der Residenz, fast abgeschottet vom Trubel der Innenstadt, verbirgt sich einer der schönsten Christkindlmärkte Münchens. Das liegt am Eierpunsch, den Crèpes, und an den kleinen Holzbüdchen, genau so viele, dass man sie eine Tasse Glühwein lang gemütlich abschlendern kann. Aber richtig weihnachtlich macht den Markt erst der Elch. Fast könnte man ihn übersehen, in seinem kleinen Häuschen am hinteren Ende des Hofes, von Tannenzweigen verdeckt. Mit ruhiger Stimme plaudert er vor sich hin, begrüßt die Besucher im Märchenwald, bewegt den Kopf und schlägt die Augen nieder. Alles auf Bairisch. Carolin Gasteiger

Schwabinger Weihnachtsmarkt an der Münchner Freiheit, Schwabing

Quelle: Florian Peljak

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Schwabinger Weihnachtsmarkt an der Münchner Freiheit

Jeden Tag sitzt der Monaco Franze auf seinem Stammplatz an der Münchner Freiheit und schaut mit verklärtem Blick den Passanten hinterher. Doch vor Weihnachten ist dem Stenz die Sicht verbaut. Eingequetscht zwischen Bratwurstbuden und Ständen mit "Heißem Bischof" (fruchtiger Punsch) muss die Monaco-Franze-Statue die Adventszeit verbringen, umringt vom Treiben auf dem Schwabinger Weihnachtsmarkt.

Der Monaco Franze hat allerdings Glück im Unglück, denn langweilig wird es auf dem Christkindlmarkt nicht. Abends treten Musiker auf einer Bühne in der Mitte des Platzes auf und in den Buden gibt es keine 0815-Weihnachtsgeschenke wie auf den anderen Märkten der Stadt. Hier verkaufen Münchner Maler, Bildhauer, Designer und Töpfer ihre Werke. Ab und an kommt ein glühweintrunkener Besucher beim Monaco Franze vorbei und setzt sich auf seinen Schoß. Oder es erbarmt sich einer, wenn die Nacht besonders kalt ist, und bindet dem Stenz einen Schal um den Hals. Lisa Sonnabend

Weihnachtsmarkt Pink Christmas in München, 2017

Quelle: Stefanie Preuin

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Pink Christmas am Stephansplatz

Wer den typischen Weihnachtsmarkt fad und nervig findet, ist am Pink Christmas Markt am Stephansplatz richtig. Auf dem kleinen Platz neben dem Alten Südlichen Friedhof bringt sich traditionell Münchens schwul-lesbische Community in Weihnachtsstimmung. Doch den Besucher erwarten nicht nur schrille Christbaumkugeln und quietschbunte Kerzen, hier wird der Gast auch großartig unterhalten. Abends gibt es statt Weihnachtsliedern Travestieshows mit Comedy und Gesang. Die Darbietungen sind derart witzig, dass sich hier gerne auch mal der eine oder andere Staatsminister blicken lässt. Und wer die Shows verpasst, hält sich einfach an heißem Caipirinha fest und mischt sich unter das illustre Völkchen. Langeweile gibt es woanders. Beate Wild

Märchenbazar München

Quelle: Fabian Christ

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Märchenbazar

"Wie das Tollwood in seinen Anfängen", das sagten viele, als der Märchenbazar vor vier Jahren erstmals seinen Zeltvorhang öffnete. Alternativ und heimelig, Zirkuszelte und ein vollgesprayter Zeltwaggon im Viehhof, dazu ein paar Lichterketten und Essensstände. Mittlerweile ist der Märchenbazar umgezogen in das Kreativquartier am Leonrodplatz, hat dabei aber nichts von seinem Charme verloren. Hier lässt sich viel Zeit verbringen, nach Falafel und Feuerzangenbowle etwa an den Ständen kleiner, nachhaltiger Labels im Zelt stöbern oder einem Singer-Songwriter zuhören. Im Märchenzelt gibt es auch einen kleinen Tauschladen, in dem nicht mehr Benötigtes abgegeben und eingetauscht wird, es gibt Gedichte aus der Schreibmaschine, Nähkurse und eine Märchenerzählerin, die durchs Zelt zieht. Kinder können nachmittags basteln und Kerzenziehen, täglich um 17 Uhr gibt es eine Märchenstunde für sie. Laura Kaufmann

Gans am Wasser - Winterzauber Weihnachtsmarkt - München

Quelle: Gans am Wasser

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Gans am Wasser

Der Wintermarkt des Bauwagencafés Gans am Wasser ist ein Geschwisterkind des Märchenbazars und verzaubert mit einer ähnlich alternativen Atmosphäre. Allerdings nicht in urbaner Umgebung, sondern gefühlt im Grünen - nämlich im Westpark, direkt am Mollsee, auf dem sich die Lichter spiegeln. "Winterzauber" heißt der kleine Markt, der jeweils an den Wochenenden aufgebaut wird. An den Ständen gibt es Kunsthandwerk und Crepes, Bio-Glühwein und Tee wärmen von innen, Feuerschalen von außen. Auch für Kinder gibt es Programm. Laura Kaufmann

Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt in München, 2017

Quelle: Catherina Hess

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Mittelalter-Weihnachtsmarkt am Wittelsbacherplatz

Einen Rekord hält der Mittelalter-Weihnachtsmarkt auf dem Wittelsbacherplatz mit ziemlicher Sicherheit: den für das teuerste Becherpfand. Aber erstens gibt es das ja ohnehin zurück und zweitens gibt es wenig Stimmungsvolleres, als sich bei Minustemperaturen an einem warmen Tonbecher zu wärmen. Deshalb Konzentration auf das Wesentliche: Der Glühwein schmeckt, könnte allerdings etwas heißer sein. Unbedingt probieren sollten Besucher Met und Feuerzangenbowle, Spanferkel und die Kellerspieße, die mit verschiedenen Fleischsorten angeboten werden. Wer seine Rüstungssammlung komplettieren will, wird ebenso fündig wie Fans von finnischen Jagdmessern. Schade allerdings: Bereits um 21 Uhr schließt das Adventsspektakel. Tobias Dorfer

Weihnachtsmarkt am Chinesischen Turm in München

Quelle: Claus Schunk

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Christkindlmarkt am Chinesischen Turm

Am Abend, wenn die Dunkelheit den Englischen Garten verschluckt hat, findet man zwischen den erleuchteten Buden viel weihnachtliche Gemütlichkeit. Der Christkindlmarkt am Chinesischen Turm könnte im Prinzip genauso irgendwo mitten in einem tiefen Wald liegen. Vor allem, wenn der Schnee unter den Stiefeln knirscht, kommt man sich vor wie im Winterwunderland. Man meint gar nicht, dass hier im Sommer reger Biergartenbetrieb herrscht, die Leopoldstraße gar nicht weit entfernt ist und man sich bequem mit dem Stadtbus bis kurz vor die Kaiserschmarrn-Bude fahren lassen kann. Geschiebe und Gedränge gibt es anders als auf vielen anderen Weihnachtsmärkten unterm Chinesischen Turm meistens nicht. Zum Glühwein spielt die Blaskapelle im Turm Weihnachtsmusik. Kinder können sich im Geschichtenstall von einer Lese-Oma etwas vorlesen lassen. Und wer sich sportlich betätigen will, probiert sich im Eisstockschießen aus. Ana Maria Michel

Feuerzangenbowle am Isartor in München, 2012

Quelle: Stephan Rumpf

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Feuerzangenbowle am Isartor

Versteckt im Isartor liegt die Münchner Feuerzangenbowle. Der Ort lässt auch dann ruhige, heimelige Stimmung aufkommen, wenn in den Straßen der Altstadt die vorweihnachtliche Einkaufshölle ausgebrochen ist. Die Mauern sind gelblich-orange angestrahlt, über dem riesigen Kessel in der Mitte lodert ein Feuer, und schnell muss man zusammenrücken, denn der Platz im Isartor ist begrenzt. In dem Kessel befinden sich 9000 Liter Feuerzangenbowle, ein heißer Punsch aus Rotwein, Rum und Zucker. Doch nicht allein ums Trinken geht es den Betreibern der Feuerzangenbowle. Parallel zum Christkindlmarkt findet im Durchgang eine Ausstellung statt. "Da bin I dahoam - da kim I her" beschäftigt sich mit dem Thema Migration und der Frage nach Herkunft und Heimat. Isabel Bernstein

Alte Utting Winter

Quelle: Robert Haas

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Sternenflotte an der Alten Utting

Wer zum ersten Mal ums Eck in die Lagerhausstraße biegt, wird sich vermutlich verwundert die Augen reiben: Da steht ein Schiff auf einer Eisenbahnbrücke. Zur Adventszeit wird der Liegeplatz der Alten Utting, so heißt der ehemalige Ausflugsdampfer, zum Weihnachtsmarkt. Um das Schiff herum gibt es kleine Buden mit Essen, heißen Getränken und weihnachtlichem Krimskrams. Am Abend spielen verschiedene Bands im "Weihnachtshafen über Sendling". Martin Moser

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Quelle: BK Media Solutions

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Nachtkindlmarkt in der Brienner Straße

Fürs junge Partyvolk ist es natürlich tragisch, dass so ein Christkindlmarkt so kurz nach dem Aufstehen schon wieder zumacht. Deshalb haben die Betreiber der Bar Lucky Who in der Brienner Straße 14 in ihrem Innenhof den "Nachtkindlmarkt" erfunden. Der hat dienstags bis samstags von 17 Uhr an geöffnet, die Party findet mit offenem Ende statt. Zu trinken gibt es unter anderem Rosé-Glühwein. Franz Kotteder

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Quelle: Stephan Rumpf

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Blutenburger Weihnacht

Wer diesen besinnlichen Weihnachtsmarkt besuchen will, sollte sich die Zeit vom 5. bis zum 8. Dezember im Kalender markieren. Die Blutenburger Weihnacht findet nur um das zweite Adventswochenende statt. Wegen seiner prachtvollen, herrschaftlichen Kulisse inmitten des Schlosshofes lohnt sich der Abstecher nach Obermenzing auch für Münchner, die nicht in der näheren Umgebung wohnen. Dort finden sie kleine, kunsthandwerkliche Verkaufsstände mit Kupferstichen und Ohrringen, Holzspielzeug und Schneekugeln; und natürlich fehlen Glühwein und Feuerzangenbowle nicht. Die Mauern der Blutenburg sind bunt angeleuchtet. Es tönt kein Gedudel aus der Konserve über den Hof, zwischen den musikalischen Live-Darbietungen ist es einfach still, damit sich die Besucher auf ihre Mitmenschen konzentrieren können. Idyllisch und familiär. Laura Kaufmann

© SZ.de/wib/tba/imei/amm/mmo/kast

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