Die leuchtend orangefarbene Latzhose steht Münchens Alt-OB Christian Ude (SPD) hervorragend. Dann noch die Jacke, einen farblich abgestimmten Besen, Handschuhe, und fertig ist der Straßenkehrer. Null Grad hat es draußen, die Stadt ist leise und noch etwas schlaftrunken. „Puh, ganz schön kalt“, sagt Ude und schultert seinen Besen.
Ude hat eine Wette verloren, deswegen steht er am Sonntag mit seinem Team um acht Uhr morgens am Sendlinger-Tor-Platz. Bis zum 1. Oktober wollte er 100 000 Unterschriften gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft sammeln und damit auch auf seinen neu gegründeten Verein „Nicht mit uns“ aufmerksam machen. Der Verein hat sich dem Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass verschrieben. Sein Freund und Entertainer Ron Williams glaubte nicht daran, dass genügend zusammenkommen. Er sollte recht behalten. 50 000 Unterschriften wurden es. Nun muss der Alt-OB seine Wettschulden einlösen und gemeinnützige Arbeit leisten: als prominenter Straßenkehrer.

So früh stehe er normalerweise am Sonntag nicht auf, sagt Ude. „Aber ausgemacht ist ausgemacht!“ Innerhalb von 48 Stunden war die Sache mit dem Straßenreinigungsbetrieb klar und Berufskleidung besorgt, erzählt der Co-Vorsitzende des Vereins, Tobias Irl. Eine kurze Einweisung der echten Müllmänner, die in zwei Teams schon seit sechs Uhr früh die Innenstadt sauber machen und sich von den Neulingen äußerlich nur dadurch unterscheiden, dass ihre Besen abgenutzt sind.
Glasscherben, Plastiktüten, Blätter und, zum Ärger von Ude, unzählige Zigarettenstummel liegen auf dem Boden. Das Team muss alles schön zur Seite fegen, damit die Straßenkehrmaschine an der Sonnenstraße den Müll einsammeln kann. Ude ist fasziniert von diesen Maschinen. „Toll, wie die arbeiten, und wie sauber nachher alles ist!“ Die bräuchten ihn ja gar nicht, sagt Ude, schmunzelt und fegt weiter.
Ron Williams kehrt übrigens auch mit. Müsste er als Wettgewinner ja nicht. „Aber nur grinsend zuschauen? Das will ich nicht“, sagt der Sänger. Und treibt die Gruppe an. „Los! Da vorn liegt noch was!“.

