Marienplatz:Aus dem Münchner Christbaum werden Parkbänke

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Marienplatz: Strahlend stand er da, der Münchner Christbaum.

Strahlend stand er da, der Münchner Christbaum.

(Foto: imago images)

Es dürfte der Wunsch jedes Weihnachtsbaums sein, eine zweite Karriere als Maibaum antreten zu dürfen. Doch nicht allen Tannen ist dieses Glück vergönnt.

Glosse von Andreas Schubert

Es gab in München immer wieder Jahre, in denen der Christbaum am Marienplatz den Glühweinumsatz enorm ankurbelte, weil sein Anblick nur mit einem gewissen Promillewert erträglich war. Immerhin profitierten davon die Gemeinden, die den Baum gespendet hatten und dafür ebenfalls Glühwein verkaufen durften. Es drängte sich manchmal gar der Verdacht auf, dass sie mit voller Absicht eine windschiefe Scheußlichkeit ausgesucht hatten, um ihre Kassen daheim aufzufüllen.

Die sibirische Weißtanne vom jüngsten Christkindlmarkt hingegen war zwar keine Riesin unter den Weihnachtsbäumen, aber ganz ansehnlich. Und man bescheinigte ihr schon eine zweite Karriere als Maibaum, so wie es viele ihrer Vorgängerinnen geschafft hatten und wie es der Traum vieler Tannenbäume und Fichten ist. Schön weiß-blau angemalt von angetrunkenen Burschenvereinsburschen und Maderl umtanzt zu werden, hat auf jeden Fall mehr Glamour als in einer Kompostieranlage zu verfaulen.

Letzteres Schicksal ereilt die meisten Münchner Christbäume, die dieser Tage in traurigen Haufen an den städtischen Sammelstellen vor sich hin dümpeln. Wenigstens hatten sie ein paar festliche Tage, anders als die vielen unverkauften Bio-Bäume, die in den Mägen der Hellabrunner Elefanten gelandet und als Dung geendet sind. Ein wahrlich bescheidenes Ende.

Den großen Bäumen von den Weihnachtsmärkten ergeht es anders. Die Straubinger Rotfichte etwa bekommt als Kletterbaum kuschelige Gefährten im Bärengehege des dortigen Zoos. Die Augsburger Tanne vom Rathausplatz wird für den Fasching zum Narrenbaum umfunktioniert und steht noch fast bis Ende Februar im Mittelpunkt launiger Umtriebe. Ob sie nicht doch lieber von einem Dickhäuter verdaut worden wäre, dazu wurde sie nicht befragt.

Und die Münchner Tanne, die diesmal aus der Gemeinde Hohenpeißenberg stammte? Die wird, trotz schönen Wuchses, kein Maibaum. Denn die Spender holen sich ihr Holz zurück, um daraus Parkbänke für den eigenen Landkreis Weilheim-Schongau zu machen, die Münchner Berufsfeuerwehr schneidet den Leih-Baum sogar noch extra zu. Um sein Los dürften ihn andere Bäume beneiden. Denn er wird fortan öfter mal einen sitzen haben - und das ganz umsonst.

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