Sie gilt als eine der wichtigsten Choreografinnen der Freien Tanzszene, wird gern als „Architektin des Raums“ bezeichnet. Die Münchnerin Anna Konjetzky selbst beschreibt sich auf ihrem Instagram-Account knapp als „choreographer. artist. researcher. feminist. queer“. Klarheit, Neugierde, Haltung, das sind Eigenschaften, die Konjetzky auszeichnen und die seit annähernd 20 Jahren jedes ihrer Stücke zum Ereignis machen. Jetzt steht sie vor der Uraufführung ihrer neuesten Arbeit „Sound on!“, ein Stück, dass sich zwischen Tanz und Konzert bewegt. Wild wird es werden, rebellisch wie sie selbst. Es ist an zwei Abenden im Theater HochX zu sehen. Doch Anna Konjetzky hat in ihrer Premierenwoche noch einiges mehr vor.
Montag: Schmökern bei „Glitch“

Ich beginne die Woche mit einem Gang in den tollen feministischen Buchladen Glitch an der Barer Straße, um Premierengeschenke zu kaufen. Die haben eine richtig gute Auswahl, vielleicht lasse ich mich einfach inspirieren, oder ich verschenke Sara Ahmed „Feminist Killjoy Handbook“ oder „Living a Feminist Life“. Bücher, die ich schon vielen Freundinnen und Freunden geschenkt habe, weil ich sie so toll finde. Und vielleicht bestelle ich für mich dann schon mal ihr neues Buch, das im September erscheinen wird: „No Is Not a Lonlely Utterance – The Art and Activism of Complaining“.
Dienstag: Im Premieren-Fieber

Heute ist unsere Premiere von „Sound On!“, meiner neuen Arbeit – ein Stück zwischen Tanz und Konzert für alle ab 13 Jahren. Mit Körper, Live-Kamera, Beats und Stimme gehen die drei Tänzerinnen und Tänzer und eine Sängerin auf die Suche nach Vorbildern, bilden Gemeinschaften, wollen gesehen und gehört werden und erlauben es sich, anders zu sein. Ein Rap feministischer Stimmen, den wir uns freuen würden, mit allen zu teilen. Es geht diesmal schon um 19 Uhr los. Im Anschluss daran ist ein Abendessen also noch entspannt möglich, oder wir gehen zusammen mit den Gästen noch was trinken im Theaterfoyer, denn wir würden gerne gemeinsam über unsere Arbeit ins Gespräch kommen.
Mittwoch: Bäume in der Pinakothek der Moderne

Zur Entspannung vor unserer zweiten Aufführung am Abend gehe ich am Nachmittag in die Pinakothek der Moderne in die tolle Ausstellung „Trees, Time, Architecture“, die sich allein wegen der Modelle zum Thema „Bauen mit lebenden Bäumen“ lohnt. Es gibt unglaubliche Fotografien dort zu sehen, zum Beispiel von einer „lebenden Wurzelbrücke“ in Indien. Die Ausstellung ist sehr schön arrangiert und voll gepackt mit Gedanken, etwa wie lebende Bäume in die Architektur einbezogen werden können, was nicht nur wunderschön ist, sondern vor allem unserer Erde und den zubetonierten Städten guttun würde. Und vielleicht hole ich mir aus dem Museumsshop noch das kleine, aber feine Buch „Gärten, Landschaft und das Genie der Natur“ von Gilles Clément.
Donnerstag: In der Kletterwand

Ich hoffe, es heute endlich zur Riesigen Rosi in Ramersdorf zu schaffen: Eine Unterführung, die als Boulderwand mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ausgebaut wurde, und die kostenfrei für alle zugänglich ist. Gebaut und gestaltet wurde dieser Boulderort vom Kraxlkollektiv (was für ein toller Name), die schon andere freie Boulder-Gelegenheiten in München geschaffen haben. Bouldern ist für mich super – nicht nur, weil es mir irre Spaß macht – es zentriert mich auch immer total. Und am Abend findet dann das Konzert mit den tollen Brüdern Hermanos Gutiérrez im HP 8 statt. Ich höre ihre Musik viel, sie schafft in mir extrem viel Raum, Ruhe und Weichheit, und lässt mich immer von weiten kargen Landschaften träumen - also ein passender Abschluss zu einem Boulder-Tag.
Freitag: Kae Tempest live

Ich fahre mit dem Zug nach Bruges in Belgien. Da kann ich nicht nur meine Familie besuchen, sondern auch Kae Tempest auf dem Kaktus-Festival hören. Oder ich fahre nach Aulnoye-Aymeries in Frankreich, wo bei den „Nuits Secretes“ am selben Abend Zaho de Sagazan auftritt. Beide habe ich bereits in Konzerten in der Muffathalle gehört, und beide würde ich gerne immer und immer wieder live hören. Und sollte mir die Anfahrt doch etwas weit sein, dann kann ich mich immer noch zu Hause mit der Musik der beiden trösten. Das neue Album von Kae ist, glaube ich, nicht nur musikalisch toll, sondern auch optisch.
Samstag: Flohmarkt in Daglfing

Am Samstag nehmen mich meine Partnerinnen mit auf den Flohmarkt in Daglfing, da war ich nämlich noch nie. Meine Familie amüsiert sich immer, weil ich auf jedem Flohmarkt kleine Lampen kaufen könnte. Irgendwie lachen die mich immer an. Ich mag reines Deckenlicht in Räumen nicht. Ich bekomme das so ein komisches Raumgefühl, das drückt oder bedrückt. Mit mehreren Lichtquellen ist das gleich ganz anders. Auch Kleidung kaufe ich fast nur noch Second Hand. Die Erde ist voll mit bereits produzierten Klamotten, da gibt es genug Auswahl.
Sonntag: Straßenfotografie aus Mali

Museumstag. Im Fünf Kontinente gibt es die Ausstellung „Merci Maman – Streetfotografie aus Mali“. Ich habe große Lust, nach Mali zu reisen, weil ich extrem gerne Musik aus Mali höre. Ali Farka Touré hat unglaublich tolle Musik gemacht, aber auch Rokia Traoré, Bourbacar Traoré oder Salif Keita. Vielleicht nehme ich also einfach meine Kopfhörer mit und streife durch die Ausstellung mit diesen tollen Sounds auf den Ohren.
Es ist ein Jubiläumsjahr für die Münchnerin Anna Konjetzky. Seit 2005 kreiert sie Tanzstücke, die national und international an Theatern und auf Festivals zu sehen sind, etwa bei Spielart, Dance, beim Co-Festival Ljubljana, Bipod Festival Beirut oder dem NAPA Festival in Karachi. Konjetzky, Jahrgang 1980, choreografiert für etablierte Companien und sie lehrt an Universitäten weltweit, unter anderem am Mozarteum Salzburg oder an der Universidad Nacional Autónoma de México. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, 2006 erhielt sie das Tanzstipendium der Berliner Senatsverwaltung für Germaine Acogny/Senegal. Bei der euro-scene Leipzig 2009 gewann „Elephantengedächtnis“ den 1. Preis für „Das beste deutsche Tanzsolo“. 2014 erhielt sie den Förderpreis Tanz der Landeshauptstadt München. Ihr Stück „Running“ wurde 2018 für den Deutschen Theaterpreis „Faust“ nominiert. 2019 gründet sie den „Playground“, ein Raum für künstlerische Recherche und Dialog in München.

