Jüdische Feiertage:Das Leuchten der Erinnerung

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Jüdische Feiertage: Die Chanukkia, hier vor der Synagoge am St.-Jakobs-Platz, ist ein acht- oder neunarmiger Leuchter, dessen Lichter zum Chanukkafest erstrahlen.

Die Chanukkia, hier vor der Synagoge am St.-Jakobs-Platz, ist ein acht- oder neunarmiger Leuchter, dessen Lichter zum Chanukkafest erstrahlen.

(Foto: Stephan Rumpf)

An Chanukka erinnern sich Juden in München an die Wiedereinweihung des Zweiten Tempels von Jerusalem vor mehr als zweitausend Jahren.

Von Linus Freymark

Das Ereignis, an das sich die Juden dieser Tage erinnern, liegt Jahrtausende zurück: Im Jahr 164 vor Christus - nach jüdischer Zeitrechnung um das Jahr 3597 - siegten die Juden Judäas über die Griechen, die unter ihrem Herrscher Antiochos repressive Maßnahmen gegen die Juden erlassen hatten und unter anderem den Zweiten Tempel von Jerusalem entweiht hatten. Durch den Makkabäeraufstand eroberten die Juden den Tempel zurück und weihten ihn erneut.

Im Inneren des Tempels befand sich laut den Überlieferungen ein Leuchter, dessen Lichter erloschen waren, aber nach jüdischem Glauben stets brennen mussten. Aufgrund der Kämpfe befand sich jedoch nur noch ein Ölkrug, dessen Brennkraft maximal für einen Tag reichen würde, im gesamten Tempel. Die Herstellung von neuem, geweihtem Öl würde allerdings acht Tage dauern. Dennoch entzündeten die Juden das Licht - und auf wundersame Weise hielt der Ölkrug tatsächlich acht Tage lang, bis das neue Öl fertiggestellt war.

Wegen dieser Erzählung bezeichnet man Chanukka auch als jüdisches Lichterfest. Denn während der achttägigen Feierlichkeiten entzünden die Gläubigen jeden Tag ein Licht an einem achtarmigen Leuchter, dem Chanukkia, und erinnern so an die Ereignisse im Zweiten Tempel von Jerusalem. In manchen Fällen ist der Leuchter auch neunarmig, wobei das neunte Licht zum Entzünden der anderen dient. Unter zwei Rabbinern gab es vor langer Zeit eine Diskussion darüber, in welcher Reihenfolge man die Kerzen anzündet - sollte man alle acht schon am ersten Tag entzünden oder doch jeden Tag eine? "Inzwischen hat sich die zweite Variante durchgesetzt", erklärt Rabbiner Steven Langnas von der Israelitischen Kultusgemeinde München. Dazu werden an Chanukka in Öl gebackene Speisen serviert, zum Beispiel Krapfen oder Kartoffelpuffer. "Auch damit erinnern wir uns an das Öl von damals", sagt Langnas. "Aber natürlich darf man nebenbei auch andere Sachen essen."

Anders als andere jüdische Feiertage wie etwa Jom Kippur ist Chanukka, dessen Beginn im jüdischen Kalender auf den 25. Tag des Monats Kislev fällt und somit nach christlicher Zeitrechnung in diesem Jahr auf den 28. November, kein Fest, während dem für die Gläubigen ein Arbeitsverbot herrscht. So können auch während der Festtage Besorgungen erledigt oder das Abendessen zubereitet werden. Gefeiert wird vor allem abends. In diesem Jahr ist wegen Corona vieles anders, in den Gemeinden finden kaum Veranstaltungen statt. "Zu Hause kann man zum Glück noch feiern", sagt Langnas. "Aber natürlich im deutlich kleineren Kreis."

Früher bekamen die Kinder Geld - heute gibt es in der westlichen Welt Geschenke

Neben der sozialen Komponente, dem Zusammensein in der Gemeinde und der Familie, geht es bei Chanukka wie bei allen jüdischen Feiertagen auch um den Dialog mit Gott. Und: "Chanukka ist ein Fest der Dankbarkeit", erklärt Langnas. "Man erinnert sich daran, dass jüdische Kultur seit mehreren Jahrtausenden Kontinuität besitzt, und ist dankbar dafür." Die religiöse Freiheit sei damals - 164 vor Christus - durch die Besatzer bedroht gewesen. Durch den Sieg gegen die Griechen habe man sie sich zurück erkämpft. "Das Licht durchdringt die Dunkelheit", sagt Langnas über die Geschehnisse von damals.

Auch die Kinder werden an Chanukka bedacht. Früher bekamen die meisten von ihnen Geld als Anreiz dafür, die Thora, die jüdische Glaubensschrift, zu lernen, oder es für wohltätige Zwecke zu spenden. Weil das jüdische Fest in der westlichen Welt jedoch meistens mehr oder weniger mit Weihnachten zusammenfällt, hat sich dieser Brauch inzwischen ein wenig verändert. "Jetzt bekommen die meisten Kinder hier Geschenke", erzählt Langnas. Und das dürfte ja Anreiz genug sein, damit sich auch die Kleinsten mit dem auseinandersetzen, was im Jahre 164 vor Christus in Jerusalem geschah.

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