Architektur in München:Ein Stapel-Turm für den Candidplatz

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Architektur in München: Ungewöhnliche Planungsidee: Das geschichtete Turm-Ensemble firmiert unter dem Namen "Candid-Tor".

Ungewöhnliche Planungsidee: Das geschichtete Turm-Ensemble firmiert unter dem Namen "Candid-Tor".

(Foto: MVRDV)

Nach Plänen eines niederländischen Architekturbüros soll in Untergiesing ein spektakuläres neues Hochhaus entstehen. Noch aber steht die Zustimmung der Stadtgestaltungskommission für das "Candid-Tor" aus.

Von Alfred Dürr

Von der grauen Maus zur strahlenden Architektur-Ikone: Am Candidplatz in Untergiesing, der bislang hauptsächlich durch die Hochbrücke des Mittleren Rings mit seiner grün-gelben Lärmschutzwand und durch die dunkel gefärbten Fassaden niedriger Gewerbebauten geprägt ist, soll ein spektakulärer Komplex entstehen. Geplant sind auf dem Grundstück, das vom Candidplatz, der Candidstraße und dem Ring begrenzt wird, sich 64 Meter nach oben türmende und versetzt angeordnete Blöcke. Sie sollen zu einem lokalen Identifikationspunkt werden und an einem bislang wenig attraktiven Ort ein besonderes Zeichen setzen.

Wie eine Insel liegt das Grundstück im Umfeld der viel befahrenen Straßen. Anfang der Achtzigerjahre entstand dort ein Ärzte- und Bürozentrum von neun miteinander verbundenen Häusern. Diese werden nicht vollständig verschwinden. Sechs von ihnen bleiben Bestandteil des neuen Konzepts. Für sie ist eine umfangreiche Sanierung und die Integration in die Freiraum-Gestaltung vorgesehen. Die drei Gebäude in Richtung Candidplatz weichen allerdings dem künftigen Hochhaus.

Das Ensemble bildet künftig einen lebendigen öffentlichen Raum, so lautet der Anspruch. Vorgesehen sind attraktive Flächen, auf denen man sich aufhalten kann, mit ruhigen und grünen Innenhöfen. Die bisherige Funktion als Ärzte- und Bürokomplex bleibt erhalten. Weitere Angebote wie Supermärkte, Läden, Gastronomie, ein Gesundheits- und Fitnessstudio, eine Senioreneinrichtung, eine Kindertagesstätte sowie ein Bürger- und Kulturzentrum kommen hinzu. Eine Dachterrasse soll als Aussichtsplattform für alle zugänglich sein.

Das Hamburger Projektentwicklungs- und Investmentunternehmen Values Real Estate und das Starnberger Immobilienunternehmen Ehret und Klein haben das Grundstück erworben und wollen nach den Plänen des niederländischen Architekturbüros MVRDV bauen. Für die Gestaltung der Freiflächen ist das Münchner Büro Keller Damm Kollegen zuständig.

Vier Architekturbüros waren im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens beauftragt worden, Entwürfe für das Areal zu erarbeiten. Am meisten überzeugen konnte das Team aus Rotterdam. Gestapelte Architektur ist ein Markenzeichen von MVRDV. Auf der Expo 2000 in Hannover schichteten sie beim niederländischen Pavillon sieben Bodenformationen übereinander, die die landschaftliche Vielfalt des Landes spiegeln sollten. Das erregte hohe internationale Aufmerksamkeit.

Das neue "Werk 12" im Zentrum des Münchner Werksviertels beim Ostbahnhof lässt deutliche Anklänge an das bekannte Expo-Vorbild erkennen. Der fünfgeschossige, transparente Komplex mit den weit vorstehenden, umlaufenden Balkonen sowie mit außen liegenden Treppen und Podesten war wegen seiner außergewöhnlichen Fassade mit dem Preis des Deutschen Architekturmuseums für das beste Bauwerk des Jahres ausgezeichnet worden.

Auch Ehret und Klein sind in München keine Unbekannten. Im Westend entsteht gerade am Heimeranplatz ein Büroensemble, das sich durch "visionäre Architektur" in einem gewachsenen Viertel auszeichnen soll. Dieses Ensemble besteht aus einem fünfgeschossigen Basisgebäude und einem gestapelten Turm mit 14 Etagen. Zu weiteren Projekten des Unternehmens in München zählen zum Beispiel die beinahe komplette Entkernung und der Umbau des ehemaligen Kaufhauses Beck an der Fürstenrieder Straße und ein Büro- und Geschäftskomplex an der Bayerstraße beim Hauptbahnhof.

Nun folgt also das Vorhaben in Untergiesing, das bereits unter dem Namen "Candid-Tor" firmiert. Peter Candid war ein flämischer Maler und Grafiker, der einst in Florenz und München wirkte. Noch ist allerdings keine allzu leichte Hürde zu nehmen. Ob der neue markante Orientierungspunkt in der Silhouette Münchens tatsächlich in der vorgesehenen Form umgesetzt werden kann - darüber werden am Dienstag übernächster Woche die den Stadtrat beratenden Experten der Stadtgestaltungskommission diskutieren und beschließen.

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