Crumbs & Kisses: Das Frühstückscafé mit dem geheimen Brot
Im „Crumbs & Kisses“ setzt man auf Kontraste. Die ziegelrot geflieste Rückwand leuchtet fast bis auf die Senserstraße hinaus und macht die sonst in modernem Grau gehaltene Sendlinger Tagesbar richtig gemütlich. Der größte Kontrast findet sich jedoch auf den bewusst schlicht-beigen Tellern, die die freundliche Bedienung nach etwas Wartezeit vor den Gästen platziert: Alle im „Crumbs & Kisses“ servierten Speisen und Getränke sind farbenfroh und kreativ betitelt. Der Rote-Beete-Hummus auf dem „Beet the Heat“-Sandwich (13,50 Euro) strahlt grell pink, der „Blue Moon Smoothie“ mit Kokosmilch, Ananas, Banane und Spirulina (7 Euro) macht seinem Namen alle Ehre. Das Café kann aber weit mehr, als sich mit bunten Farben und Wortspielen auf Instagram zu präsentieren.
Das Frühstücks- und Brunch-Angebot scheint konsequent darauf ausgelegt zu sein, das „Crumbs & Kisses“ nicht wie nur ein weiteres Frühstückscafé erscheinen zu lassen. Im Wesentlichen hat das Menü drei große Eckpfeiler: Als Erstes die Matcha-Latte-Kreationen, die von altbewährt (Erdbeere, 5,50 Euro) bis ausgefallen (Schwarzer Sesam, 6 Euro) reichen. Wem Matcha grundsätzlich zu sehr nach gemähtem Rasen schmeckt, bekommt auch guten neapolitanischen Kaffee (Espresso 1,50 Euro, Cappuccino 3,50 Euro). Die zweite Säule des Cafés ist das Sauerteigbrot, das entweder als eigenes Gericht oder pur im Brotkorb daherkommt.


Als „Figgy Smalls“ (stattliche 16,90 Euro) wird das Brot beispielsweise zur knusprig-weichen Unterlage für sattgrünen Salat, knallrote Feigen, Pesto und Mozzarella. Während andere Cafés bei Brot auf altbekannte Münchner Marken wie Julius Brantner setzen, kommt der Sauerteig im „Crumbs & Kisses“ aus einer kleinen Hamburger Firma, die so geheim ist, dass Café-Inhaber Donato Damato ihren Namen nicht verraten möchte; den Kontrast zu anderen Münchner Brunch-Spots will er erhalten. Nachvollziehbar, das Brot ist wirklich Weltklasse. Aus dem Brotkorb eignet es sich besonders gut, um Reste aufzutunken, die beim Essen aus dem Eggdrop-Sandwich fallen – dem dritten Eckpfeiler des „Crumbs & Kisses“.
Dabei werden fluffige Rühreier zwischen zwei weiche, goldene Briochehälften „gedroppt“ und unterschiedlich garniert. Neben dem oben genannten „Beet the Heat“-Eggdrop mit Cheddar, Roter Beete und Kichererbsen ist vorallem das „Smooth-Operator“-Sandwich (13,90 Euro) zu empfehlen, das mit Avocadocreme und scharfer Mayonnaise in feurigem Orange aufwartet. Nach der Bestellung dauert es allerdings eine ganze Weile, bis das Sandwich auf dem Tisch steht. Zeit, sich im 20 Gäste fassenden Raum umzusehen.
Die Bänke und Sessel sind sehr gemütlich, wer nicht sitzen will, kann Kaffee, Croissants und Bananenbrot an der Bar auch zum Mitnehmen ordern. Oder man überbrückt die Wartezeit, indem man eine Bedienung bittet, ein Polaroidfoto vom Brunch zu machen – das wird dann direkt an einer Willkommenswand am Eingang platziert. Eine Toilette gibt es bisher nicht, sie soll aber bald kommen; ebenso wie ein Schanigarten im Außenbereich. Nachdem Sesam-Matcha, Sauerteigbrot und Eggdrop genossen sind, kann ein plötzlich einsetzendes Essenskoma das Aufstehen durchaus erschweren. Von 11.30 Uhr an geht das Frühstücksangebot aber nahtlos in die Mittagskarte über. Ein Tipp: Einfach sitzen bleiben. Leo Greinwald
Crumbs & Kisses, Senserstraße 20, Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 8.30 bis 17 Uhr
Parse Books: Bücher und Kuchen als Brücke zwischen Kulturen

Man könnte den kleinen Laden in der Schwanthalerstraße auch für das gemütliche Wohnzimmer eines Bücherliebhabers halten: Die Wände sind in einem warmen Gelb gestrichen, auf den Tischen stehen bemalte Keramikvasen. Dicht an dicht reihen sich hohe Regale aneinander, darin unzählige Bücher mit Titeln in filigraner, fließender Schrift. Unwillkürlich kommt der Wunsch auf, die arabischen Buchstaben lesen zu können, um in die vielen Bücher einzutauchen – am liebsten, wenn man es sich dazu auch noch mit einem Stück Kuchen bequem machen kann. Bei Parse Books ist beides möglich: sowohl persische Literatur als auch Kulinarisches entdecken. Behdad Ghaffari kombiniert in seinen kleinen Räumen einen Buchladen mit einem Café. Parse, das bedeutet auf Persisch so viel wie „herumstreifend“. Damit ist aber nicht nur physisches Wandern gemeint, es bezieht sich auch darauf, Eindrücke aufzusaugen, Gedanken und Ideen zu sammeln. Genau das passiert auch, wenn man Bücher liest.
Den Online-Shop gibt es schon seit 2023. Ghaffari wollte damit zunächst ein Netzwerk schaffen, um persische Literatur zu teilen. Den Laden eröffnete er dann im September 2025. Parse Books sollte mehr sein als ein Ort, an dem Bücher verkauft werden, sagt er. Seine Vision: Menschen sollen dort zusammenkommen, ihre Ideen teilen und sich auf verschiedene Perspektiven einlassen. „Es soll ein Ort sein für Dialog und Verständnis. Ich glaube, sich gegenseitig zu verstehen und praktikable Kompromisse zu finden, ist der realistischste und bedeutsamste Weg, wie Menschen in Frieden zusammenleben können.“ Die Kombination aus Buchladen und Café sei in Iran insbesondere in den vergangenen fünf Jahren immer üblicher geworden, sagt Ghaffari. Das hat nicht nur kulturelle Gründe, sondern auch finanzielle: Der Verkauf von Kaffee und Gebäck zusätzlich zu den Büchern hilft dabei, das Geschäft am Laufen zu halten.


Und für Bücherfreunde ist es umso schöner, umgeben von den Regalen auch kulinarisch etwas zu genießen. Zum Beispiel Sharbat: Das kühle Getränk ist unter anderem in Iran zur Erfrischung verbreitet. Im Parse gibt es verschiedene Varianten. Sharbat Bidmeshk etwa schmeckt leicht süß und nach Rosen, eine kleine Blüte schwimmt auf den Eiswürfeln (4,50 Euro). Klassischen Cappuccino (3,50 Euro) und Espresso (2,50 Euro) gibt es auch. Wer Pistazien liebt, kommt zum Beispiel mit dem Pistazien-Tiramisu (5,50 Euro) oder dem Cheesecake mit Pistaziencreme (4,20 Euro) auf seine Kosten. Ansonsten bekommt man unter anderem hausgemachtes Safran-Eis (4,50 Euro), Safrankuchen (4,20 Euro) oder Karotten-Walnusskuchen mit Eis (5,50 Euro).
Ein Besuch lohnt sich also auch dann, wenn man bisher noch keine Berührungspunkte mit Iran hatte – oder vielleicht gerade dann. Vereinzelte Bücher gibt es im Laden auch auf Englisch oder Deutsch. Ghaffari glaubt daran, dass ein Ort wie Parse eine „Brücke zwischen verschiedenen Kulturen“ sein kann. In Zukunft möchte er daher gerne Diskussionsveranstaltungen auf Englisch organisieren, bei denen Menschen über Themen sprechen können, die ihnen wichtig sind. Anna-Maria Salmen
Parse Books, Schwanthalerstraße 137, Montag 12.30 Uhr bis 20 Uhr, Dienstag bis Samstag 10 bis 20 Uhr, parsebooks.de

