Erst vor ein paar Wochen hat das Nespresso House eröffnet, in bester Lage direkt am Marienplatz. Nun hat mit Dallmayr eine weitere namhafte Kaffeemarke bekanntgegeben, dass in der Dienerstraße am 18. Oktober ein Coffee Club eröffnen wird. Beiden Konzepten ist gemein, dass sie sich an ein eher junges Publikum richten, an Kaffeegenießerinnen und -genießer. Und: Es geht um Gastronomie als Erlebnis. Kommt da also womöglich ein neuer Trend auf München zu – und wenn ja, was bedeutet er für kleine Cafés?
Fragt man bei Dallmayr nach, wie genau sich der neue Coffee Club denn nun eigentlich von einem herkömmlichen Café unterscheidet, dann heißt es dort: „Der Dallmayr Coffee Club ist kein klassisches Café, sondern ein moderner Coffee Shop, der Genuss und Gemeinschaft verbindet.“ Sogar das Rösten der Bohnen vor Ort, wie das im Stammhaus bis in die 1960er-Jahre üblich war, will man wieder aufleben lassen. Grundsätzlich stünden handwerklich zubereitete Kaffeespezialitäten, hochwertige Specialty Coffees und Matcha zum Mitnehmen im Mittelpunkt – „ergänzt durch ein lebendiges Community-Angebot“. Kurz gesagt: Kaffeezubereitung trifft Lifestyle.
Und weil Lifestyle heutzutage nichts rein Analoges mehr ist, darf freilich auch eine App nicht fehlen: Mit der myDallmayr-App sollen laut der Pressestelle von Dallmayr Kunden Punkte sammeln können, jedes zehnte Getränk gehe dann aufs Haus. Dazu können sich User der App für Events anmelden, darunter etwa Kurse wie „Quick Tipps: How to Latte Art?“. Im kommenden Frühjahr sollen ein eigener Running Club und Yogakurse das Programm erweitern. So werde, davon ist Dallmayr überzeugt, der Coffee Club weit mehr als ein Ort für Kaffee oder Matcha, nämlich ein Treffpunkt für Menschen, die „Qualität, Lifestyle und Gemeinschaft miteinander verbinden möchten.“


So oder so ähnlich liest sich das auch in den Antworten von Nespresso: „Wir beobachten einen Trend, der über den reinen Einkauf von Kaffee hinausgeht: Menschen sehnen sich zunehmend nach Orten, die als gemeinschaftliche Treffpunkte dienen und besondere Erlebnisse bieten“, formuliert es Marketingdirektorin Lea Drusio. Auch die Stichworte „Erlebnis“ und „Interaktion“ fallen. Bei Kaffeepreisen, die nach Angaben des Statistischen Bundesamt durch die Decke gehen, muss man sich augenscheinlich was überlegen, um Kunden bei der Stange zu halten.
Wo das Münchner Traditionsunternehmen Dallmayr sich allerdings eine Community aufbauen und die Brücke schlagen möchte „zwischen unserer Tradition und einem urbanen, jungen Publikum“, geht es Nespresso eher um die Verbindung von Gastronomie und schickem Geschäft. Das Nespresso House sei „Café und zugleich ein Ort zum Einkaufen und für persönliche Beratung“, es lade dazu ein, „sich von der Nespresso-Produktwelt rund um Kaffees, Maschinen und Accessoires inspirieren zu lassen“. Dallmayr antwortet auf die Frage, ob sich ihr neuer Coffee Club mit dem Nespresso House vergleichen lasse, dann auch nur: „Gerne überlassen wir den Vergleich unseren Gästen und Besuchern.“
Bei Dallmayr will man mit dem neuen Konzept Tradition und Innovation verbinden
Was die sagen, wird sich wohl erst zeigen, wenn der Coffee Club eröffnet, zumindest das Nespresso House wird Drusio zufolge bislang gut angenommen. Schon jetzt stellt sich aber die Frage: Wenn immer mehr große Kaffeemarken in solch exklusiver Lage Kaffee anbieten, was bedeutet das für kleine Cafés? Drusio von Nespresso sieht hier eher eine Ergänzung als Konkurrenz; bei Dallmayr heißt es, man verstehe sich selbst gar nicht als klassisches Café: „Moderner Coffee Shop“ ist die Formulierung, die dem Unternehmen besser gefällt. Kunden bekommen ihren Cappuccino dort übrigens für 4,20 Euro, das ist auch nicht teurer als anderswo in München. „Wir möchten unseren Gästen höchste Dallmayr-Kaffeequalität zu fairen Preisen anbieten.“


Die von Nespresso und Dallmayr betonte Kaffeequalität, um die geht es auch Markus Pyttel. Seit sechs Jahren betreibt er das Café Sweet Spot mit mittlerweile zwei Filialen, eine davon nur einen Steinwurf vom Viktualienmarkt entfernt. Pyttels Ladenfläche fällt im Vergleich zu den rund 600 Quadratmetern, die etwa Nespresso bespielt, aber deutlich kleiner aus.
Was also hält Pyttel von den Konzepten der Kaffeeriesen? „Ich freue mich zunächst, wenn Kaffee nicht nur zum Zweck getrunken, sondern als Genuss verstanden wird“, sagt er. Dass so langsam bei den Menschen ein Umdenken stattfinde, das auch „große, für unkomplizierten Frühstückskaffee bekannte Konzerne“ dazu bewegt, mehr anzubieten als einen koffeinhaltigen Wachmacher „bestätigt uns in unserer Arbeit also nur“. Konkurrenz? Sieht er ebenfalls nicht direkt. „Da die Röstungen und angestrebten Geschmacksprofile großer Anbieter gänzlich andere sind, denke ich nicht, dass wir dadurch irgendwen verlieren werden, der nach dem sucht, was wir anbieten.“ Das wäre dann vielleicht: auch Kaffeegenuss, aber mit weniger drum herum.
Was trotz allem klar ist: Wenn es insgesamt mehr Läden gibt, in denen Menschen sich ihren Kaffee holen können, steigt der Druck auch und vor allem auf kleinere Unternehmen. Wie Kollegen von Pyttel die Lage einschätzen, hätte man deshalb gerne gewusst. Von Suuapinga oder Man versus Machine zum Beispiel: Beides sind wie Sweet Spot kleine Münchner Kaffeeketten mit einigen Läden. Auf Nachfrage will man sich dort aber lieber nicht äußern.
Bei Nespresso schließt man derweil eine Expansion nicht aus, konkret in Planung sei sie aber noch nicht: „Derzeit liegt unser Fokus darauf, unsere Gäste im Nespresso House München weiterhin zu begeistern.“ Und beim Dallmayr? Steht ja in gut einem Monat erst einmal die Eröffnung des ersten Coffee Clubs an.

